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Die zärtliche Geschichte wird äußerst vielschichtig erzählt. Es gibt den Erzähler, der alles weiß, zwischen den Zeiten und Personen souverän hin- und herspringt, und ein sehr guter Freund Nardis, aber auch seiner Frau Suzannes ist. Der Erzähler weiß um die Leidenschaft und die dazugehörenden Gefahren des Künstlers; er selbst ist Maler. Der Charme der Story liegt vor allem in den rhythmisch komponierten Sätzen: im Wechsel zwischen den Erzählperspektiven und der leichten, stilistisch sicheren Sprache mit ihrer Intensität und ihrem Sinn für Komik. Der Autor hat den Jazz im Blut, das hört man.
In seiner Lesung zieht Matthias Ponnier den Hörer unwiderstehlich in den Bann der Geschichte Simons und Debbies. Dabei stellt sich unaufhörlich die Frage: Wird Simon rückfällig oder wiedergeboren? Ponnier meistert die für diesen Text geforderte Rhythmik und Vielschichtigkeit. Der Schauspieler und renommierte Synchronsprecher wirkte bereits in zahlreichen Hörspielen mit. Seine Stimme gibt brillant das Spiel des langsamen, aber unaufhaltsamen Zueinanderkommens der Sängerin Debbie Parker und des ehemals gefeierten Jazzpianisten Simon Nardis wieder. Er trifft den Ton für die allwissenden Überlegungen und Schachzüge des Erzählers. In den Passagen, in denen über den Tod Suzannes gesprochen wird, findet er die richtige Stimmlage: nicht weinerlich und auch nicht despektierlich. Ponniers erstklassige Interpretation vollenden berühmte Stücke wie Thats all oder Autumn Leaves, gespielt von Zbigniew Stanula.
Ein Abend im Club ist Christian Gaillys elfter Roman. Der Roman wurde eines der erfolgreichsten Bücher des Jahres 2002: Das Buch gewann den renommierten Prix du Livre Inter 2002 und wurde vom Magazin Lire zum besten französischen Roman des Jahres 2002 gewählt. Bevor Gailly, Jahrgang 1943, sich dem Schreiben widmete, war er Jazzsaxophonist, dann Psychoanalytiker. Sein Musikerdasein gab er wegen der zu großen Gefahren, die darin lauern, auf. Gailly weiß also genau, wovon er in diesem Buch schreibt. Ein Abend im Club trägt stark autobiografische Züge, womit der Autor aber keinerlei Probleme hat. Ganz im Gegenteil, für ihn steht fest, dass es keine Literatur gibt, die nicht autobiografisch ist.
Lesung mit Musik, Spieldauer: ca. 146 Minuten, 2 CD. Mit Booklet.
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Eine wunderbare, herrliche und traurige Liebesgeschichte zugleich ist diese Erzählung von Christian Gailly über den Jazz-Pianisten Simon Nardis.
Nach Jahren eines nüchternen, bürgerlichen Lebens mit Suzanne , seiner Frau, die ihn vor langer Zeit aus dem Alkohol-, Drogen- und Nachtclub-Jazzmilieu, in dem er als anerkannter Pianist tätig war, herausgeholt und vor dem Tod gerettet hatte, begegnet Simon noch einmal einer großen Liebe in Gestalt der amerikanischen Jazzsängerin Debbie. Sie ist Betreiberin eines Jazzclubs in einem kleinen Ort am Meer in Frankreich, nicht weit von Paris entfernt. Dort hatte er beruflich zu tun, und die beiden lernen sich am Abend in Club vor seiner Rückkehr nach Paris kennen.
Sie ist eine hervorragende Jazzsängerin. Er kann der Versuchung nicht widerstehen, noch einmal die Tasten des Pianos zu bewegen und seinen besonderen Stil zu spielen, der von der engagierten Band des Abends als Verlockung in der Erinnerung an das eigene Spiel an ihn herangetragen wurde.
Die Begegnung mit Debbie löst ein ungekanntes, großes Glücksgefühl in beiden Protagonisten aus. Wie es weitergeht, soll nicht verraten werden.
Nur so viel: es ist eine beglückende und wunderbare Erzählung, die den/die LeserIn tief anrührt!
Die Sprache ist nüchtern und genau , ohne die Gefühle, die dort aufgerührt werden, zu verleugnen.
Es ist ein wahrer Lesegenuß!
Cl.B.
Jazz ist sein Leben. Simon Nardis ist ein begnadeter Jazzpianist, doch der Jazz hatte ihn fast umgebracht. Er ist vollgedröhnt mit Alkohol und Drogen, als Suzanne, seine Ehefrau, ihn aus den Sumpf zieht und ihn, nachdem er genesen war, ins bürgerliche Leben einführt. Er hört nur noch Klassik, verabschiedet sich vom Jazz und rührt kein Klavier mehr an. Das war ein Verrat, lesen wir schon zu Beginn des Romans. Er führt ein "vorgetäuschtes Leben", das ihn traurig macht. Zehn Jahre Ehe mit Suzanne und dann verbringt er "einen Abend im Club": Das Jazztrio macht eine Pause, das Klavier allein auf der Bühne. "Der Wodka zirkulierte in seinem Gehirn. Der Wodka setzte sein Gehirn in Gang...auch sein Herz schlug anders". Schließlich setzt er sich ans Klavier, fängt an zu spielen, Debbie, die Besitzerin des Klubs, fängt an zu singen, und sie verlieben sich. Beide sind vom Jazz infiziert.
Der Roman erzählt von großem Glück, "dass einem der Atem stockt und man Tränen lacht." Schöner auszudrücken als Christian Gailly es hier zelebriert - unvorstellbar. Erzählt wird das Glück der Liebenden mit einer engelsleichten Unbeschwertheit, obwohl immer wieder Züge in Richtung Paris fahren, wo Suzanne auf ihren Ehemann wartet. Nardis verpasst alle Züge. Er schafft zuerst unbewusst Hindernisse, die Züge zu verpassen, schließlich wird ihm sein Wunsch bewusst. Er will nicht nach Paris zurück, sein Glück will er nicht aufgeben. Man merkt, Gailly war Psychoanalytiker.
Jazz und Blues, Glück und Schmerz, athmosphärisch erzählt...engelsleicht
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