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Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen.
 
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Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. [Taschenbuch]

Hannah Arendt
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 357 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: Neuausgabe (1986)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492203086
  • ISBN-13: 978-3492203081
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12,1 x 2,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Hannah Arendt
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Der Prozeß gegen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann 1961 in Jerusalem war neben den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen die wichtigste Gerichtsverhandlung gegen Schergen des NS-Regimes. Spätestens mit der Vollstreckung des Todesurteils gegen Eichmann begann auch eine Diskussion um die Sinnhaftigkeit der Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen durch juristische Mechanismen. Hannah Arendt hat den Prozeß selbst miterlebt und seine Unterlagen dazu genutzt, ihr eigenes Resümee über den Holocaust und die Person Adolf Eichmann mit seiner Rolle bei der Judenverfolgung zu ziehen. Heraus kam dabei ein Buch, das bis zum heutigen Tag nichts an Gültigkeit oder Bedeutung verloren hat.

Eichmann steht prototypisch für viele der verbrecherischen Nazi-Gefolgsleute, die mit oder ohne ideologischer Verblendung, dafür aber immer mit voller Obrigkeitshörigkeit doch stets nur Befehle ausführten. Irgendeine Form der Reue geht ihm ab, denn "Reue ist etwas für kleine Kinder", so Eichmann in den Verhören. Dabei ist Reue und die daraus resultierende Selbsterkenntnis der vielleicht wichtigste Punkt einer sinnvollen Aufarbeitung. Hinter der Maske des vermeintlichen Normalos Eichmann verbirgt sich tausendfacher Schrecken -- ein Schrecken, den man auch heute noch an so manchen Stellen des Erdballs in den Personen scheinbar normaler Bürger wiederfinden kann.

Arendts Buch ist zudem eine über die persönliche Ebene hinausgehende Zusammenfassung des Holocaust, von den ersten Vertreibungen bis hin zur fürchterlichen Endlösung, denn all dies war Gegenstand des Prozesses. Bei aller berechtigter Kritik -- so gibt es heute sicherlich ausführlichere Bücher über die Historie des Holocaust -- darf man ihr eigentliches Anliegen nicht übersehen. Es ging ihr gerade um die im Untertitel aufgeführte Banalität des Bösen, um die Betrachtung der Person, die das Töten verwaltet und plant. Und genau diese Betrachtungsweise packt den Leser, denn bei der Analyse der Ereignisse im Dritten Reich sollte man immer auch die einzelnen Täter berücksichtigen. Die Erkenntnis, daß normale Menschen zu Greueltaten solchen Ausmaßes fähig sind, darf nie in Vergessenheit geraten, und so behält dieses Buch auch in Zukunft seinen Stellenwert als Warnung wie auch als Mahnmal. --Joachim Hohwieler

