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Eichmann steht prototypisch für viele der verbrecherischen Nazi-Gefolgsleute, die mit oder ohne ideologischer Verblendung, dafür aber immer mit voller Obrigkeitshörigkeit doch stets nur Befehle ausführten. Irgendeine Form der Reue geht ihm ab, denn "Reue ist etwas für kleine Kinder", so Eichmann in den Verhören. Dabei ist Reue und die daraus resultierende Selbsterkenntnis der vielleicht wichtigste Punkt einer sinnvollen Aufarbeitung. Hinter der Maske des vermeintlichen Normalos Eichmann verbirgt sich tausendfacher Schrecken -- ein Schrecken, den man auch heute noch an so manchen Stellen des Erdballs in den Personen scheinbar normaler Bürger wiederfinden kann.
Arendts Buch ist zudem eine über die persönliche Ebene hinausgehende Zusammenfassung des Holocaust, von den ersten Vertreibungen bis hin zur fürchterlichen Endlösung, denn all dies war Gegenstand des Prozesses. Bei aller berechtigter Kritik -- so gibt es heute sicherlich ausführlichere Bücher über die Historie des Holocaust -- darf man ihr eigentliches Anliegen nicht übersehen. Es ging ihr gerade um die im Untertitel aufgeführte Banalität des Bösen, um die Betrachtung der Person, die das Töten verwaltet und plant. Und genau diese Betrachtungsweise packt den Leser, denn bei der Analyse der Ereignisse im Dritten Reich sollte man immer auch die einzelnen Täter berücksichtigen. Die Erkenntnis, daß normale Menschen zu Greueltaten solchen Ausmaßes fähig sind, darf nie in Vergessenheit geraten, und so behält dieses Buch auch in Zukunft seinen Stellenwert als Warnung wie auch als Mahnmal. --Joachim Hohwieler
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Reue ist etwas für kleine Kinder" (97).,
Von Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen (Taschenbuch)
1960 gelang es dem israelischen Geheimdienst den nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Argentinien geflohenen Adolf Eichmann festzunehmen und nach Israel zu verschleppen. Dort wurde der Bürokrat, der maßgeblich an der Organisation der Shoa beteiligt war, vor Gericht gestellt, nach achtmonatiger Verhandlung zum Tode verurteilt und am 31. Mai 1962 durch Erhängen hingerichtet. Hannah Arendt verfolgte für den "New Yorker" den Prozess. Ihre Aufzeichnungen sprengten schon bald den Rahmen einer Zeitungsreportage und wurden 1964 in Buchform unter dem Titel "Eichmann in Jerusalem - Ein Bericht von der Banalität des Bösen" veröffentlicht."Ich habe nie einen Juden getötet, aber ich habe auch keinen Nicht-Juden getötet. Ich habe auch nie einen Befehl zum Töten eines Juden gegeben, auch keinen Befehl zum Tötet eines Nichtjuden, auch das habe ich nicht" (326). Das besondere am Eichmannprozess war es, dass zum ersten Mal ein Tätertypus vor Gericht stand, der von sich behauptete (wohl zu Recht), niemals einen Menschen mit eigener Hand getötet zu haben, niemals aus eigener Initiative Maßnahmen zur Ermordung von Menschen getroffen zu haben und immer nur das ausführende Organ Befehle höherer Instanzen gewesen zu sein. Doch ist es gerade dieses permanente Abweisen von Verantwortung verbunden mit der zentralen Funktion, die Eichmann in diesem gigantischen "Verwaltungsmassenmord" (58) innegehabt hat, was nach Arendt das Bösartige am Täter nach dem Typ ausmacht. Exemplarisch an Eichmann verdeutlicht sie, mit welcher Perfektion es den Nazis gelungen ist, ein moralisches Wertesystem zu schaffen, welches der instinktive Tötungshemmung eines Menschen zuwider läuft: "Im Dritten Reich hatte das Böse die Eigenschaft verloren, an der die meisten Menschen es erkennen - es trat nicht mehr als Versuchung an die Menschen heran. Viele Deutsche und viele Nazis [...] haben wohl die Versuchung gekannt, nicht zu morden, nicht zu rauben, ihre Nachbarn nicht in den Untergang ziehen zu lassen [...]