Pressenotiz zu : Frankfurter Rundschau, 15.03.2000
In einer Sammelrezension bespricht Monika Klutzny die folgenden fünf Bilderbücher:
1) Kafka/di Gennaro (Illustr.): "Ein Bericht für die Akademie"
Ist dies eines der Bilderbücher, die "eigentlich" für Erwachsene gedacht sind, fragt sich Klutny, und verneint die Frage kategorisch. Zwar kann ein kindliches Lesepublikum vielleicht nicht die Kakfkasche Parabel in aller Tiefe deuten; aber die "magische Anziehungskraft" dieser Bilder von Affen mit menschlichem Anzug und Habitus wird sie einführen in das Vokabular der "Sprache der Bilder", etwas, was die lustige Niedlichkeit von Bilderbüchern sonst kaum je zu bieten hat, findet sie.
2) Wolf Erlbruch: "Nachts"
Wäre Erlbruch nicht schon ein bekannter Illustrator (Stichwort: Maulwurf, Goethezitate), würde dies schmale Bändchen total unverdient untergehen, meint die Rezensentin. Es lebt aus dem Kontrast zwischen nöligem Vater, der den Text bestreitet, und den um einen Nachtspaziergang bettelnden Sohn, dessen wilde, überschlagende Fantasien die Bilder abgeben. Nicht kunterbunt, dafür umso lohnender, urteilt Klutzny.
3) Nadia Budde: "Trauriger Tiger toastet Tomaten"
Auch diese Autorin/Illustratorin ist obschon von Kritikern hochgelobt keine Bestsellerlieferantin: zu schrill und absurd sind ihre Sprach- und Bildeinfälle, um als allgemein "kinderzimmertauglich" angesehen zu werden. Umso heftiger plädiert Klutzny dafür, den kindlichen Humor nicht nur mit harmlosen Albernheiten abzuspeisen, sondern ihm mehr Futter á la Budde zu gönnen.
4) Volker Pfüller: "Ziegenbock und Bratenrock"
Blöde Lehrer werden verhohnepiepelt mit köstlichen Bildern und Sprüchen (`Die Schlechten schreiben, wie sie mechten, aber die Guten schreiben exakt wie Konrad Duten.`); ein für jedes Kind ergötzliches Buch, meint Klutzny, das in einer vielversprechenden neuen Bilderbuch-Edition des Aufbau-Verlags (Hrsg: Ute Blaich) erschienen ist.
5) Shakespeare/Spirin (Illustr.): "Der Sturm"
Eine durch die Bilder des russischen Illustrators "kunstvoll akzentuierte" Prosa-Nacherzählung der Schakespearschen Romanze, schreibt die Rezensentin; sie hebt hervor, dass dieser (wie die anderen) Titel zur Vermittlung begeisterte Erwachsene braucht. Aber das, so findet sie, spricht kein bisschen gegen anspruchsvolle Bilderbücher.
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-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Prag geboren. Von 1901 bis 1906 studierte er zunächst kurze Zeit Germanistik, dann Jura. Nach der Promotion zum Dr. jur. absolvierte er eine einjährige "Rechtspraxis", trat dann 1907 in die "Assicurazioni Generali" ein und ging 1908 als Jurist zur "Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt", wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1922 blieb. Ende 1917 erlitt Franz Kafka einen Blutsturz, es war der Beginn einer Tuberkulose, an der er einige Jahre später, am 3. Juni 1924, starb