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Eikan, du bist spät: Roman (suhrkamp taschenbuch)
 
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Eikan, du bist spät: Roman (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Adolf Muschg
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 315 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (18. Dezember 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518458280
  • ISBN-13: 978-3518458280
  • Größe und/oder Gewicht: 17,2 x 10,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 570.215 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Adolf Muschg
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ohne seine Freundin Sumi hätte Andreas, ein begnadeter Cellist, den Mut zu seinem schwierigen Pariser Konzert nicht aufgebracht. Warum sie ihn dann nach dieser Nacht abrupt verläßt und nach Japan zurückfährt, kann er allerdings nicht begreifen. Überhaupt wird er aus den Frauen, mit denen er sich tröstet, nie klug. Als er jedoch nach langer Zeit, ein Mann in den besten Jahren, Sumi wieder begegnet, merkt er doch, worin seine »Lebenskunst « bestehen könnte.

Über den Autor

Adolf Muschg wurde 1934 als Sohn von Adolf Muschg senior (1872–1946) und seiner zweiten Frau in Zollikon, Kanton Zürich/Schweiz geboren. Er studierte Germanistik, Anglistik sowie Philosophie in Zürich und Cambridge und promovierte über Ernst Barlach. Von 1959 bis 1962 unterrichtete er als Gymnasiallehrer in Zürich, dann folgten verschiedene Stellen als Hochschullehrer, unter anderem in Deutschland (Universität Göttingen), Japan und den USA. 1970 bis 1999 war er Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. 1975 war Muschg Kandidat der Zürcher Sozialdemokratischen Partei für den Ständerat. Er wurde zwar nicht gewählt, äußerte sich nach wie vor regelmäßig zu politischen Zeitfragen. Adolf Muschg ist seit 1976 Präsident der Akademie der Künste Berlin, Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt sowie der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. Lesereisen führten ihn bisher nach Deutschland, England, Holland, Italien, Japan, Kanada, Österreich, Portugal, Taiwan, USA. Er lebt in Männedorf bei Zürich.


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von sonaleu
Format:Gebundene Ausgabe
Andreas Leuchter, Cellist, Anfang 40, scheitert beim Versuch, in Paris das Cellokonzert seines Jungendfreundes Enders, mit dem ihn im Internat eine Hassliebe verbunden hat, zu spielen, er kapituliert vor einer Partitur, die ihm unspielbar erscheint.
Andreas - Enders, die beiden Namen deuten eine Verwandtschaft an, einen inneren Bezug der beiden Figuren, der dann auch, obwohl die beiden sich im Verlaufe des Romans nie treffen und Enders wohl schon bald nach Leuchters Konzert stirbt, das ganze Buch durchzieht. Bereits der Deutschlehrer im Internat hatte gesagt, wenn "einer Andreas heisst, hat er's zu Anders nicht mehr weit. Und von Anders zum Enders fehlt dann nur noch ein Halbton."
Tatsächlich geht es im ganzen Buch um feine Nunancen, besonders auch musikalischer Art, alles ist inhaltlich und erzähl- kompositorisch verwoben, der Roman geht bedeutungsschwanger - und langweilt nach einer gewissen Zeit, allzu sehr wirkt alles konstruiert, wie auf dem Reissbrett entworfen. Die Figuren leben nicht, werden uns nicht wirklich vertraut, da sie und ihre Handlungen und ihre Umgebungen symbolisch überhöht werden, taugen aber auch nicht als blosse Sinnbilder, da der Erzähler einen realistischen, detailversessenen Stil verwendet, manchmal nach dem richtigen und treffenden Ausdruck fast zu ringen scheint. All dies lässt sich auch an den Frauenfiguren ablesen: Vera, die Juristin, die Andreas bei Wahrheitssuche und im praktischen Leben hilft, Catherine, die Atemtherapeutin, die ihn das Atmen lehrt, Sumi, die geheimnisvolle Japanerin, Geliebte und von Andreas vorerst verkannte grosse Künstlerin...
In Japan besucht Andreas ein buddhistisches Kloster, wir hören mit ihm die Geschichte des Abtes Eikan, der einmal zu spät zum Meditieren erschienen, den Buddha sieht, der sich nach ihm umdreht, ihm über die Schulter zu spricht "Eikan, du bist spät" und der dann erleuchtet wird. Wird wohl auch Leuchter erleuchtet? In Japan hört er nun das Cellokonzert, an dem er gescheitert war: "Doch zum erstenmal glaubte er zu begreifen, wofür Kunst gut war: vom Verlorenen zu handeln, als wäre es immer noch die Möglichkeit: als käme es von vorne, eine Verheissung, wieder auf dich zu." Mit dieser "Erleuchtung" gehts dann nochmals zurück nach Paris...
Ein letztlich interessanter Stoff, der anders und auch kürzer hätte erzählt werden können, auf dreissig statt auf 315 Seiten. Schade.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Das Buch "Eikan, du bist spät" kann wohl als missratener Versuch gewertet werden, literarisch hochwertig Themen der Popkultur aufzuarbeiten: der Bogen reicht hier von Sexualität, Musik, Genialität, Gewalt und Esoterik. Das Endprodukt scheint aber allzu oft konstruiert und unglaubwürdig, fernab von der Spontaneität und Unbekümmertheit der Ikonen der Popkultur wie Jack Kerouac oder Banana Yoshimoto.

Befremdend wirkt vor allem die Darstellung der zwischengeschlechtlichen Beziehungen. Andreas Leuchter, die Hauptfigur des Romans, lebt eine ganze Serie von Beziehungen (Catherine, Vera, Sumi, Jaqueline, Ayu), die jedoch allzu oft als unwahrscheinlich und konstruiert erscheinen. Genauso unglaubwürdig erscheint das Verhältnis mit dem Internatskollegen Roman Ender, das von homoerotischer Bindung und Gewalt gekennzeichnet ist.

