Ein wirklich originelles Buch, und daher schwierig zu kategorisieren: eine Komödie zwar, aber nicht ohne Pathos und besinnliche Momente, bietet es unterhaltende und lohnende Lektüre.
Die Geschichte ist einfach: der Geist des jungen Voltaire erscheint in einem alten jurassischen Bauernhaus, dem neuen Heim einer gerade von New York eingereisten schweiz-amerikanischen Familie. Der ungebetene Gast packt seinen Koffer aus, voll von Spitzengewändern, Manuskripten und wissenschaftlichen Geräten, und ... er will nicht wieder gehen. So entwickelt und vertieft sich eine ebenso liebevolle wie an- und aufgeregte Beziehung mit der Dame des Hauses. Die Geschichte seines früheren Lebens wieder erweckend, hilft Voltaire's Geist der nie ganz glücklichen Ex-Journalistin (einer Art moderner weiblicher Candide...) mit neuem Humor den Verlust ihrer Karriere und die Herausforderungen einer Familie zu verkraften: Ihr noch winziger Ältester wird von den Lokalbehörden "verhaftet" da er ungewollt einem Eisenbahnwagen zur freien Fahrt die Schienen runter hilft, und Voltaire packt sofort seine Sachen um den Kleinen in die "Bastille" zu begleiten. Auch lehnt er sich ihren Computer aus um eine neue aktivistische Website zu starten. Dann wird eine Neujahrsparty geplant, aber ihre Rezepte können seinen Versailles-inspirierten Vorstellungen kaum genügen, und einiges endet im Disaster. Eine lautstarke Auseinandersetzung wegen Voltaire's pornographischen und inzestuösen Liebesbriefen an seine Nichte endet ohne gegenseitiges Verstehen. Sogar in London finden sich die zwei wieder, und in all dieser Zeit reift der Gast vom launenhaften und egozentrischen Dramatiker zum grossherzigen und weisen alten Mann...
Was auch immer Küng inspiriert hat diese Geschichte zu erzählen, eines ist klar: das Buch ist voller Überraschungen und berührt, mit leichter persönlicher Note, so ernsthafte Themen wie Gedankenfreiheit und Lebensambitionen, Familie und Kinder, Ruhm und Enttäuschungen und, vor allem, Freundschaft.