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Eichmann in Jerusalem
OT Eichmann in Jerusalem: A Report on the Banality of EvilOA 1963 DE 1964 Form Sachbuch Bereich Politik/Soziologie
Selten hat eine Schrift so viel Aufsehen erregt, ihrem Autor so viele Schlagzeilen und persönliche Angriffe eingetragen wie Eichmann in Jerusalem. Es war, wie Hannah Arendt später an Karl R Jaspers schrieb, als wäre sie »in einen Hinterhalt geraten«. Dass der Name Eichmann zum Inbegriff des Verwaltungsmassenmörders (»Schreibtischtäter«) wurde, geht auf ihre Veröffentlichung zurück.
Entstehung: Arendt ging 1961 auf eigenen Wunsch als Gerichtsreporterin nach Jerusalem, um den Eichmann-Prozess zu verfolgen. Als Gesellschaftstheoretikerin und Überlebende des Holocaust fühlte sie sich verpflichtet, einem »dieser Leute«, die sie »noch nie leibhaftig gesehen« hatte, gegenüberzutreten. Mit dem Studium der Person Adolf Eichmann wollte sie »dem totalen moralischen Kollaps, den die Nazis in einer respektablen europäischen Gesellschaft herbeigeführt hatten«, auf den Grund gehen. Das Resultat dieser Bemühungen erschien zunächst als fünfteilige Serie im New Yorker, kurz darauf in Buchform mit dem Untertitel Ein Bericht von der Banalität des Bösen.
Struktur: Der Bericht stützt sich vor allem auf Prozessmaterial, das den Pressevertretern in Jerusalem ausgehändigt wurde. Wichtigstes Dokument ist das polizeiliche Protokoll des Verhörs, das aufgenommen und Eichmann zur handschriftlichen Korrektur vorgelegt worden war. Ergänzt wird es durch Dokumente der Anklage, die eidesstattlichen Erklärungen von 16 Entlastungszeugen und 70 Schreibmaschinenseiten, auf denen Eichmann Notizen über »die Maßnahmen« zur »Lösung der Judenfrage« machte. Das Buch, unterteilt in 15 Kapitel, folgt dem Verhandlungsverlauf.
Inhalt: Die These von der »Banalität des Bösen« taucht im Bericht nur ein einziges Mal auf, ist jedoch immer präsent. Arendt äußert ihr Erstaunen über die Dümmlichkeit und Mediokrität des Angeklagten. Eichmann war »nicht Jago und nicht Macbeth, und nichts hätte ihm ferner gelegen, als mit Richard III. zu beschließen, ›ein Bösewicht zu werden‹. Außer einer ganz ungewöhnlichen Beflissenheit, alles zu tun, was seinem Fortkommen dienlich sein könnte, hatte er überhaupt keine Motive.«
Präzise verzeichnet Arendt die »schreckliche und erschreckende« Normalität dieses Verwaltungsmassenmörders, das Missverhältnis zwischen der Trivialität der Motive und Grauenhaftigkeit seines Handelns, die mitunter geradezu komische Unfähigkeit Eichmanns, ein Bewusstsein seiner Situation und seiner Taten zu entwickeln. Der Funktionär und Technokrat ist für Arendt der Prototyp einer völlig neuartigen Erscheinung des Bösen, vor der »das Wort versagt und das Denken scheitert«. Das gilt auch für das Gericht: Wie kann es einen Angeklagten als urteils- und schuldfähige Person behandeln, wenn ihr die Grundlage aller Schuldfähigkeit, nämlich Unrechtsbewusstsein, in einem so eklatanten Maß fehlt?
Wirkung: Wegen der Forderung, dem Angeklagten trotz seiner Verbrechen gerecht zu werden, der Kritik am Staatsanwalt sowie einiger Bemerkungen zur Rolle der Judenräte bei der Lagerverwaltung und der Deportation wurde Arendt von allen Seiten heftig attackiert – auch in Deutschland. Sie hatte von der Beteiligung der Bevölkerung und ihrer Elite gesprochen und auf die Tatsache hingewiesen, dass für den nationalkonservativen Widerstand des 20. Juni die Vernichtung der Juden als Handlungsmotiv keine Rolle spielte. Die öffentliche Auseinandersetzung, die etwa drei Jahre dauerte, war eine Mischung aus »organisierter Kampagne« – so Arendt in der Vorrede zur Buchausgabe – und engagierter Empörung. Viele Vorwürfe wie jene, sie habe Eichmanns Verhalten »entschuldigt« oder die Juden »verurteilt«, waren ungerechtfertigt. Ein Großteil der Debatte drehte sich tatsächlich um »ein Buch, das niemals geschrieben worden ist« (Hannah Arendt). Erst 2000 erschien Eichmann in Jerusalem in hebräischer Übersetzung. K. L.

