"Ein Bär will nach oben" ist ein satirischer Leckerbissen für alle, die vom eigenen literarischen Ruhm träumen. Brillanter Wortwitz und eine herrliche Ironie runden dieses außergewöhnliche und kurzweilige Lesevergnügen perfekt ab.
Ist es vielleicht nicht ganz auszuschließen, dass dem Autor in jungen Jahren etwas ganz ähnliches passiert ist, wenn er auch nicht gleich zum Bären mutiert ist? Wie auch immer: Viele Kreative, die selbst schreiben, werden sich in der Geschichte Kotzwinkles wiederfinden - und wenn auch nur als diejenigen, denen der ganz große Durchbruch versagt bleibt, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren.
Fast schon parabolisch beschreibt Kotzwinkle die Blindheit der Menschen vor sich selbst und ihrem Gegenüber, wenn es um Ruhm, Geld und Ehre geht. So gelingt es dem Bären Hal Jam während seines skurrilen Großstadttrips als gefeierter Autor, seine eigene Identität hinter den Schwächen seiner neugewonnenen Mitmenschen zu verbergen.
Beeindruckt hat mich auch der schlichte Stil des Autors. Kotzwinkle hält die einzelnen Kapitel kurz, wobei er fast schon akribisch zwischen den beiden Handlungssträngen der Protagonisten hin und her wechselt. Doch darf man sicher sein, dass die überraschende Pointe zum Ende des Romans die nach zwei Dritteln ein wenig durchhängende Spannung und Dramaturgie bei Weitem wieder wettmacht. Denn die spannende Frage, woher der Bär, der eigentlich kein Wort zu Papier bringen kann, sein zweites Buch nehmen soll, wird erst zum Schluß auf köstlich amüsante Weise gelöst.