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Eichmann war von empörender Dummheit: Gespräche und Briefe
 
 
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Eichmann war von empörender Dummheit: Gespräche und Briefe [Gebundene Ausgabe]

Hannah Arendt , Joachim Fest
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 2 (März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492054420
  • ISBN-13: 978-3492054423
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,2 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 273.086 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Das Gespräch ist das Herzstück dieses Buches. Zusammen mit einer klugen Einführung der Herausgeber und einigen zentralen Stellungnahmen aus der Eichmann-Kontroverse (…) bietet es einen ausgezeichneten Einblick in die Diskussion um Arendts Eichmann-Bericht, der damals die jüdische ebenso wie die nicht-jüdische westliche Welt erregt hat.« NZZ am Sonntag »Hannah Arendts Analyse dieses Phänomens, durch die Fragen von Fest klug provoziert, weist über Eichmann und seinesgleichen hinaus und lässt uns spüren, wie schwer uns der Blick in das Abgründige unserer Vergangenheit nach wie vor fällt.« Rhein-Neckar-Zeitung »Die Ausgabe empfiehlt sich nicht nur als penible zeitgeschichtliche Dokumentation, sie ist auch eine hervorragende Einführung in das intellektuelle Temperament der politischen Theoretikerin Hanna Arendt.« Darmstädter Echo »Wer immer die Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts und was ihr vorausging in ihrem Wesen verstehen will, der wird in diesen beiden seine wahren Wegbegleiter finden. Das vorliegende Buch wird dafür allemal ein gutes Brevier abgeben.« Deutschlandradio Kultur

Kurzbeschreibung

In Vorbereitung seines 1964 gesendeten Rundfunkinterviews über Hannah Arendts spektakulären Prozessbericht »Eichmann in Jerusalem« schickt Joachim Fest einen dicken Fragenkatalog an die Autorin. Natürlich spielt darin auch der Vorwurf vieler Kritiker eine Rolle, Arendt verharmlose Adolf Eichmanns Schuld auf unerträgliche Weise. Tatsächlich ist Arendts Formel von der »Banalität des Bösen« vielfach missverstanden worden. Die Antwort kommt postwendend: »Sehr geehrter Herr Dr. Fest, ich hatte niemals die Absicht, mich zu verteidigen.« Der Beginn der spannenden Auseinandersetzung über eines der wichtigsten Bücher zur deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert. Die Briefe und das anschließende Gespräch zeigen das Denken von Hannah Arendt und Joachim Fest in neuem Licht.

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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das hier besprochene "Eichmann war von empörender Dummheit" ist sozusagen das "Buch zum Buch", nämlich zu der im selben Verlag (Piper) erschienenen Studie "Eichmann in Jerusalem" (dt. 1964) von Hannah Arendt. Es schmälerte den Rang dieser wichtigen Neuerscheinung nicht, wenn man darauf deutlicher hinwiese. Denn die Lektüre der Briefe, des Gesprächs (es ist entgegen dem Plural im Untertitel "Gespräche und Briefe" nur eines) und der andernorts schon veröffentlichen, hier nun wiederabgedruckte Texte und Rezensionen zu "Eichmann in Jerusalem" bringt naturgemäß demjenigen Leser mehr, der den ständig in Bezug genommenen "Eichmann in Jerusalem" schon kennt. Wer sich für den Eichmannprozess und die zum geflügelten Wort gewordene "Banalität des Bösen" näher interessiert, dem sei daher empfohlen, zuvor "Eichmann in Jerusalem" und dazu vielleicht auch die ihm ebenbürtige Reportage "Strafsache 40/61" zu lesen, letztere verfasst von keinem geringeren als Harry Mulisch.

