GENAU derartige Veröffentlichungen, die dann sogar noch große Verbreitung finden, sind es leider, die am Thema Wirtschaft interessierte Leser in völlig falsche Richtung lenken und vom eigentlichen Kern, den Kategorien der abstrakten Wertverwertung, ablenken, in eine Richtung, welche die Logik der Marktwirtschaft ideologisch mit dem Scheinargument des juristisch untermauerten Eigentums (im Gegensatz zum Besitz) zu begründen versucht. Alle Ebenen und Zusammenhänge, die wirklich aufzeigen würden, woraus die Probleme z.B. auch in der Krise 2008/2009 resultieren, sind hier ausgeblendet worden.
Das ganze Gedankenkonstrukt der Autoren basiert darauf, den Zins anders zu begründen als die klassischen und neoklassischen, liberalen Theorien und juristisch ans Eigentum zu binden. Nicht das die Eigentumsfrage nicht auch ihre Berechtigung hätte - das schon. Aber dann dürfte man das Pferd nicht von hinten herum versuchen aufzuzäumen, wie es hier leider gemacht wird. Dabei kommen dann völlig unhaltbare Axiome heraus, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, so lustig oder traurig ist es, was die Autoren hier ernsthaft publizieren. Kostprobe gefällig? Dann wähle ich mal gleich etwas, was jeder hier online auch nachlesen kann:
"Der Besitz wird zwar nur mit Geld bewirtschaftbar, ohne Eigentum aber gibt es dieses Geld nicht und entsprechend auch keine Wirtschaft."
Hier wird als blind vorausgesetzt und behauptet, dass es quasi keine vernünftige Form wirtschaftlichen Handels gäbe, wenn es nicht automatisch mit Geld verbunden sei. Jeder, der schon mal ein Buch über indogene Ureinwohner, meinetwegen die Indianer Nordamerikas gelesen hat, wird wissen, dass das unhaltbar falsch ist. Das würde genau genommen mindestens 100.000 Jahre menschliche Existenz einfach auslöschen. Die natürliche Wirtschaftsordnung lief nämlich lange, lange völlig ohne Geld als Subsistenzwirtschaft, gesteuert auf der Ebene des naturalen, stofflichen Reichtums einer Gemeinschaft. Geld kam erst viel später dazu, bildete sich aus allseits verfügbaren Produkten, die als allgemeines Tauschäquivalent gebräuchlich waren, heraus. Die Indianer betrachteten das ihnen von den Göttern gegebene Land und seine Bodenschätze weder als ihren Besitz oder als ihr Eigentum. So konnten sie sich selbst als Bestandteil der Natur sehen und mit derselben im ökologischen Einklang leben. Produkte wurden einfach hergestellt und allen frei zur Verfügung gestellt oder gegen die Produkte anderer Stämme getauscht. Sowohl Geld als auch Zins, den die Autoren zur Prämie für das Eigentum stilisieren, waren unbekannt, weil gar nicht nötig, um wirtschaftlich vernünftig handeln zu können. Der Tisch war immer reichlich gedeckt.
Das änderte sich erst dann, als die Weißen Händler kamen und die Indianervölker anfingen auszubeuten und dafür sie sorgen, sie ihren natürlichen Schätzen durch Übervorteilen zu berauben. Selbst Eigentumstitel hätten den Indianern da nur wenig geholfen. Genau wie heute auch, wo die Eigentümer der Moderne ihres abstrakten Vermögens durch Inflation und Zusammenbrüche des Geldsystems beraubt werden. Die Äquivalenzprodukte wurden später durch Münzgeld ersetzt, weil das praktischer war als ein Kilo Reis, einen Sack voll Muscheln oder schwere Metallstangen mit sich rum zu schleppen. Benutzt wurde es aber eher als eine Art Pfand, den man für überschüssige Produktion eintauschte.
Aber es geht ja noch weiter im Text:
"Das Wirtschaften entsteht erst, wenn dem ewigen, eine bloße materielle Reproduktion ermöglichenden und auch schon im Tierreich existierenden Besitz physischer Ressourcen und Güter durch Rechtsakt Eigentumstitel hinzugefügt werden, die diese Sachen in Waren und Vermögen verwandeln."
Auch hier werden die Tatsachen auf den Kopf gestellt. Aus der Subsistenzwirtschaft bildete sich allmählich die Warenwirtschaft heraus, die dann entsprechende Rechtsgrundlagen nach sich zog. Erst damit änderte sich der Charakter des Geldes. Jetzt war das Wertschöpfungsprinzip geboren, aus dem man versuchen konnte, sich über Tauschunterschiede an der Arbeit (also der Wertsubstanz) anderer zu bereichern, im Idealfall, indem man einfach nur die Ware Geld selbst verlieh, um sie mit Mehrwert, nämlich dem Gewinnaufschlag Zins, zurückzufordern. Die von den Autoren bejubelte Rechtssicherheit des Eigentums ist also keineswegs der Weg zur Freiheit, sondern die Basis der Ausbeutung und Unfreiheit!!! Ich sage hingegen: Nur die Ausbeuter unter den Menschen machen Dinge käuflich, die eigentlich niemanden bzw. allen gehören sollten!
Davon abgesehen handeln auch Tiere wirtschaftlich vernünftig und vorausschauend, ohne Eigentumsrechte (z.B. Vogel beim Nestbau, Biber beim Bau seiner Biberburg usw., also am Gebrauchswert orientiert).
Aber es wird noch besser im Text:
"Deshalb geht bei der Abschaffung des Eigentums nicht nur seine Prämie unter. Auch das Wirtschaften hört auf, und die bloße Produktion kehrt zurück."
AHHH - HILFE - KREISCH - geht es noch blöder? Da schürt man also die unterschwellige Angst, das geliebtes Geldsystem könnte verloren gehen und dann würden wir alle ganz schrecklich verhungern, weil die Apfelbäume nie wieder Früchte tragen würden, die Quellen versiegen, Wind und Sonne keine Energie mehr erzeugen könnten und überhaupt würden alle Menschen schlagartig aufhören zu arbeiten, da die nackte Produktion und Reproduktion ja niemandem zuzumuten sei, wenn niemand dafür bezahlt werden könnte, ...oder was...? Also bei allem Respekt: derartige Weisheiten einer "Eigentumsökonomie" sind reine Ideologie und schlichtweg der Gipfel der Verblödung!!! Selbst ein Stern ist für dieses ideologische Machwerk noch zu viel! Das ist quasi eine Form der totalitären Irreführung des Lesers, was man versteht, wenn man sein Gehirn nicht völlig abgeschaltet hat...
Wer sich ernsthaft für moderne, kritische Wirtschaftstheorie interessiert, der sollte nicht innerhalb der zu kurz gedachten Themenkomplexe Geld, Zins und Eigentum nach Zusammenhängen suchen, sondern Bücher zu rate ziehen, die das auch beinhalten, aber den Blick viel weiter fassen. Sehr empfehlen kann ich die Kombination aus SCHWARZBUCH KAPITALISMUS und DAS WELTKAPITAL von Robert Kurz. Den qualitativen Unterscheid wird der Leser sofort bemerken!!!