Keine Frage, Hitman: Absolution ist ein unterhaltsames Spiel geworden. Doch die ganzen Stunden, die ich bis jetzt als Auftragskiller verbracht habe, hinterlassen bei mir ein ungutes Gefühl, dass die Entwickler zu viel Splinter Cell: Conviction gespielt haben...
Aber erstmal zu den postitiven Dingen:
+ Die Atmosphäre dieses Spiels ist außergewöhnlich geworden. Die Orte an denen man zu morden hat, sind oft mit so vielen Details und genial animierten Menschenmengen vollgestopft, dass man den Eindruck gewinnt, man sei an einem real existierenden Ort.
+ Die Grafik ist im allgemeinen sehr überzeugend und weiß vor allem durch ihre Lichteffekte zu beeindrucken.
+ Es gibt zumeist wieder sehr viele veschiedene Möglichkeiten einen Job zu erledigen
+ Die Animationen sind größtenteils äußerst geschmeidig und geben einem das Gefühl, man sei wirklich ein eiskalter und knallharter Auftragskiller. Besonders die Vielzahl an Nahkampf-Animationen weiß zu gefallen und hat mir das ein oder anderen Mal ein fieses Lächeln ins Gesicht gezaubert...
+ Die Geschichte ist vielleicht nicht die besterzählteste aller Zeiten, doch weiß sie durchaus zu überzeugen und ist auf jeden Fall die mitreißenste, die in einem Hitman-Spiel jemals zum Einsatz kam. Und seien wir mal ehrlich... wer kauft sich ein Hitman-Spiel wegen seiner Story ;)
+ Der Soundtrack ist wirklich gut geworden und versteht es jeden Situation perfekt zu untermalen.
+ Der Contacts-Mode ist eine durchaus interessante Idee, die noch für viel Spaß sorgen könnte, jedoch scheint sie an einigen Stellen noch nicht ganz ausgereift...
Doch leider gibt es wie schon gesagt viele Dinge, die mein Spielgefühl behutsam bis gewaltig trüben:
- Der wichtigst und für mich ärgerlichste Punkt ist wohl, dass die Entwickler die freie Waffenwahl vor einer Mission entfernt haben!!!! Ich mein, was soll das? Ein essentieller Bestandteil des Daseins als Auftragskiller ist doch wohl die Zusammenstellung der "Werkzeuge" vor einer Mission. Man kann keine Waffen mehr nach Belieben zusammenbauen oder sich neue Gadgets und Verbesserungen kaufen. Es ist einem nicht mal mehr möglich, wie in Blood Money, einen Koffer mit Scharfschützengewehr mitzunehmen, sich die beste Schussposition zu suchen, dann sein Gewehr cool wie eh und je zusammenzubauen und sein Ziel dann ganz entspannt aus der Entfernung auszuknipsen. Nein, man muss jetzt hoffen, dass zufällig irgendwer das besagte Utensil in der Wohnung rumstehen hat, welches dann nicht mal schallgedämpft ist... ("King of China Town") Ich kann einfach nicht verstehen, wieso dieses so wichtige Element einfach rausgenommen wurde... :(
- Die Speicherpunkte sind äußerst seltsam gesetzt, manuelles Speichern ist gar nicht mehr möglich. Warum nicht das Speichersystem aus Blood Money übernommen wurde, kann ich mir nicht erklären. Das führte bei mir zu vereinzelten Frustmomenten, wenn ich eine Situation in Perfektion meistern wollte, aber jedes Mal wenn ich scheiterte einen halben Kilometer weit weg nochmal von vorn beginnen musste.
