Von den 20ern bis weit in die 1960er Jahre hinein schuf Hollywood ein Genre, das auch heute nichts von seinem Zauber verloren hat. Die Rede ist eindeutig vom Hollywood-Musical und seine größten männlichen Stars waren ohne Frage Fred Astaire und Gene Kelly; wo Astaire ätherisch über den Boden zu schweben schien, hatte man bei Kelly immer den Eindruck, er würde nicht tanzen, sondern die Erde zu Boden drücken und in all den Jahren, die da kamen, hat man nie wieder zwei Schauspieler so grandios steppen sehen.
"Ein Amerikaner in Paris" ist ein Filmjuwel, wie man es heute nicht mehr produzieren würde, zu aufwendig, zu bombastisch und wozu sollte man heute noch Schauspieler zu Tänzern trainieren, wenn man doch alles mit dem Computer machen kann? Filme wie dieser werden heutzutage nicht mehr gedreht und dennoch gibt es vielleicht kaum einen anderen Film, der mein persönliches Bild von Paris so geprägt hat wie dieser. (Und ja, ich weiß sehr wohl, daß es dieses Paris selbst in den 1950ern nicht gegeben hat, vielleicht hat es es auch nie gegeben...)
Die Geschichte ist schnell erzählt: Ex-GI Jerry (Gene Kelly) ist ein erfolgloser Maler in Paris, der eines Tages von der reichen Milo ("like in Venus de!") entdeckt wird, die junge Künstler "sammelt". Eigentlich könnte es nun mit Jerrys Karriere richtig losgehen, doch ausgerechnet an dem Abend, an dem Milo mit ihm zum ersten Mal ausgeht, trifft Jerry das Mädchen seiner Träume: Lise (Leslie Caron), die mit einem erfolgreichen Entertainer liiert ist, der wiederum ein Freund seines besten Freundes ist..
Natürlich wird zum Ende hin alles gut, doch bis Jerry und Lise sich finden, präsentiert Regisseur Vincente Minelli (Ehemann von Judy Garland und Vater von Liza Minelli) ein großartiges Hollywood-Musical, bei dem alles zu stimmen scheint. "Ein Amerikaner in Paris" ist elegant und leichtfüßig, spritzig und witzig von der ersten bis zur letzten Minute und voller grandioser Gershwin-Nummern, die man noch lange nach dem Film im Ohr hat. "'s wonderful" oder "I got rythm" sind hierbei sicherlich hervorzuheben und dürften auch heute noch für ein seliges Lächeln auf den Lippen der Zuschauer sorgen. 6 Oscars war der Academy dieses wunderschöne Musical wert, jeder ist gerechtfertigt!
Umso bedauerlicher ist die Aufmachung dieser DVD. Die erste DVD enthält als einziges Extra den Original-Kinotrailer aus dem Jahre 1952 (in englischer Sprache), die zweite DVD hat auch nur ein einziges Extra, nämlich die Doku "Anatomy of a Dancer", eine Biographie über Gene Kelly. Positiv hervorzuheben bei dieser Biographie ist sicherlich die Tatsache, daß sie nicht immer nur der Lobhudelei huldigt und Kelly auch als Perfektionisten zeigt, der von seinen PartnerInnnen das Äußerste verlangte, Debbie Reynolds (seine Partnerin in "Singin' in the rain") klagt ziemlich deutlich über blutige Füße während der Dreharbeiten. Jedoch erfährt man leider nichts über Kellys Kindheit und Jugend. Allerdings entschädigt hierfür die Länge von ca. 82 Minuten. Enttäuschend ist jedoch der 1.0-Ton während des Films, der eher als mono einzustufen ist, bei einem Musical, das ja nicht umsonst Musical heißt, ist das schon ein wenig mau, hier wäre eine grundlegende Überarbeitung der Tonspur wünschenswert für kommende Auflagen.
Aber davon einmal abgesehen gibt es echt nichts zu meckern. "Ein Amerikaner in Paris" ist ein wunderbares Musical in den schillerndsten Farben, das sich seiner Studiokulissen nicht schämt und dafür umso charmanter rüberkommt.
Ein wundervoller Film, auch nach über 50 Jahren!