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Historische Unklarheiten, 10. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Eichmann und Komplizen (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch eines ehemaligen amerikanischen Anklägers in Nürnberg ist auch heute noch, 50 Jahre nach seinem Erscheinen, von einem gewissen, wenn auch begrenzten Interesse für alle Leser, die sich in Bild darüber verschaffen wollen, wie man damals Kenntnis von der sog. Wannsee-Konferenz bekam, die ja vielerorts als Meilenstein auf dem Wege der deutschen Beamtenschaft ins Unheil des Hitler-Regimes angesehen wird.
Robert Kempner war mit den Usancen der deutschen Verwaltung aus eigener Tätigkeit im preußischen Innenministerium sehr vertraut, eine Erfahrung, die es ihm ermöglichte die am Ende des 2. Weltkrieges verbliebenen deutschen Akten zu sichten und die Fundstücke entsprechend einzuordnen; er beschreibt in dem Buch seine Archivarbeit und deren Ergebnisse. Viele der von ihm aufgefundenen Dokumente sind in diesem Buch abgebildet, teils als in den Text eingearbeitete Abschrift, teils als separater Text, teils als Fotokopie.
Dabei fällt auf, dass in verschiedenen Fällen, unterschiedliche Dokumente unterschiedlichen Datums dasselbe Aktenzeichen aufweisen und zwar mit einer ' wie es scheint ' Jahresangabe, die sich nicht auf das Jahr bezieht, in welchem das Dokument erstellt wurde, sondern auf ein früheres ' etwa die drei Fotokopien auf den Seiten 150, 168/170 und 257 ' alle drei stammen aus dem Jahre 1942 haben aber im Az. die Angabe /41, die auf das Vorjahr hindeuten könnte.. Ähnliches gilt für die beiden Dokumente auf den Seiten 188 bzw. 199, sowie für die drei auf den Seiten 269, 274 und 315 zitierten bzw. abgebildeten Dokumenten, wobei die beiden letzteren sich auch noch durch unterschiedliche Titel im Briefkopf bei gleichen Aktenzeichen unterscheiden.
Der nicht in den Usancen der NS-Bürokratie geschulte Leser fragt sich, ob eine solche Praxis dort üblich war, lief sie doch darauf hinaus, dass sich die entsprechenden Schriftstücke lediglich durch das Datum, aber nicht systematisch (etwa als 'geheim' oder ähnlich bezeichnetes Einzeldokument) identifizieren ließen.
Manchmal kann man sich auch gar keinen Reim auf Kempners Arbeitsmethoden machen, etwa, wenn man den von ihm als Fotokopie auf Seite 150 gezeigten Brief (ein Begleitbrief Heydrichs zur Übersendung des Wannsee-Protokolls an das Auswärtige Amt) mit dem im Wannsee-Institut gezeigten Original vergleicht. Man sieht, wenn man genau hinblickt, dass der Brief ursprünglich einen anderen Text aufgewiesen haben könnte. Man sieht auch, dass auf Kempners Dokument alle handschriftlichen und gestempelten Einträge in sich mit denen des Originals völlig übereinstimmen, ihre Position in Bezug auf den Text des Briefes jedoch unterschiedlich ist und dass der Text selbst mit einer anderen Schreibmaschine geschrieben wurde als der des Originals. Kempner muss sich also die Mühe gemacht haben, das ihm vorliegende Original-Dokument nochmals abzuschreiben und die anderen Einträge, die auf dem Original sichtbar sind, mühevoll einzuarbeiten. Die Motive und die anderen Umstände für Kempners Vorgehen sind in diesem Falle völlig unklar.
In der deutschen Ausgabe von Rosemans Buch über das Wannsee-Protokoll, wie auch auf der Website seines Instituts, hat der Leiter des Wannsee-Instituts, Dr. Norbert Kampe, schon darauf hingewiesen, dass Kempners Dokumente teilweise Absonderlichkeiten aufweisen, die rätselhaft bleiben; hier kann man das besonders gut erkennen.
Es wäre von Vorteil, wenn sich andere Leser, die mit der Arbeit der NS-Bürokratie besser vertraut sind als der Vf. dieser Rezension, einmal diesen Fragen widmen würden, um die Unklarheiten zu beseitigen. Bis dahin kann man dem Buch eigentlich keine große historische Bedeutung zuerkennen.
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