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Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen
 
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Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen [Taschenbuch]

Hannah Arendt , Brigitte Granzow
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Der Prozeß gegen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann 1961 in Jerusalem war neben den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen die wichtigste Gerichtsverhandlung gegen Schergen des NS-Regimes. Spätestens mit der Vollstreckung des Todesurteils gegen Eichmann begann auch eine Diskussion um die Sinnhaftigkeit der Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen durch juristische Mechanismen. Hannah Arendt hat den Prozeß selbst miterlebt und seine Unterlagen dazu genutzt, ihr eigenes Resümee über den Holocaust und die Person Adolf Eichmann mit seiner Rolle bei der Judenverfolgung zu ziehen. Heraus kam dabei ein Buch, das bis zum heutigen Tag nichts an Gültigkeit oder Bedeutung verloren hat.

Eichmann steht prototypisch für viele der verbrecherischen Nazi-Gefolgsleute, die mit oder ohne ideologischer Verblendung, dafür aber immer mit voller Obrigkeitshörigkeit doch stets nur Befehle ausführten. Irgendeine Form der Reue geht ihm ab, denn "Reue ist etwas für kleine Kinder", so Eichmann in den Verhören. Dabei ist Reue und die daraus resultierende Selbsterkenntnis der vielleicht wichtigste Punkt einer sinnvollen Aufarbeitung. Hinter der Maske des vermeintlichen Normalos Eichmann verbirgt sich tausendfacher Schrecken -- ein Schrecken, den man auch heute noch an so manchen Stellen des Erdballs in den Personen scheinbar normaler Bürger wiederfinden kann.

