Es hat etwas von Blasphemie ein Buch eines der angesehensten und gefeiertsten Stars in der christlichen Szene zu kritisieren. - Vorweg: Eingangs erwähnten Satz findet sich auf Seit 20.
Was zeichnet ein gutes Eheberatungsbuch aus:
1. Es ist praktikabel, 2. es wendet sich an eine breite Leserschaft und geht auch auf diese ein, 3. es zeigt Grenzen auf, wo das Buch helfen kann und wo nicht, 4. es ist fachlich fundiert.
Zu 4. gibt das Ehepaar Hybels bereits selbst Antwort.
Zu 3. diese Thematik fehlt vollkommen und hat vermutlich mit Punkt 4. zu tun.
Zu 2. das Ehepaar Hybels wendet sich an ein Publikum, das mit dem nordamerikanischen eng vertraut ist und Evangeliar geprägt und sozialisiert ist.
Zu 1. das Buch ist für die Zielgruppe die unter 2. genannt wird durchwegs geeignet und hilfreich, aber für alle anderen - gemischtkonfessionell, liberal, volkskirchlich geprägt, europäisch sozialisiert, nichtkirchlich - vermutlich unpraktikabel. Zahlreiche Übungen setzen voraus, dass ich Erfahrungen mit typisch freikirchlichen Übungen habe: Wie "Stille Zeit", freies Gebet, Erfahrungen mit Hauskreisen (in denen das Buch als "Arbeitsthema" gebraucht wird.
Von einem gutem Sachbuch erwarte ich mir, dass der Autor mir die Möglichkeit gibt - Vorwort, Klappentext, ... - zu erkennen, ob ich in die Zielgruppe passe oder nicht. Leider fehlt das in diesem Buch völlig.
In die lange Reihe der Ehe- und Lebensberatungsbücher reiht sich "Ehe leben, Ehe lieben" bestenfalls als unterdurchschnittlich ein.
Für evangelikal geprägt Menschen, der glaubt "Wir leben in einer grausamen, gottlosen Welt, die unsere Kinder verschlingen möchte." S. 56, dürfte das Buch eine Bereicherung sein, aber für Menschen die nicht diesen Glaubenssatz teilen, wird das Buch eine Ansammlung persönlicher Lebensberichte der Hybels' sein, samt einer Unzahl von Allgemeinsätzen und Stereotypen.