. Aber sie hatten, weiß Gott, gelernt, mit ihren Neigungen fertigzuwerden und der Versuchung zu widerstehen" (249). Auf der Werteskala der Nazis wurde der absolute Gehorsam gegenüber Höhergestellten zum neuen kategorischen Imperativ des Systems, egal, welche Konsequenzen dieser Gehorsam mit sich brachte. "Böse" war es nun nicht mehr, Menschen zu töten. "Böse" war es, Befehlen nicht zu gehorchen, die massenhaftes Morden anordneten: "Seine Schuld war sein Gehorsam, und Gehorsam werde doch als Tugend gepriesen. Seine Tugend sei von den Regierenden missbraucht worden" (365). Eichmanns Rechtfertigung lässt sich nur verstehen, wenn man sich die Werteskala der Nazis verdeutlicht. Und genau darin liegt das banal-böse, worin zumindestens ein Schlüssel zum Verständnis des Nationalsozialismus liegt. Das Sich-aus-der-Verantwortung ziehen wurde mit Hinweis auf die neue Kardinaltugend so einfach gemacht. Doch diesen Punkt lässt Arendt zur moralischen Absolution Eichmanns nicht gelten und hält dagegen: "Das Verantwortlichkeitsausmaß wächst vielmehr im allgemeinen, je mehr man sich von demjenigen entfernt, die die Mordwaffe mit seinen Händen in Bewegung setzt" (364). Fazit: Hannah Arendt wurde für ihr Buch heftig angefeindet. Zu kritisch sei ihr Umgang mit der Verantwortung jüdischer Organisationen bezüglich der Shoa während des Zweiten Weltkrieges, anmaßend ihre Frage, warum die Juden sich nicht mehr gegen ihre eigene Vernichtung gewehrt haben. Und auch die Widerständler des 20. Juli werden von Arendt heftig attackiert (vgl. S. 193). Doch ist es gerade der provokante und durchaus auch unwissenschaftliche Stil, der die Klasse von Arendts Büchern ausmacht. Somit bleibt "Eichmann in Jerusalem" bis heute eines der ganz wichtigen Bücher, wenn es darum geht, moralische und psychologische Grundlagen des Naziregimes zu offenbaren. Grundlegendere Überlegungen zum "Bösen" finden sich in Arendts hervorragender Vorlesungsreihe Über das Böse. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
26 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Zeit voraus ...,
Rezension bezieht sich auf: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. (Taschenbuch)
Hannah Arendt war auch mit diesem Werk wieder einmal ihrer Zeit voraus. Warum? - Als Prozeßberichterstatterin wurde sie von der amerikanischen Zeitschrift "The New Yorker" nach Jerusalem geschickt, um vom Prozeß gegen Eichmann zu berichten. Sie blieb nur einige Wochen, hatte aber Gelegenheit, über 3000 S. Prozeßmaterial und Aussagen zu lesen. Außerdem verfolgte Sie das damalige Tagesgeschehen aufmerksam. So kommt Sie zu einer erstaunlich objektiven Berichterstattung, mit sprachlicher Schärfe und oft auch Ironie, und sie war mit Ihren Schlußfolgerungen der historischen Forschung weit voraus. Etliches konnte erst Jahrzehnte später als "wahr" bewiesen werden, nachdem verschwundene oder verschlossene Dokumente eingesehen werden konnten. Kein Wunder, daß nach diesem Buch eine jahrelange Debatte über sie ausbrach (nicht über das Buch, das erstaunliche Objektivität beweist). Mein persönliches Fazit: In allen ihren Werken begeistert mich Hannah Arendts Fähigkeit, die Sprache elegant und scharf wie einen Degen zu führen. Und kein Buch über das 3. Reich hat mich derart sprachlos zurückgelassen wie dieses.