Arendts Buch ist zudem eine über die persönliche Ebene hinausgehende Zusammenfassung des Holocaust, von den ersten Vertreibungen bis hin zur fürchterlichen Endlösung, denn all dies war Gegenstand des Prozesses. Bei aller berechtigter Kritik -- so gibt es heute sicherlich ausführlichere Bücher über die Historie des Holocaust -- darf man ihr eigentliches Anliegen nicht übersehen. Es ging ihr gerade um die im Untertitel aufgeführte Banalität des Bösen, um die Betrachtung der Person, die das Töten verwaltet und plant. Und genau diese Betrachtungsweise packt den Leser, denn bei der Analyse der Ereignisse im Dritten Reich sollte man immer auch die einzelnen Täter berücksichtigen. Die Erkenntnis, daß normale Menschen zu Greueltaten solchen Ausmaßes fähig sind, darf nie in Vergessenheit geraten, und so behält dieses Buch auch in Zukunft seinen Stellenwert als Warnung wie auch als Mahnmal. --Joachim Hohwieler -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Eichmann in Jerusalem
OT Eichmann in Jerusalem: A Report on the Banality of EvilOA 1963 DE 1964 Form Sachbuch Bereich Politik/Soziologie
Selten hat eine Schrift so viel Aufsehen erregt, ihrem Autor so viele Schlagzeilen und persönliche Angriffe eingetragen wie Eichmann in Jerusalem. Es war, wie Hannah Arendt später an Karl R Jaspers schrieb, als wäre sie »in einen Hinterhalt geraten«. Dass der Name Eichmann zum Inbegriff des Verwaltungsmassenmörders (»Schreibtischtäter«) wurde, geht auf ihre Veröffentlichung zurück.
Entstehung: Arendt ging 1961 auf eigenen Wunsch als Gerichtsreporterin nach Jerusalem, um den Eichmann-Prozess zu verfolgen. Als Gesellschaftstheoretikerin und Überlebende des Holocaust fühlte sie sich verpflichtet, einem »dieser Leute«, die sie »noch nie leibhaftig gesehen« hatte, gegenüberzutreten. Mit dem Studium der Person Adolf Eichmann wollte sie »dem totalen moralischen Kollaps, den die Nazis in einer respektablen europäischen Gesellschaft herbeigeführt hatten«, auf den Grund gehen. Das Resultat dieser Bemühungen erschien zunächst als fünfteilige Serie im New Yorker, kurz darauf in Buchform mit dem Untertitel Ein Bericht von der Banalität des Bösen.
Struktur: Der Bericht stützt sich vor allem auf Prozessmaterial, das den Pressevertretern in Jerusalem ausgehändigt wurde. Wichtigstes Dokument ist das polizeiliche Protokoll des Verhörs, das aufgenommen und Eichmann zur handschriftlichen Korrektur vorgelegt worden war. Ergänzt wird es durch Dokumente der Anklage, die eidesstattlichen Erklärungen von 16 Entlastungszeugen und 70 Schreibmaschinenseiten, auf denen Eichmann Notizen über »die Maßnahmen« zur »Lösung der Judenfrage« machte. Das Buch, unterteilt in 15 Kapitel, folgt dem Verhandlungsverlauf.
Inhalt: Die These von der »Banalität des Bösen« taucht im Bericht nur ein einziges Mal auf, ist jedoch immer präsent. Arendt äußert ihr Erstaunen über die Dümmlichkeit und Mediokrität des Angeklagten. Eichmann war »nicht Jago und nicht Macbeth, und nichts hätte ihm ferner gelegen, als mit Richard III. zu beschließen, ›ein Bösewicht zu werden‹. Außer einer ganz ungewöhnlichen Beflissenheit, alles zu tun, was seinem Fortkommen dienlich sein könnte, hatte er überhaupt keine Motive.«
Präzise verzeichnet Arendt die »schreckliche und erschreckende« Normalität dieses Verwaltungsmassenmörders, das Missverhältnis zwischen der Trivialität der Motive und Grauenhaftigkeit seines Handelns, die mitunter geradezu komische Unfähigkeit Eichmanns, ein Bewusstsein seiner Situation und seiner Taten zu entwickeln. Der Funktionär und Technokrat ist für Arendt der Prototyp einer völlig neuartigen Erscheinung des Bösen, vor der »das Wort versagt und das Denken scheitert«. Das gilt auch für das Gericht: Wie kann es einen Angeklagten als urteils- und schuldfähige Person behandeln, wenn ihr die Grundlage aller Schuldfähigkeit, nämlich Unrechtsbewusstsein, in einem so eklatanten Maß fehlt?
Wirkung: Wegen der Forderung, dem Angeklagten trotz seiner Verbrechen gerecht zu werden, der Kritik am Staatsanwalt sowie einiger Bemerkungen zur Rolle der Judenräte bei der Lagerverwaltung und der Deportation wurde Arendt von allen Seiten heftig attackiert – auch in Deutschland. Sie hatte von der Beteiligung der Bevölkerung und ihrer Elite gesprochen und auf die Tatsache hingewiesen, dass für den nationalkonservativen Widerstand des 20. Juni die Vernichtung der Juden als Handlungsmotiv keine Rolle spielte. Die öffentliche Auseinandersetzung, die etwa drei Jahre dauerte, war eine Mischung aus »organisierter Kampagne« – so Arendt in der Vorrede zur Buchausgabe – und engagierter Empörung. Viele Vorwürfe wie jene, sie habe Eichmanns Verhalten »entschuldigt« oder die Juden »verurteilt«, waren ungerechtfertigt. Ein Großteil der Debatte drehte sich tatsächlich um »ein Buch, das niemals geschrieben worden ist« (Hannah Arendt). Erst 2000 erschien Eichmann in Jerusalem in hebräischer Übersetzung. K. L. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»Hannah Arendt begnügte sich nicht mit einem bloßen Bericht über den Prozess und die an ihm Beteiligten, sondern nutzte die Gelegenheit zu einer ausführlichen Darstellung der deutschen Vernichtungspolitik.« Kurt Sontheimer

Kurzbeschreibung

»Das Beunruhigende an der Person Eichmanns war doch gerade, dass er war wie viele und dass diese vielen weder pervers noch sadistisch, sondern schrecklich und erschreckend normal waren und sind. Vom Standpunkt unserer Rechtsinstitutionen und an unseren moralischen Urteilsmaßstäben gemessen, war diese Normalität viel erschreckender als all die Greuel zusammengenommen …« Hannah Arendt

Über den Autor

Hannah Arendt, am 14. Oktober 1906 in Hannover geboren und am 4. Dezember 1975 in New York gestorben, studierte Philosophie, Theologie und Griechisch unter anderem bei Heidegger, Bultmann und Jaspers, bei dem sie 1928 promovierte. 1933 Emigration nach Paris, ab 1941 in New York. 1946 bis 1948 als Lektorin, danach als freie Schriftstellerin tätig. 1963 Professorin für Politische Theorie in Chicago, ab 1967 an der New School for Social Research in New York.
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