Von Liebesspielen mit phallusartigen Steinen die im Krankenhaus enden, One-night-stands auf dem Friedhof, Frauenhandel in pariser Bordellen und nackten Referenten, die von unspielbaren Cellosuiten vortragen, bis zur religiösen Erleuchtung bleibt einem in diesem Roman nichts erspart.

Der Handlungsablauf wirkt hierbei - im Unterschied zu den genannten Ikonen der Popkultur - alles andere als ungezwungen und spontan.

Mit diesem Buch wird Adolf Muschg den in der Vergangenheit erhaltenen zahlreichen Literaturpreisen (u.a. 1994 Büchnerpreis) nicht gerecht.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Der Autor Adolf Muschg ist seit zwei Jahren Präsident der Akademie der Künste in Berlin. Der Titel nimmt Bezug auf eine buddhistische Erleuchtungssituation. Es ist eine Legende, die von einem Abt berichtet, der immer als erster in der Frühe aufstand, dann aber von einem anderen Abt beim Meditieren mit dem Satz überrascht wurde :"Du bist zu spät Eikan". Dabei blickt er, wie die Buddhafigur auf dem Cover des Buches, über die Schulter. Und in diesem Augenblick wird Eikan erleuchtet, denn er merkt, dass er immer zu spät ist, also es ist immer spät, man ist immer nahe am Tod und gleich nah am Anfang.
Der Held des Buches heißt Leuchter. Ist er am Ende auch der Erleuchtete?

Der Inhalt ist wie folgt, kurz skizziert. Es gibt einen Mann von 42 Jahren, der ist Cellist, und er hat einen Freund. Die beiden sind zusammen in einem Internat gewesen. Das Buch selber beginnt mit einem Brief, aber die Geschichte beginnt eigentlich im Internat.
Hier haben sich die beiden kennen gelernt. Andreas Leuchter der Cellist und Roman Enders, Sohn reicher Eltern. Beide sind erotisch voneinander angezogen. Einer versuchten Annäherung entzieht sich der Andreas Leuchter, weil er gelernt hat sich selber immer unter Strafe zu stellen, wenn er Strafe befürchtet. Das heißt, er hält sich an klare Regeln, während sein Freund den Emotionen freien Lauf lässt.

Und jetzt, Jahre später, beide hatten sich im Internat entzweit, passiert folgendes. Beide sind jetzt im Alter von 42 Jahren und da kommt eines Tages dieser Brief.
Dieser Roman Enders schreibt in dem Brief, das er jetzt in Paris lebt und an Aids erkrankt ist und das nächste Jahr nicht erleben wird. Er beauftragt seinen Freund aus dem Internat, ein Cellostück, eine Suite in drei Sätzen, öffentlich vorzutragen. Er fügt die Bemerkung hinzu:" Wenn du dich nicht daran hältst, die Toten werden sich an dir rächen." Mit anderen Worten, nimm dich in Acht, ich bin immer noch da. Hier taucht das „Wiedergänger Motiv", das man auch bei anderen Büchern von Adolf Muschg findet, auf.

Und dann die vielen Liebesgeschichten, die Geschichten mit Frauen aus denen dieser Andreas Leuchter nicht klug geworden ist. All die vielen sexuellen Praktiken sind deutlich, aber doch dezent geschrieben. Man wirft ihm vor, dass seine Frau Catherine sich umgebracht hat, als er ein Verhältnis mit Sumi, einer begnadeten Cellistin begann. Und diese Sumi hat ihn immer wieder aufgefordert das Stück einzustudieren. Er weiß eigentlich gar nicht, dass sie Cellistin ist, behandelt sie wie eine Assistenzfigur.

Er studiert die Partitur ein, es kommt schließlich zur Aufführung in Paris, die allerdings misslingt. Und das Konzert, was er nicht spielen konnte, spielt Sumi in sagenhafter Größe und zeigt damit, dass er in seiner Kunst gescheitert ist, am Ende ein „Nichtkünstler" ist.

Der Cellist wird Judokämpfer und reist nach Japan. Er juriert Cello Schüler und Schülerinnen und dann passiert das, was dem Abt Eikan passiert ist, es kommt zu einer Erleuchtung. Hinter dem Vorhang, wo die Schüler spielen, damit sie bei der Benotung nicht erkannt werden, hört er plötzlich eine Musik, die er so noch nie gehört hat. Und es heißt, es sei eine Musik die gelernt habe sich selber zu hören.

Und er wird in diesem Moment ein anderer Mensch. Er gibt die Kunst auf, reist zurück, und wiederholt gewissermaßen ein Martyrium welches er sich am Anfang aufgeladen hat durch Lieblosigkeit, Verachtung und seine selbstgefällige Art gegenüber Frauen. Er hat gemerkt die Kunst gibt die Möglichkeit, das, was im Leben vorbei ist oder noch gar nicht da war, lebendig zu halten.

Ich habe das Buch mit Faszination gelesen, es ist so reich an Lebensweisheiten, völlig ohne Pathos und gleichzeitig so komprimiert. Und weil sich an den beiden Grundmotiven der Bildung, nämlich Liebe und Kunst, in diesem Roman Individuen bilden, haben wir es hier eigentlich mit einem klassischen Bildungsroman zu tun. Ein geheimnisvolles Buch, ein geheimnisvoller Gang eines Menschen, der, so sollte man vielleicht sagen, ausgezogen ist, hören und lieben zu lernen.

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