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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen "Reue ist etwas für kleine Kinder" (97)., 27. März 2010
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
1960 gelang es dem israelischen Geheimdienst den nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Argentinien geflohenen Adolf Eichmann festzunehmen und nach Israel zu verschleppen. Dort wurde der Bürokrat, der maßgeblich an der Organisation der Shoa beteiligt war, vor Gericht gestellt, nach achtmonatiger Verhandlung zum Tode verurteilt und am 31. Mai 1962 durch Erhängen hingerichtet. Hannah Arendt verfolgte für den "New Yorker" den Prozess. Ihre Aufzeichnungen sprengten schon bald den Rahmen einer Zeitungsreportage und wurden 1964 in Buchform unter dem Titel "Eichmann in Jerusalem - Ein Bericht von der Banalität des Bösen" veröffentlicht.

"Ich habe nie einen Juden getötet, aber ich habe auch keinen Nicht-Juden getötet. Ich habe auch nie einen Befehl zum Töten eines Juden gegeben, auch keinen Befehl zum Tötet eines Nichtjuden, auch das habe ich nicht" (326). Das besondere am Eichmannprozess war es, dass zum ersten Mal ein Tätertypus vor Gericht stand, der von sich behauptete (wohl zu Recht), niemals einen Menschen mit eigener Hand getötet zu haben, niemals aus eigener Initiative Maßnahmen zur Ermordung von Menschen getroffen zu haben und immer nur das ausführende Organ Befehle höherer Instanzen gewesen zu sein. Doch ist es gerade dieses permanente Abweisen von Verantwortung verbunden mit der zentralen Funktion, die Eichmann in diesem gigantischen "Verwaltungsmassenmord" (58) innegehabt hat, was nach Arendt das Bösartige am Täter nach dem Typ ausmacht. Exemplarisch an Eichmann verdeutlicht sie, mit welcher Perfektion es den Nazis gelungen ist, ein moralisches Wertesystem zu schaffen, welches der instinktive Tötungshemmung eines Menschen zuwider läuft: "Im Dritten Reich hatte das Böse die Eigenschaft verloren, an der die meisten Menschen es erkennen - es trat nicht mehr als Versuchung an die Menschen heran. Viele Deutsche und viele Nazis [...] haben wohl die Versuchung gekannt, nicht zu morden, nicht zu rauben, ihre Nachbarn nicht in den Untergang ziehen zu lassen [...]. Aber sie hatten, weiß Gott, gelernt, mit ihren Neigungen fertigzuwerden und der Versuchung zu widerstehen" (249). Auf der Werteskala der Nazis wurde der absolute Gehorsam gegenüber Höhergestellten zum neuen kategorischen Imperativ des Systems, egal, welche Konsequenzen dieser Gehorsam mit sich brachte. "Böse" war es nun nicht mehr, Menschen zu töten. "Böse" war es, Befehlen nicht zu gehorchen, die massenhaftes Morden anordneten: "Seine Schuld war sein Gehorsam, und Gehorsam werde doch als Tugend gepriesen. Seine Tugend sei von den Regierenden missbraucht worden" (365). Eichmanns Rechtfertigung lässt sich nur verstehen, wenn man sich die Werteskala der Nazis verdeutlicht. Und genau darin liegt das banal-böse, worin zumindestens ein Schlüssel zum Verständnis des Nationalsozialismus liegt. Das Sich-aus-der-Verantwortung ziehen wurde mit Hinweis auf die neue Kardinaltugend so einfach gemacht. Doch diesen Punkt lässt Arendt zur moralischen Absolution Eichmanns nicht gelten und hält dagegen: "Das Verantwortlichkeitsausmaß wächst vielmehr im allgemeinen, je mehr man sich von demjenigen entfernt, die die Mordwaffe mit seinen Händen in Bewegung setzt" (364).

