Eugen Drewermann legt den kleinen Prinzen (und mit ihm natürlich den Autor Exupery) auf die Couch und analysiert ihn tiefenpsychologisch. Wie gewöhnlich bei solchen Fällen taucht alles Mögliche "Unerfreuliche", "Verdrängte" ans Tageslicht. Laut Drewermann leidet Exupery unter einem gewaltigen Ödipus-Komplex, sein gestörtes Verhältnis zur Mutter ist die Ursache aller Probleme.
Was bedeutet z.B. der Planet des kleinen Prinzen? Die Mutterbrust! In solch Freudscher Manier nimmt Drewermann die beiden auseinander. Das ist durchaus beeindruckend mit intellektuellen Schärfe ausgeführt.
Diese "Schärfe" droht leider immer wieder zu verschwimmen, wenn Drewermann in seine unerträglich überhöhte Sprache abgleitet wie "In diese Ewige und Unzerstörbare, das in den Augen der Geliebten aufscheint wie die Sterne des Himmels auf dem klaren Spiegel eines ruhigen Sees, gilt es hinabzutauchen bis zum tiefsten Grund."
Drewermann wird in seinen Büchern gerne "poetisch". Nur: Wenn ich gute!! Poesie lesen will, nehme ich Eichendorff zur Hand, in einem Sachbuch möchte ich von solch esoterischen Gesülze lieber verschont bleiben.
Biographen beschreiben Exuperys Kindheit als glücklich und idyllisch. Nichts da, Drewermann weiß es besser, Ängste habe der kleine Exupery ausgestanden und "überbehütet" sei er gewesen. Freilich hat Drewermann dies überhaupt nicht recherchiert, dafür hatte er wohl keine Zeit.
Das Verhältnis Exuperys zu seiner Ehefrau (welches Drewermanns These des Mutter-Komplexes belegen könnte) kommt nur ganz am Rande vor (das meiste davon in den Anmerkungen am Ende des kleinen Buches). Hier ein genaues (Quellen-)Studium zu betreiben fehlte Drewermann wohl ebenso die Zeit.
Nicht ohne Witz: ein anderer Autor, Adolf Heimler, versuchte sich ebenfalls an psychologischen Erklärungen zum kleinen Prinzen - und kam zu ganz anderen Schlussfolgerungen. Diese kritisiert Drewermann im Anhang scharf.
Mit Freudscher Psychologie steht der Autor auf "Du und Du". Mit dem anderen großen Psychologen C.G. Jung steht er aber auf "Kriegsfuß". Er führt zwar den kleinen Prinzen als Archetyp des "göttlichen Kindes" im Sinne Jungs an, ansonsten scheint Jungs Psychologie ein wahrer Graus für Drewermann zu sein: Anima, Animus, Schatten, Selbst - alles jungsche Begriffe und mögliche Erklärungsmuster, die der Autor tunlichst vermeidet. (Auch mit C..G. Jungs Gottesbild hat sich meines Wissens Drewermann nie ernsthaft auseinander gesetzt).
Ein typisches Drewermann-Buch: mit all seinen Stärken und Schwächen.