Der 90-jährige Opa bringt den Haushalt des längst erbschaftsbereiten Sohnes samt Schwiegertochter Petra und Enkel Max gehörig durcheinander, denn der bettlägerige Alte will einfach nicht abtreten. Kein Wunder also, wenn sich Gefühle aufstauen, den unerwünschten Zustand alsbald einem für alle Beteiligten zufriedenstellenden Ende zuzuführen, denen Ingrid Noll - wie immer - frivole Nahrung verleiht. Wie immer geht, wenn keine Profis sondern Dilettanten am Werk sind, einiges schief. Die Autorin läßt natürlich kein Klischee aus und gelegentlich kalauert sie einfach dahin. Aber gut, so sind gutbürgerliche Familien eben, ein körperlich und beziehungsmäßig abgearbeitetes Ehepaar mit lesbischer Tochter, ein bißchen Fremdgehen und Max, ein etwas schwindliger Sohn, der sich mit dem Opa aber wirklich gut versteht.
Flott lesbare Urlaubslektüre, nicht gänzlich ohne Tiefgang, die sich nicht unrealistisch und kurzweilig um bürgerliche Fragen von Erben und Sterben dreht. Nicht das beste von Ingrid Noll, aber doch auch ein Kaleidoskop über die Befindlichkeiten deutschen Kleinbürgertums.