Kein Zweifel, die Autorin scheint ihren Traumjob tatsächlich gefunden zu haben. Denn so frisch und engagiert schreibt nur jemand über die Suche nach dem Glück, der seine Arbeit liebt. Beate Westphal nennt sich Traumjobdetektivin, backt aber auch leidenschaftlich Kekse. Doch wie die meisten von uns, ging sie etliche Umwege, bevor sie das passende Tummelfeld für ihre Talente entdeckte. In der ehemaligen DDR studierte sie Sport und Mathematik, nach dem Mauerfall Wirtschaftswissenschaften sowie Kultur- und Medienmanagement, fiel als Jungunternehmerin gehörig auf die Nase, rappelte sich auf und stand schließlich tagelang in der Küche, um Kekse zu backen. Weniger, um mit Süßem den Frust zu bekämpfen, sondern aus purer Menschenliebe. Na ja, es spricht ja nichts dagegen, Liebe mit Geschäftstüchtigkeit zu verbinden. Denn immerhin erhielten von trockenem Sitzungsgebäck gezeichnete Geschäftsleuten dank Beate Westphal ein Stück Lebensfreude.
Und da die Autorin offenbar im Sternzeichen der guten Fee geboren ist, fühlt sie sich dazu gedrängt, gute Erfahrungen weiterzugeben. Allerdings nicht irgendwo, sondern an ihren Lieblingsplätzen. Da diese vorwiegend zur Kategorie Café gehören, eröffnete sie in Berlin kurzerhand ein Talentcafé. Was sie dort erlebte, den ganzen Tag treibt und den Besuchern auch an geistiger Nahrung bietet, steht nun in diesem Buch.
Ganz im Sinne ihres eigenen Glaubens konzentriert sich die Autorin inhaltlich auf die Dinge, von denen sie etwas versteht. Auch wenn sie von Ihren Ausflügen in das Reich der Hirnforscher nicht immer die besten Souvenirs mitbrachte, können ihre Reiseberichte doch einige Merkwürdigkeiten menschlicher Verhaltensmuster erklären. Und ob die Erfolgsformel "Fähigkeit x Wollen x Möglichkeit" auf einem wissenschaftlichen Fundament beruht, ist letztlich nicht so wichtig. Hauptsache, sie wirkt und hat in eigenen Glaubensmodellen Platz. Ihr akademisches Blut und einen vielleicht frühkindlichen Ordnungstrieb nicht ganz vergessend, brachte sie all ihre Erfahrungen in ein System, das sich vermitteln und auf Papier darstellen lässt. Wer schließlich für die Gestaltung der 212 Seiten verantwortlich war, geht aus dem Impressum nicht klar hervor. Ein großes Lob gebührt offenbar der Autorin selber, weist sie doch verschiedentlich darauf hin, dass sie bei der Arbeit an ihrem Buch auf ihre eigenen Skizzen und den Werkzeugkasten ihres Beratungsunternehmens zurückgreift. Das Resultat ist jedenfalls voll geglückt und unterscheidet sich sofort wahrnehmbar von Büchern ähnlicher Art.
Im Gegensatz zu den Detektiven im Film, ermuntert Beate Westphal ihre Ratsuchenden dazu, selber zu recherchieren und den Traumjob ausfindig zu machen. Dazu liefert sie ihnen die notwendigen Hilfen und lüftet das Geheimnis ihrer bewährten Methode. Zudem überzeugt sie Skeptiker mit den erwähnten Ausflügen in die Wissenschaft, warum die neun Detektivfragen fast immer zum Ziel führen. Diese hier noch aufzuführen, könnte den Impuls auslösen, sich die Detailanweisungen von Beate Westphal in Buchform zu kaufen. Es sind dies: Talent: Was tun Sie immer besonders gern? Interessen: Was interessiert Sie? Worüber wissen Sie am meisten? Kompetenzen: Was können Sie? Menschen: Mit wem und für wen möchten Sie arbeiten? Motivation: Wofür möchten Sie bekannt sein? Träume: Welche Bilder beflügeln Sie? Umgebung: Wo blühen Sie auf? Zeit und Geld: Wie lange wollen Sie arbeiten und wie viel möchten Sie verdienen? Und nachdem zehn Zeugenaussagen bestätigen, dass sich solche Fragen lohnen, gibt es noch einen dritten Teil, in dem die Autorin mögliche Zeitpläne für das Unternehmen "Suche nach dem Traumjob" entwirft.
Mein Fazit: Ein ebenso erfrischender wie außergewöhnlicher Ratgeber zu einem Thema, das in der Regel knochentrocken und ziemlich belehrend abgehandelt wird. Der Leser merkt sofort, dass die Autorin ihren Traumjob gefunden hat, mit Herzblut von ihrer Methode berichtet und diese gerne weitergibt. Schön gestaltet, verständlich und unterhaltsam geschrieben, einfach nachvollziehbar, mit Praxisbeispielen angereichert und so überzeugend, dass ich die wenigen Schwachstellen schnell wieder vergessen habe.