Banana Yoshimoto hat wieder zugeschlagen! Oder besser gesagt: Ein weiteres ihrer Werke hat seinen Weg ins Deutsche gefunden, denn in Japan wurde „Eidechse" bereits vor geraumer Zeit veröffentlicht.
Es beinhaltet sechs mehr oder weniger melancholische Kurzgeschichten, die von den Ängsten und Sehnsüchten der Menschen, aber auch den entscheidenden Schritten in ihrem Leben handeln: Ein frisch verheirateter Mann fährt eines nachts lieber S-Bahn, anstatt nach Hause zu gehen, und trifft dort einen ungewöhnlichen Gesprächspartner; In der Titelgeschichte erfährt ein junges Paar, warum es sich so schicksalhaft voneinander angezogen fühlt; Eine Frau erklärt ihrem Freund, daß sie an einem ganz besonderen Seminar teilnehmen wird; „Der Kimchi-Traum" berichtet von einem Mann, der endlich seine Geliebte heiratet, doch bis wirklich Frieden einkehrt, muß erst noch etwas anderes geschehen; Eine bei einer religiösen Sekte aufgewachsene Frau findet ihr Zuhause in der Großstadt, und eine Büroangestellte findet ihr Glück schließlich in der Hochzeit, jedoch nicht, ohne vorher noch einmal mit ihrer Vergangenheit konfrontiert zu werden.
Wie gewohnt erzählt Yoshimoto gekonnt von modernen Menschen, die, orientierungslos und unsicher, manchmal nahezu hoffnungslos nach Geborgenheit, einem Halt und einem Sinn im Leben suchen und ihn vielleicht bereits sogar entdeckt haben. Schade bloß - deshalb auch ein Stern Abzug -, daß die Figuren dabei teilweise etwas flach und die Geschichten manchmal unfertig bis belanglos wirken, der magische Funke will nicht immer so recht überspringen wie bei Yoshimotos anderen Romanen oder Erzählungen, was wohl aber auch daran liegen mag, daß sie sich hier für die Form der Kurzgeschichte entschieden hat.
Alles in allem also zwar ein lesenswertes, durchaus interessantes Buch, besonders für Fans, allerdings sicherlich nicht das Glanzstück der Autorin, die mit kleinen Meisterwerken a la „Dornröschenschlaf", „Kitchen" oder „N.P." wesentlich besser gefiel.