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Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen: 21 Geschichten (suhrkamp taschenbuch)
 
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Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen: 21 Geschichten (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Peter Bichsel
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennen lernen
OA 1964 Form Kurzprosa Epoche Moderne
Peter Bichsels erstes Buch enthält 21 kurze, nur wenige Seiten lange Geschichten. Zentrales Thema ist die menschliche Vereinsamung und die Unfähigkeit, sich dem anderen mitzuteilen. Mit der Form der Kurzprosa misstraut Bichsel der Möglichkeit, Zusammenhänge durch Sprache adäquat erfassen zu können.
Inhalt: Bichsels Geschichten sind im kleinbürgerlichen Milieu angesiedelt. Die geschilderten Vorgänge sind in ihrem Ablauf gewohnheitsmäßig und von beklemmender Unveränderlichkeit. Auch die Sehnsucht der Figuren nach einem anderen Leben vermag ihre Stagnation nicht zu durchbrechen. In San Salvador schreibt ein Familienvater: »Mir ist es hier zu kalt, ich gehe nach Südamerika.« Dabei wollte er nur seine neue Schreibfeder ausprobieren.
Bichsels Figuren sprechen kaum. Wortwechsel wie in Blumen finden meist nur in Gedanken statt. Die Tristesse der äußerlichen Verhältnisse fungiert als Spiegel einer inneren Befindlichkeit. In Stockwerke und Die Beamten sind die Menschen nur noch Schablonen. Voneinander nicht zu unterscheiden, finden sie sich in die immer gleichen Abläufe des Stadtlebens eingebunden. Die Beziehungslosigkeit der Figuren und ihre Anonymität sind in allen Geschichten auffällig.
In Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennen lernen erfährt der Leser kaum mehr über Frau Blum, als der Milchmann über sie weiß; und der hat Frau Blum noch nie gesehen. Die Kluft zwischen dem, was die Figur eigentlich möchte und dem, was sie tatsächlich realisiert, ist groß. Immer gründet die Tragik der Figuren in phlegmatischer Sprachlosigkeit. Nur die Gedanken wenden sich von der tristen Oberfläche ab, um hinter die Fassade zu schauen.
Aufbau: Bichsels Geschichten sind von einer lyrischen Kargheit, die in der mündlichen Tradition verhaftet ist und zugleich scheinbar wie ein Lehrbuch zwischen gesprochener und geschriebener Sprache vermitteln möchte. Bichsel selbst bezeichnet die deutsche Hochsprache als eine Fremdsprache, deren Gebrauch ihm Schwierigkeiten bereite. Auffällig ist der restringierte Sprachstil und die Reihung von Sätzen gleicher Wichtigkeit. Ihre Beziehung untereinander wird oft nur angedeutet. Ungewöhnliche Abfolgen der Satztempi (z. B. Sprünge vom Präteritum ins Plusquamperfekt) erzeugen Brüche und Leerstellen im Text, die der Leser ausfüllen muss. Bichsel liefert Momentaufnahmen, Beobachtungen und Gedanken, die sich in kein episches Kontinuum einfügen, sondern mit einem meist auktorialen Erzähler zur Episode montiert werden. Dabei stellt Bichsel die Verbindlichkeit der Erzählinstanz (z. B. durch Konjunktiv) oft infrage. Geschichten wie Blumen oder Der Tierfreund sind sogar vollständig im Konjunktiv verfasst.
Wirkung: Mit seinen Milchmann-Geschichten hatte der Autor 1964 durchschlagenden Erfolg und wurde zu einem der wichtigsten Vertreter deutschsprachiger Kurzprosa. Die Literaturkritik vergleicht seine minimalistische Erzählweise mit der von Johann Peter R Hebel und Robert R Walser. S. I.

Kurzbeschreibung

Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen ist die heute als klassisch geltende Sammlung von Lesestücken, mit der dem Autor etwas für seine und unsere Zeit Einmaliges gelungen ist: auf lakonische, fast emotionslose, genau beobachtende und dabei dennoch anrührende Weise alltägliche Begebenheiten aufzuzeichnen und ihnen Geschichten zu "entnehmen", von denen jede die Welthaftigkeit und Tiefe eines Epos besitzt.Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen ist die heute als klassisch geltende Sammlung von Lesestücken, mit der dem Autor etwas für seine und unsere Zeit Einmaliges gelungen ist: auf lakonische, fast emotionslose, genau beobachtende und dabei dennoch anrührende Weise alltägliche Begebenheiten aufzuzeichnen und ihnen Geschichten zu »entnehmen«, von denen jede die Welthaftigkeit und Tiefe eines Epos besitzt.

Über den Autor

Peter Bichsel wurde am 24. März 1935 in Luzern geboren und wuchs als Sohn eines Handwerkers ab 1941 in Olten auf. Am Lehrerseminar in Solothurn ließ er sich zum Primarlehrer ausbilden. 1956 heiratete er die Schauspielerin Therese Spörri († 2005). Er ist Vater einer Tochter und eines Sohnes. Bis 1968 (und ein letztes Mal 1973) arbeitete er als Primarlehrer. 1964 wurde er mit seinen Kurzgeschichten in Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen auf einen Schlag bekannt; die Gruppe 47 nahm ihn begeistert auf und verlieh ihm 1965 ihren Literaturpreis. Zwischen 1974 und 1981 war er als persönlicher Berater für Bundesrat Willi Ritschard tätig, mit dem er befreundet war. Mit dem Schriftsteller Max Frisch war er bis zu dessen Tod 1991 eng befreundet. Er ist seit 1985 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Bichsel lebt in Bellach bei Solothurn.

Auszug

Stockwerke

Behelfsmäßig kann man sich ein Haus vorstellen, ein Haus mit vier Stockwerken, mit einer Treppe, die sie verbindet und trennt, mit einem Ziegeldach; ein Haus an einer Straße, auf teurem Boden hineingezwängt zwischen andere, die Fenster gegen die Straße gerichtet, den Eingang im Hinterhof.

Im Parterre würde niemand wohnen. Man hat noch nie jemanden gesehen im Parterre. Im Parterre ist dieselbe braune Tür, gesprungener Lack, Milchglasscheiben, blaugestreifte Vorhänge. Im. Parterre wohnt vielleicht niemand.

Erster Stock: Braune Tür, gesprungener Lack, Milchglasscheibe. Hier wohnt jemand.

Zweiter Stock: Hier wohnt auch jemand. Und im dritten. Stock wohnt jemand. Wenn jemand auszieht, zieht jemand ein.

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