Wir haben es bei "Eichmann war von empörender Dummheit" also mit Sekundärliteratur zu tun. Im Rahmen ihrer dienenden Funktion mag man - soll man's wirklich in der Sprache der Zeitungsschlagzeilen sagen? - tatsächlich von einer "Sensation" sprechen: Das Buch enthält ja einen Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Joachim Fest, den man jetzt erst entdeckt hat. Aber offen gestanden: Viel geschrieben haben die beiden einander nicht, und so beeinhaltet der Band denn auch noch ein Radiointerview und Beiträge aus der Hannah-Arendt-Debatte, ein langes Vorwort der Herausgeber und einen umfangreichen Fußnotenapparat. Ich persönlich halte den Fußnotenapparat für übertrieben ausführlich, denn wer sich ein solches Buch kauft, sollte eigentlich wissen, was die Nürnberger Prozesse waren. Statt dessen bleiben die feuilletonistisch eingefärbten "Rechtsausführungen" in dem mitabgedruckten Essay von Reinhart Baumgart (Verwechslung des Strafgesetzbuchs mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch, Datierung des BGB auf 1871 [es ist von 1900]) völlig unkommentiert; auch ist den fußnotverliebten Herausgebern nicht aufgefallen, dass es 1964 den von ihnen obstinat SWR genannten Runksender, als das Arendt-Fest-Interview ausgestrahlt wurde, noch gar nicht gab.

Frau Arendt und Herr Fest bedienen sich in ihren Briefen und beim Radiointerview einer präzisen, Frau Arendt zugleich einer undiplomatisch deutlichen Sprache. Im Vergleich zur wohltuenden Diktion dieser beiden Denker fällt das Vorwort der Herausgeber leider stark ab.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Herausgeber dieses bemerkenswerten, erhellenden Buches sind Ursula Ludz und Thomas Wild. Nachzulesen ist ein bislang unbekannter Briefwechsel zwischen der Jüdin Hanna Arendt (1906-1975) und Joachim Fest (1926-2006). Thema ist ihr viel diskutiertes Buch "Eichmann in Jerusalem", dass ihre Kritiker verwarfen, mit dem Vorwurf sie habe die Schuld Adolf Eichmanns verharmlost. Fest schickte Arendt einen Fragekatalog. Dass man Arendt missverstanden hatte, macht dieses Buch unmissverständlich deutlich.

Das Buch ist untergliedert in:
"Eichmann war von empörender Dummheit"
Hannah Arendt-Joachim Fest:
Die Rundfuksendung vom 9. November 1964

"Wir haben sehr viel zu erörtern...."
Hannah Arendt- Joachim Fest:
Briefe 1964 bis 1973

Zur Kontroverse um Hanna Arendts
Eichmann in Jerusalem
Vier Dokumente aus den Jahren 1963 bis 1965

Gleich zu Beginn liest man, dass der international gesuchte NS-Verbrecher Adolf Eichmann im Frühling 1960 in Argentinien vom israelischen Geheimdienst aufgespürt und nach Israel entführt wurde. Zwischen April und Dezember 1961 stand der ehemalige SS-Obersturmbannführer in Jerusalem vor Gericht. 1962 wurde er hingerichtet. Hannah Arendt war Prozessbeobachterin und Berichterstatterin für die Zeitschrift "The New Yorker". Für Arendt war die Erfahrung der "leibhaftigen" Anschauung eine Voraussetzung des Denkens und Urteilens. Sie erkennt während der Prozessbeobachtung, dass Eichmann kein Judenhasser oder ideologischer Fanatiker war, sondern ein "Hanswurst", der unreflektiert in der NS-Vernichtungsmaschinerie funktionierte. Für sie ist klar, dass sich Eichmann gegen die Wirklichkeit abgedichtet hatte, indem er für jede Erfahrung in Klischee oder eine Sprachschablone bereithielt. Für Eichmann war Amtssprache seine einzige Sprache. Arendt erkannte in dessen Unfähigkeit sich zu verbalisieren, seine Unfähigkeit zu denken und zu urteilen. Im Gespräch mit Fest gehen beide der Frage nach, ob sich hier ein neuer Tätertyp zeigt. Eine der Überlegungen ist die, ob eine Kombination aus Wirklichkeitsverweigerung, Erfahrungsverlust, Pflichttreue und Verantwortungslosigkeit ein Paradigma der Moderne abbildet. Auch wird in diesem Zusammenhang das Verhältnis von Eichmann, Hitler und Speer hinterfragt, siehe Seite 13 ff.)