Fazit: Hannah Arendt wurde für ihr Buch heftig angefeindet. Zu kritisch sei ihr Umgang mit der Verantwortung jüdischer Organisationen bezüglich der Shoa während des Zweiten Weltkrieges, anmaßend ihre Frage, warum die Juden sich nicht mehr gegen ihre eigene Vernichtung gewehrt haben. Und auch die Widerständler des 20. Juli werden von Arendt heftig attackiert (vgl. S. 193). Doch ist es gerade der provokante und durchaus auch unwissenschaftliche Stil, der die Klasse von Arendts Büchern ausmacht. Somit bleibt "Eichmann in Jerusalem" bis heute eines der ganz wichtigen Bücher, wenn es darum geht, moralische und psychologische Grundlagen des Naziregimes zu offenbaren. Grundlegendere Überlegungen zum "Bösen" finden sich in Arendts hervorragender Vorlesungsreihe Über das Böse.
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26 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Der Zeit voraus ..., 18. Dezember 2003
Rezension bezieht sich auf: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. (Taschenbuch)
Hannah Arendt war auch mit diesem Werk wieder einmal ihrer Zeit voraus. Warum? - Als Prozeßberichterstatterin wurde sie von der amerikanischen Zeitschrift "The New Yorker" nach Jerusalem geschickt, um vom Prozeß gegen Eichmann zu berichten. Sie blieb nur einige Wochen, hatte aber Gelegenheit, über 3000 S. Prozeßmaterial und Aussagen zu lesen. Außerdem verfolgte Sie das damalige Tagesgeschehen aufmerksam. So kommt Sie zu einer erstaunlich objektiven Berichterstattung, mit sprachlicher Schärfe und oft auch Ironie, und sie war mit Ihren Schlußfolgerungen der historischen Forschung weit voraus. Etliches konnte erst Jahrzehnte später als "wahr" bewiesen werden, nachdem verschwundene oder verschlossene Dokumente eingesehen werden konnten. Kein Wunder, daß nach diesem Buch eine jahrelange Debatte über sie ausbrach (nicht über das Buch, das erstaunliche Objektivität beweist). Mein persönliches Fazit: In allen ihren Werken begeistert mich Hannah Arendts Fähigkeit, die Sprache elegant und scharf wie einen Degen zu führen. Und kein Buch über das 3. Reich hat mich derart sprachlos zurückgelassen wie dieses.
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35 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Eichmann auf der Spur, 28. Januar 2005
Zur Zeit des Eichmann-Prozesses war ich noch nicht geboren. Als Deutscher, der erst viele Jahre nach den Ereignissen geboren wurde, die in diesem Buch zur Sprache kommen, konnte ich es unter dem allgemeinen Aspekt lesen, wie und warum Menschen sich in Schuld verstricken. Vieles von Hannah Arendts genauen Analysen wird noch deutlicher, wenn man die Prozess-Dokumentation vorher im Fernsehen gesehen hat. Eichmann war ein sog. Schreibtischtäter. Er selbst hat nie direkt einen Menschen getötet. Er war auch kein Drahtzieher der Judenvernichtung. Er arbeitete in einer Verwaltungsmaschinerie, die das Verbrechen in Routinehandlungen verwandelte und er gehorchte Befehlen. Eichmann war nur mittelmäßig gebildet. Seine Motive lagen im beruflichen Ehrgeiz und bürokratischen Kadavergehorsam. Eine zunächst gescheiterte Existenz fand in der Tätigkeit für das Regime eine gewisse Befriedigung. Dort entwickelte er ein Talent fürs Organisieren und Verhandeln. Als Verantwortlicher für den Transport schickte er Millionen von Juden in den Tod. Persönlich hatte er nie das geringste gegen die Juden gehabt. Seine Erziehung war streng christlich. Wäre er in einem funktionierenden Rechtsstaat aufgewachsen, wäre er nicht als Krimineller in Erscheinung getreten. Die Versuche des Staatsanwalts, Eichmann zu dämonnisieren, ihn auf eine Stufe mit Stalin, Hitler und Dschingis Khan zu stellen, ihm wenigstens einen eigenhändigen Mord nachzuweisen, schlugen zwangsläufig fehl.

Eichmann wusste, dass die Einsatzgruppen den Tötungsbefehl bekommen hatten und er leugnete es nicht. Er tat immer sein Äußerstes für die „Endlösung". In seinem Schlussvortrag vor Gericht gab er zu, dass er unter dem ein oder anderen Vorwand aus der Sache hätte rauskokmmen können. „Ich habe aber nicht zu denen gehört, die das für zulässig hielten."

