Ganz schön viel los im idyllischen Jahnsberg und das ausgelöst durch einen smarten Pfarrer, der die Hormone einiger Dorfbewohnerinnen a la einsames Häschen" ziemlich durcheinander wirbelt. Egal ob Witwe, frustrierte Ehefrau oder Fußabtreterin eines tyrannischen Ehemannes - Pfarrer Hoffmann weiß jede auf ihre Weise zu trösten. Dass Louisa schwanger ist und der Vater ihres Kindes den Schwangerschaftstest in seiner Bulette glatt übersehen, allerhöchstens als Scherz gewertet hat, geht dabei fast schon unter.
Als Dörflerin" (nicht Jahnsberg!) konnte ich viele Situationen gut nachvollziehen, aber viele waren auch einfach übertrieben. Die Sachen, die Gilbert alle besorgt", wären einer Familie Hagen, denen nicht mal entgeht, wenn Knoblauch im Gratin auf dem Komposthaufen landet, sicher nicht entgangen, ohne dass sie die Besorgungsquelle" versucht hätten ausfindig zu machen.
Sicherlich war die Idee, einen Pfarrer zur Hauptfigur zu machen, der Beistand mit Beischlaf verwechselte, sicherlich eine lustige, doch der spritzige Kerstin Gier-Stil hat mir hier gefehlt, dieser Kerstin Gier-Kick, mit dem es der Autorin sonst immer blendend gelingt, die Leser vom Hocker zu hauen und in den Bann ihres Schreibstils zu ziehen. Das ist ihr mit anderen Büchern gelungen, die man kaum noch zur Seite legen mag, wenn man erst einmal angefangen hat zu lesen.
Doch bei diesem Buch fehlte dieser Reiz. Eine nette Lektüre, bei der man nicht viel nach-/mitdenken muss.
Wenn die Autorin am Ende schreibt, dass ihre Lektorin dieses Buch als "Katze im Sack" haben wollte, aber zwei Wochen vor Abgabetermin dann doch einen Hund (Zitat Nachwort), dann würde dieser Hund miauen, denn seine Umwandlung war noch nicht abgeschlossen.