Um es gleich vorweg zu sagen: "Eifersucht" ist kein leicht zu lesendes Buch. Aber: Die Mühe lohnt sich.
Cathérine Millet, die selbst nie ein Kind von Traurigkeit war und neben 49 ihr noch namentlich bekannten eine große Zahl ihr nicht namentlich bekannten Sexualpartnern hatte, wird durch die Entdeckung, dass ihr Lebensgefährte eine Affäre hat, in eine tiefe Krise gestürzt. Nach der ersten zufälligen Entdeckung geht sie systematisch auf die Suche nach weiteren Beweisen für seine Untreue und findet diese in seinen persönlichen Unterlagen.
Besonders getroffen ist sie durch die Entdeckung, dass ihr langjähriger Lebensgefährte mit seinen Freundinnen an Orte gefahren ist, die für sie eine tiefe emotionale Bedeutung haben und er dadurch in ihren Augen die gemeinsame Erfahrungen entwertet. Auch vergisst er manchmal, ob er mit Cathérine oder einer seiner Freundinnen ein bestimmtes Erlebnis hatte.
Die Bilder, die in ihrem Kopf von ihrem Lebensgefährten und seinen Freundinnen entstehen, verfolgen sie auf Schritt und Tritt und drängen sich selbst in ihre lebhaften sexuellen Tagträume und Masturbationsphantasien.
Die durch ihre Eifersucht ausgelöste Krise dauert ungefähr drei Jahre. In diesen Jahren beginnt sie eine Psychoanalyse, aber sie befreit sich letztendlich selbst aus ihrer Krise durch das Schreiben ihres ersten Bestsellers "Das sexuelle Leben der Cathérine M.", das 2001 erschien.
Cathérine Millet breitet ihr Seelenleben und intimste Interna ihrer Beziehung zu ihrem langjährigen Partner in diesem Buch schonungslos aus. Auch wenn viele Details aus ihrem Bohèmeleben auf das eigene Leben wenig Bezug haben, kann man aus ihren Erfahrungen und Gedanken doch viele Parallelen ziehen zum eigenen Leben.
Ein besonderes Lob auch an die Übersetzerin, die eine wirklich erstklassige Arbeit geleistet hat.