Worin bestand seine Schuld? Sie bestand in der Beihilfe zum Mord in Millionen von Fällen. Beihilfe zu einem monströs großen Verbrechen. Im Urteil heißt es: „Aber in diesem gigantischen und weitverzweigten Verbrechen ... an dem viele Personen in verschiedenen Befehlsstufen und in verschiedenen Tätigkeitsausmaßen teilgenommen haben ... ist es nicht zweckmäßig, die üblichen Begriffe des Anstifters und Gehilfen in Anwendung zu bringen. Die gegenständlichen Verbrechen sind ja Massenverbrechen, nicht nur, was die Zahl der Opfer anlangt, sondern auch in Bezug auf die Anzahl der Mittäter, so dass die Nähe oder Entfernung des einen oder des anderen dieser vielen Verbrecher zu dem Manne, der das Opfer tatsächlich tötet, überhaupt keinen Einfluss auf den Umfang der Verantwortlichkeit haben kann. Das Verantwortlichkeitsausmaß wächst vielmehr im allgemeinen, je mehr man sich von demjenigen Entfernt, der die Mordwaffe mit seinen Händen in Bewegung setzt."

Nach hochstehender moralischer Ansicht müsse auch in einem Staat, in dem das Unrecht Normalität ist, jeder Mensch aus sich heraus erkennen können, was Unrecht ist und wenn dadurch sein eigenes Leben nicht gefährdet ist, dürfe er daran nicht teilnehmen. Nach realistischerer Ansicht, kann man davon ausgehen, dass der Mensch sich in das jeweilige System hineinintegriert, in dem er lebt. Und wer vom jeweiligen System profitiert, sei es als Mitläufer, Profiteur oder Funktionselite, hat die Tendenz, den status quo aufrechtzuerhalten und das System nicht zu kritisieren.

Eichmann hat seine Verteidigungsstrategie, für all seine Handlungen einen plausiblen Grund parat zu haben, als handle es sich um die normalste Sache der Welt, bis zum Ende voll durchgezogen. Den Richter und die Verteidigung brachte er damit fast an den Rand der Verzweiflung. Die Verhandlung trug teilweise grotesque Züge. Gelegentlich bricht die Komik in das Grauen ein und bringt dann Geschichten hervor, an deren Wahrheit kaum zu zweifeln ist, deren makabere Lächerlichkeit aber alles übertrifft, was dem Surrealismus zu diesen Dingen hätte einfallen können.

Eichmann schrieb, dass ihn Gespräche über den Schulddruck der deutschen Jugend sehr beeindruckten. „dass ich, wenn es einen Akt der größten Sühne bezeigen würde, bereit bin, mich öffentlich selbst aufzuhängen ... Dieses Wollen ist ein ernstes Wollen meinerseits, denn so tue auch ich einiges, um diesen Schulddruck der deutschen Jugend wegzunehmen, die ja an sich nichts dafür kann, für das Geschehen oder für die Taten ihrer Väter..."
Hannah Arendt hat für solche und ähnlichen Äußerungen Eichmanns eine psychologische Erklärung. Erhebende Worte dienten ihm dazu, erhebende Gefühle zu erzeugen. Das waren Klischees, mit denen er sich tröstete. Eichmann hätte sich seiner Verhaftung in Argentinien durch Flucht entziehen können, als er feststellte, dass das Suchkommando ihn aufgespürt hatte. Er floh jedoch nicht. Er hat zu seiner Verhaftung nicht aktiv beigetragen, er hat sich ihr auch nicht entzogen. Man könnte sagen, er hat seinen Prozess, dessen Ausgang er voraussah, akzeptiert. Dies scheint typisch für ihn zu sein, wenn eine Entwicklung über ihn hereinzubrechen drohte, hat er es akzeptiert. So hat er gelebt, so ist er gestorben. „Adolf Eichmann ging ruhig und gefasst in den Tod. Er bat um eine Flasche Rotwein und trank die Hälfte davon aus."

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