Dieses Werk ist nicht einfach eine weitere Biographie von Egon Schiele - davon gibt es ja schon genug. Dieses Werk ist mehr: es ist eine Mischung aus einem Bildband (mit über 200 von Schieles Arbeiten) und einer Dokumentation seines Privatlebens. Anhand von Briefen und anderen privaten Objekten gewährt dieses Buch einen tiefen Einblick in das Seelenleben des Jahrhundertkünstlers. Der Fokus liegt dabei auf Schieles früher, besonders ergiebiger Schaffensperiode. Die Autoren verbinden in ihrem Buch historische Fakten mit einer aktuellen Perspektive, indem sie Interpretationen von Schieles Werken durch sechs zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler (darunter die Größen Claudia Bosse, Günter Brus und Rudolf Schwarzkogler) vorstellen. Bei der Auswahl der Bilder wurde anscheinend besonderer Wert darauf gelegt, bisher weitgehend unbekannte Aspekte zu beleuchten. Das ist meiner Meinung nach mehr als gelungen: das Ergebnis ist ein außergewöhnlicher, erfrischend neuer Blick auf das Werk von Egon Schiele.