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35 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eichmann auf der Spur,
Von Peter Ditrych (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. (Taschenbuch)
Zur Zeit des Eichmann-Prozesses war ich noch nicht geboren. Als Deutscher, der erst viele Jahre nach den Ereignissen geboren wurde, die in diesem Buch zur Sprache kommen, konnte ich es unter dem allgemeinen Aspekt lesen, wie und warum Menschen sich in Schuld verstricken. Vieles von Hannah Arendts genauen Analysen wird noch deutlicher, wenn man die Prozess-Dokumentation vorher im Fernsehen gesehen hat. Eichmann war ein sog. Schreibtischtäter. Er selbst hat nie direkt einen Menschen getötet. Er war auch kein Drahtzieher der Judenvernichtung. Er arbeitete in einer Verwaltungsmaschinerie, die das Verbrechen in Routinehandlungen verwandelte und er gehorchte Befehlen. Eichmann war nur mittelmäßig gebildet. Seine Motive lagen im beruflichen Ehrgeiz und bürokratischen Kadavergehorsam. Eine zunächst gescheiterte Existenz fand in der Tätigkeit für das Regime eine gewisse Befriedigung. Dort entwickelte er ein Talent fürs Organisieren und Verhandeln. Als Verantwortlicher für den Transport schickte er Millionen von Juden in den Tod. Persönlich hatte er nie das geringste gegen die Juden gehabt. Seine Erziehung war streng christlich. Wäre er in einem funktionierenden Rechtsstaat aufgewachsen, wäre er nicht als Krimineller in Erscheinung getreten. Die Versuche des Staatsanwalts, Eichmann zu dämonnisieren, ihn auf eine Stufe mit Stalin, Hitler und Dschingis Khan zu stellen, ihm wenigstens einen eigenhändigen Mord nachzuweisen, schlugen zwangsläufig fehl.Eichmann wusste, dass die Einsatzgruppen den Tötungsbefehl bekommen hatten und er leugnete es nicht. Er tat immer sein Äußerstes für die „Endlösung". In seinem Schlussvortrag vor Gericht gab er zu, dass er unter dem ein oder anderen Vorwand aus der Sache hätte rauskokmmen können. „Ich habe aber nicht zu denen gehört, die das für zulässig hielten." Worin bestand seine Schuld? Sie bestand in der Beihilfe zum Mord in Millionen von Fällen. Beihilfe zu einem monströs großen Verbrechen. Im Urteil heißt es: „Aber in diesem gigantischen und weitverzweigten Verbrechen ... an dem viele Personen in verschiedenen Befehlsstufen und in verschiedenen Tätigkeitsausmaßen teilgenommen haben ... ist es nicht zweckmäßig, die üblichen Begriffe des Anstifters und Gehilfen in Anwendung zu bringen. Die gegenständlichen Verbrechen sind ja Massenverbrechen, nicht nur, was die Zahl der Opfer anlangt, sondern auch in Bezug auf die Anzahl der Mittäter, so dass die Nähe oder Entfernung des einen oder des anderen dieser vielen Verbrecher zu dem Manne, der das Opfer tatsächlich tötet, überhaupt keinen Einfluss auf den Umfang der Verantwortlichkeit haben kann. Das Verantwortlichkeitsausmaß wächst vielmehr im allgemeinen, je mehr man sich von demjenigen Entfernt, der die Mordwaffe mit seinen Händen in Bewegung setzt." Nach hochstehender moralischer Ansicht müsse auch in einem Staat, in dem das Unrecht Normalität ist, jeder Mensch aus sich heraus erkennen können, was Unrecht ist und wenn dadurch sein eigenes Leben nicht gefährdet ist, dürfe er daran nicht teilnehmen. Nach realistischerer Ansicht, kann man davon ausgehen, dass der Mensch sich in das jeweilige System hineinintegriert, in dem er lebt. Und wer vom jeweiligen System profitiert, sei es als Mitläufer, Profiteur oder Funktionselite, hat die Tendenz, den status quo aufrechtzuerhalten und das System nicht zu kritisieren. Eichmann hat seine Verteidigungsstrategie, für all seine Handlungen einen plausiblen Grund parat zu haben, als handle es sich um die normalste Sache der Welt, bis zum Ende voll durchgezogen. Den Richter und die Verteidigung brachte er damit fast an den Rand der Verzweiflung. Die Verhandlung trug teilweise grotesque Züge. Gelegentlich bricht die Komik in das Grauen ein und bringt dann Geschichten hervor, an deren Wahrheit kaum zu zweifeln ist, deren makabere Lächerlichkeit aber alles übertrifft, was dem Surrealismus zu diesen Dingen hätte einfallen können. Eichmann schrieb, dass ihn Gespräche über den Schulddruck der deutschen Jugend sehr beeindruckten. „dass ich, wenn es einen Akt der größten Sühne bezeigen würde, bereit bin, mich öffentlich selbst aufzuhängen ... Dieses Wollen ist ein ernstes Wollen meinerseits, denn so tue auch ich einiges, um diesen Schulddruck der deutschen Jugend wegzunehmen, die ja an sich nichts dafür kann, für das Geschehen oder für die Taten ihrer Väter..." Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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