- Die Areal sind zum Teil arg klein geraten. Dafür sehen sie natürlich auch unverschämt gut aus und besonders bei Missionen in China Town und dem Nachtclub fällt dies kaum negativ auf. Aber wenn man teilweise nur um drei Ecken laufen muss, um durch eine Scriptsequenz in den nächsten Abschnitt zu gelangen oder jedes Stockwerk eines Hotels ein nur für sich existierendes Areal bildet, geht für mich viel Atmosphäre verloren
- Der Instinkt-Modus erinnert mich stark an Assassins Creed, was an sich nicht allzu störend ist. Im Gegenteil, er kann durchaus hilfreich sein und wenn man ihn partout nicht haben will, stellt man ihn einfach aus. Doch erstens wunder ich mich, warum man keine Karte mehr aufrufen kann, was bei Vorgängern immer sehr hilfreich war, und zweitens ist das neue Feature, dass man selbst mit perfekter Verkleidung von Angehörigen dieser Berufsgruppe erkannt werden kann, äußerst nervtötend geraten. Ich gebe zu, bei einem Hitman-Spiel muss vor allem die gute und logische KI stimmen und dieses Feature dürfte den Ansprüchen ja eigentlich nur in die Karten spielen. Aber wenn man aus hundert Metern Entfernung von einem Polizist erkannt wird, der auch nur einer unter tausend anderen Polizisten ist, kann man das eigentlich nur Atmosphäre-Killer nennen. Besonders unlogisch fand ich die Situation als ich im Kostüm eines asiatischen Kochs quer durch die Stadt geflohen bin und nach einer halben Stunde Spielzeit an einem völlig anderen Ort, auf einem Asia-Markt, von irgend einem anderen asiatischen Koch sofort erkannt und der Polizei ausgeliefert wurde. Da frag ich mich, ob der alle Köche in der Stadt kennt bzw. warum der sich so aufregt, wenn ich eine vergleichsweise unaffällige Verkleidung wie diese anhabe?
- Somit wird ein Problem geschaffen, dass ich theoretisch nur mit dem Einsatz des Instinkt-Modus lösen kann. Das heißt, wenn eine Wache kurz davor ist mich zu entdecken, aktiviere ich ihn einfach und 47 hält sich völlig unäuffällig die Hand vors Gesicht oder streicht sich über die Glatze. Doch die Ressource, die man zum Einsatz dieser Fähigkeit benötigt ist beeindrucken schnell aufgebraucht und so bleiben eigentlich nur zwei Mittel übrig: Sich einfach durchzuballern, was mit 47 nicht unbedingt zu empfehlen ist, oder hecktisches durch die Gegend Gerenne und Gehechte, damit einen bloß keiner sieht. Doch warum verkleidet man sich dann überhaupt? Da die Personen, dessen Kostüme man braucht, eigentlich immer in großer Menge übers Areal latschen, kann man selbst mit besagter Verkleidung eigentlich kaum mehr wo längs gehen, ohne sich die Hände vors Gesicht zu halten. Situtaionen, wie in den Vorgängern, dass man sich mit den Verkleidungen fast alles erlauben kann, sind zwar nicht mehr möglich, aber hier wäre ein Mittelweg deutlich eleganter gewesen...
- An einigen Stellen erinnert mich das Spiel zu stark an Conviction... und das nicht nur beim Deckungssystem mit den geschmeidigen Rollen, sondern auch beim "Zielen und Schießen-Modus", der es einem erlaubt mehrere Ziele gleichzeitig zu erledigen. Das hätte ich nicht unbedingt gebraucht, wenn ich Convictione spielen möchte, spiele ich Conviction und nicht Absolution...
- Außerdem habe ich mich schon zu häufig über einige fehlende Animationen aufgeregt. Die machen sich zum einen nur leicht bemerkbar, wie zum Beispiel beim automatisch zuklappenden Truhendeckel, doch wenn man eine Waffe zieht sieht es einfach nur noch affig aus. Zuerst gibt's ein leichtes Alibi-Zucken in Richtung Schulterhalfter beim Zücken der schallgedämpften Silberballer, doch möchte man diese oder jegliche andere Waffen wieder wegstecken, teleportieren die sich einfach aus der Hand... warum zur Hölle gibt es keine Animationen für das wegstecken einer Waffe? Hatten die kein Geld mehr dafür? Es mag ein vergleichsweise kleines Problem sein, doch der Atmosphäre tut das in keinster Weise gut.
- Auch die Tatsache, dass Agent 47 plötzlich Riesendinger wie Schrotflinten unter dem Jacket verstecken kann, finde ich äußerst seltsam und stört das Gesamtbild.
Abschließend möchte ich noch einmal erwähnen, dass Absolution keineswegs ein so nervtötendes Spiel geworden ist, wie es sich vielleicht teilweise hier anhört. Es macht durchaus Spaß und kann auch an den Bildschirm fesseln, trotzdem wäre es wohl besser gewesen, hätten sich die Entwickler in einigen Dingen mehr am exzellenten Vorgänger orientiert.
Absolute Hitman-Fans wie ich mögen möglicherweise von diesem Spiel etwas enttäuscht sein, doch vor allem Liebhaber der Splinter-Cell-Reihe kann ich dieses Spiel empfehlen.
Ich vermisse dich jetzt schon, mein schallgedämpftes Scharschützengewehr, dass ich immer so saucool zusammen bauen konnte... :(
MfG
Marrax