„Eifel-Müll", der 9. Eifel-Krimi von Jacques Berndorf, ist nach bekanntem Strickmuster geschrieben:
Baumeister ist mit sich und der Welt vollkommen im Reinen, als ihn der unvermeidliche anonyme Anrufer erwischt - und auf eine Riesensauerei hinweist. Eine attraktive Polizeibeamtin (die zufällig gerade von ihrem Vorgesetzten in Zwangsurlaub geschickt worden war) sucht bei ihm Zuflucht und Unterschlupf, und es dauert auch nicht lange, bis Kriminalrat a. D. Rodenstock samt kriminalistisch ja ebenfalls nicht unbegabter Ehegattin Emma das Dream-Team vervollständigen.
Doch das tut - zumindest aus der Sicht eines Berndorf/Baumeister-Fans - dem Buch keinen Abbruch; im Gegenteil, hat doch der Autor damit eine ideale Erzählposition gefunden, die ihm einen raschen Einstieg in den Fall und eine ebenso zügige Fortentwicklung der Geschehnisse ermöglicht. Zwar menschelt es bisweilen heftig in Baumeisters Haus, doch im wesentlichen konzentriert sich Berndorf ganz auf den Fall und verzichtet auf überflüssige Nebenhandlungen.
Und auch die gewohnte durchgängige Ich-Perspektive trägt entscheidend zur Klasse dieses (wie auch der anderen) Eifel-Krimis bei: Der Leser sieht alles aus Baumeisters Sicht, weiß daher immer genauso viel (oder wenig) wie unser liebgewonnener, pfeiferauchender Journalist und kann nach Herzenslust selber spekulieren, kombinieren, rätseln...
Auch diejenigen, die vom Thema Müll/Umweltproblematik übersättigt sind, können übrigens getrost zugreifen. Diese Thematik wird nicht - wie man befürchten könnte - oberlehrerhaft und mit erhobenem Zeigefinger moralinsauer breitgetreten, sondern interessiert nur insoweit, wie sie mit der Klärung des Falles in Zusammenhang steht (oder stehen könnte...?).
Sicherlich ist „Eifel-Müll" ein überaus konventioneller Krimi: Ein klarer Mordfall, ein ungeklärter Todesfall, unklare Zusammenhänge und viele falsche Fährten, die zu ebenso vielen Verdächtigen führen, am Ende ein Täter mit klassischem Motiv - und dennoch gehört dieses Buch zu den besten der Serie. Warum? Weil die Klärung des Falles ebenso klassisch erfolgt; schrittweise und für den Leser immer nachvollziehbar wird Licht ins Dunkel gebracht.
Besonders bemerkenswert dabei sind (wie immer) Baumeisters „Interviews" (oder Verhöre) - was der den Leuten so alles aus der Nase ziehen kann! Bemerkenswert ist auch Berndorfs Fähigkeit, stets neue, interessante Charaktere auf die Bühne zu stellen - hier die lokalen Müllfürsten, die hyperehrgeizige Edel-Puffmutter, die ihre Tochter verheizt, lüsterne Oberstudienräte... Bei alledem hat man nie den Eindruck, das Ganze sei konstruiert, vielmehr denkt man immer wieder: Ja, so etwas könnte es geben, so kann sich das tatsächlich abgespielt haben. Und wenn das alles auch noch flüssig geschrieben ist und mit nicht allzu viel Lokalkolorit abgerundet ist - dann kommt eben ein Super-Krimi dabei heraus.