Die Geschichte die uns Èva Gárdos erzählt, ist zum großen Teil ihre eigene. Wahrscheinlich geht das Filmdrama aus dem Jahre 2001 deshalb so zu Herzen. Das Drama um eine Familie, die auf ihrer Flucht aus Ungarn nach Amerika die jüngste Tochter zurück lassen müssen und auch nach der Familienzusammenführung nicht wirklich zueinander finden, wird sehr einfühlsam und mit vielen eindringlichen Bildern aus der Sicht des Mädchens Suzanne (Scarlett Johansson) geschildert. Als Teenager reist sie schließlich zurück nach Ungarn, um dort Antworten auf wichtige Fragen nach Zugehörigkeit und Heimat zu finden. Hier setzt der Film ein und der Zuschauer verfolgt aufmerksam ihren Rückblick in die Vergangenheit und ist gespannt auf die Einsichten, die sie bei ihrem Besuch in Budapest gewinnen wird.
In den 1950er Jahren träumt ein junges Ehepaar aus Ungarn von einem besseren Leben für sich und ihre Kinder. Doch der Fluchtplan auf dem Weg in ein freies Leben in Amerika klappt nur beinahe perfekt. Die kleine Tochter der Sandors, das Baby Zsuzsi, bleibt zunächst zurück. Verzweifelt kämpft ihre Mutter Margit Sandor (Nastassja Kinski) dafür, dass ihre Tochter ebenfalls ausreisen kann. Die kleine Zsuzsi (Kelly Endresz-Banlaki), die bei liebevollen Pflegeeltern im ländlichen Ungarn aufwächst, ahnt nichts von dem politischen Drama um ihre Person. Als es nach einigen Jahren gelingt, die Familie in Amerika wieder zusammenzuführen, wird die Öffentlichkeit durch ein wundervolles Photo der glücklichen Sandors gerührt. Allerdings ist es für das kleine ungarische Mädchen alles andere als leicht, sich bei dieser fremden Familie einzugewöhnen und sie hat schreckliches Heimweh. Die innerliche Zerrissenheit hält an und im Teenageralter spitzt sich der Konflikt zwischen Mutter und Tochter dramatisch zu. Zsuzsi, jetzt Suzanne genannt, erinnert ihren Vater an sein Versprechen, welches er ihr vor langer Zeit gab. Suzanne möchte endlich wieder nach Ungarn zurück. Um dort Antworten auf die Fragen zu finden, die sie quälen und um ihre geliebten Zieheltern wieder zu sehen. Bald darauf kommt sie mit dem Zug in Budapest an. Doch auch dort sind die Uhren in all den Jahren nicht stehen geblieben. War es richtig, nach so langer Zeit zurück zu kommen? Wird sie hier herausfinden, wohin sie wirklich gehört? Was bedeutet es überhaupt, nach Hause zu kommen?
Der Film ist in mehrere Handlungsabschnitte eingeteilt, wobei die Übergänge nicht immer ganz harmonisch gelingen. So kommt vor allem der Wechsel von der kleinen Zsuzsi auf der Schaukel, welche die Hand ihres Vaters hält und dem traurigen Teenager, der sich heftige Wortgefechte mit der völlig überforderten Mutter liefert, etwas abrupt.
Sehr einprägsam dargestellt wird die Flucht der Familie Sandor aus Ungarn. Die Aufnahmen werden durch einige zeitgenössische Bilder von politischen Paraden und dem Abführen von Zivilisten, die durch unangepasstes Verhalten aufgefallen sind und nicht selten bald darauf hingerichtet werden, eingeleitet. Der Abschied von Baby Zsuzsi, die am nächsten Tag nachfolgen soll, die nervenaufreibende Zugfahrt und die Flucht durch Stacheldrahtzäune - all diese Szenen werden in schwarz-weiß dargestellt und vermitteln ein gutes Bild von der angespannten und gefährlichen Atmosphäre. Erst als das Ehepaar Sandor mit der fünfjährigen Tochter Maria über die österreichischen Wiesen läuft, wird das Bild bunt und deutet Erleichterung an.
Die Schauspieler agieren fast durchweg glaubwürdig. Die Leistung der kleinen Kelly Endresz-Banlaki als Suzanne ist besonders hervorzuheben. Diesen kleinen, blonden Engel mit den seelenvollen blauen Augen muss man einfach lieb haben. Man kann sehr gut verstehen, dass ihre Zieheltern, die sich sehr liebevoll um das kleine Mädchen kümmern, den möglichen Abschied in Gedanken immer wieder verdrängen und sehr darunter leiden, als Zsuzsi sie tatsächlich verlassen muss. Auch Scarlett Johansson als Teenager Suzanne ist absolut glaubwürdig, obwohl einige Fans der Schauspielerin wegen falscher Erwartungen vielleicht enttäuscht werden. Besonders sexy ist sie nämlich nicht, die Rolle der Suzie Sandor. Dafür überzeugt die Darstellerin durch ihr einfühlsames Spiel und man begleitet sie sehr gerne auf ihrer Suche nach Identität. Nastassja Kinski dagegen wirkt etwas hölzern. Da hat eindeutig die ungarische Mutter die Nase vorn, obwohl die traurige Schönheit von Frau Kinski schauspielerische Schwächen etwas ausgleicht.
Schade, dass die Extras auf der DVD etwas dürftig sind. Besonders die Hintergründe zur Entstehung des Films wären bestimmt sehr interessant gewesen. Dafür gibt es beim Hauptfilm überhaupt nichts zu meckern. Die detaillierten Aufnahmen in Budapest verleihen dem Film zusammen mit der ungarischen Hintergrundmusik eine ganz besondere Note!
Fazit: Gefühlskino vom Feinsten! Ein Stück Zeitgeschichte wird neu belebt und durch ein besonders Familiendrama nah und echt in Szene gesetzt. Und die Suche nach Identität ist bestimmt ein Thema, welches junge und ältere Zuschauer gleichsam ansprechen dürfte.