Hannah Arendt exkulpiert Eichmann, der für sie von empörender Dummheit war, keineswegs, denn für sie hat, ähnlich wie für Kant kein Mensch das Recht zu gehorchen. Spezifisch für das deutsche Volk sei, das Unvermögen selbst zu denken. "Die Art von Dummheit, dass ist, als ob man gegen eine Wand spricht."(Zitat: S.45).

Gehorsam ist für sie kein Exkulpationsgrund. "Gehorchen in diesem Sinne tun wir, solange wir Kinder sind, da ist es notwendig(...)Aber die Sache sollte im vierzehnten, fünfzehnten Lebensjahr spätestens ein Ende haben", (Zitat: S. 45).

Spätestens nach den Briefen mit Fest ist klar, dass Arendt von ihren Kritikern missverstanden wurde. Interessant ist übrigens die Anlage zum Brief Nr. 17, ein Gedicht von Gottfried Keller, "Die öffentlichen Verleumder":

"...Erst log allein der Hund,
Nun lügen ihrer tausend;
....
Die Guten sind verschwunden,
Die Schlechten stehn geschart."

(Textstellen aus diesem Gedicht, Seite 105). Verleumdungen funktionieren offenbar nicht erst seit dem letzten Jahrhundert auf diese Art und Weise.

Es ist sehr aufschlussreich die vier Beiträge der Kontroverse um das Buch "Eichmann in Jerusalem" in der Folge zu lesen. In meinen Augen ist es nicht schwierig Arendt zu begreifen und ich kann nicht verstehen, weshalb man sie so extrem missverstehen konnte. Besonders lesenswert ist Golo Manns Text "Der verdrehte Eichmann". Kritiker scheinen nicht selten dazu zu neigen, die Persönlichkeit des Autors anzugreifen, wenn sie ein Problem damit haben, dessen kluge Sichtweise zu begreifen. Diesbezüglich sollten Kritiker an sich arbeiten.

Lesenswert.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wertvoll! 18. August 2011
Der Eichmann-Prozess jährte sich kürzlich zum fünfzigsten Mal, Grund genug für Ursula Ludz und Thomas Wild, eine überaus interessante Neuentdeckung auf den Buchmarkt zu bringen: Den Briefwechsel Hannah Arendts mit dem Historiker Joachim Fest, dessen Hitler-Biographie auch heute noch zum Standard der NS-Geschichtsschreibung zählt.

Im Zuge der Eichmann-Kontroverse führten Joachim Fest und Hannah Arendt ein Radio-Interview, das 1964 im Rundfunk ausgestrahlt wurde und nun erstmalig in Buchform dokumentiert wird, zuvor war es lediglich im Internet veröffentlicht worden. Diesem Interview ist ein Briefwechsel vorausgegangen, den Ludz und Wild zusammengetragen haben. Er verdeutlicht vor allem, wie sehr Arendts Kritiker ihr Buch missverstanden haben und fasst gemeinsam mit dem Interview Arendts Auffassung von der Rolle Eichmanns pointiert und ohne viel Drumherum zusammen.

Ergänzt wurden Interview und Briefwechsel mit vier Dokumenten aus der sogenannten Arendt-Kontroverse, sowie einem zuweilen aufgeblähten Anmerkungs-Apparat.

Gelungen ist aber das ausführliche Literaturverzeichnis, das dem interessierten Leser das tiefere Eintauchen in den Eichmann-Prozess und die sich daran anschließende Kontroverse enorm erleichtert. Sicherlich ist die Lektüre dieser Neuerscheinung nur sinnvoll, wenn man auch Arendts Eichmann-Buch gelesen hat oder zumindest mit ihren Hauptthesen vertraut ist.
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