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10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gut geschrieben, einseitig und zu kurz gesprungen, 1. Juli 2009
"The Ego Tunnel", das wollte ich unbedingt lesen und konnte nicht auf die deutsche Fassung warten.
Vorab: Das Buch ist gut lesbar geschrieben, informativ, provokativ, übersichtlich, mit einer angenehmen Portion Selbstironie und Interesse an Grenzbereichen des Geistes.
Einwand: Prof. Metzinger vertritt eine (in meinen Augen extreme) Position und unterschlägt die Diskussion in der Philosophen-Welt, andere mögliche Positionen, Schwachstellen der eigenen Position etc.
Da Thomas Metzinger sich ja offensichtlich auch für Grenzbereiche interessiert, wäre eine Diskussion der Transzendenz des Egos oder des Selbstes interessant gewesen. Vorbild hätte "The Meme Machine" der von ihm in der Danksagung an erster Stelle genannten Susan Blackmore sein können. Ich hätte auch von Thomas Metzinger eine Zen-Position erwartet, die interessant hätte sein können. Kann ja noch kommen.
Für die Position, derzufolge Bewusstsein (und Ich und Selbst) eine rein funktionale Komponente der Neurologie sei und es letztendlich "bewusstere" Künstliche Intelligenz geben wird, liefert Metzinger einige Argumente und stellt interessante Forschungsergebnisse aus der Hirnforschung, welche die These unterstützen, dar. Der "Ego-Tunnel" ist demzufolge ein Funktion in der Informationsverarbeitung in der menschlichen Neurologie, welche eine Integration und Orientierung in der Datenflut ermöglicht. Er behauptet, wir hätten kein wirkliches Ich. Das Argument erscheint schwach, denn jeder einzelne Bio-Computer kämpft ja erst einmal für das eigene Überleben und ist schon von daher erst einmal durch egoistische Bedürfnisse motiviert. Es scheint, dass der Autor den Körper vergisst und ein wenig zu sehr auf den Kopf orientiert ist. Ich wünsche ihm, dass das in seinem Leben anders herum ist.
Man sollte bei Lektüre des Buches wissen, dass der Autor offensichtlich wie der per Zitat vorangestellte Daniel Dennett die Diskussion über Chalmers "Hard Question" von vornherein negiert. Es wäre interessant zu wissen, wie Herr Metzinger physikalisch erklären würde, was den virtuellen inneren Bild- (oder Hör-, Fühl- Riech-, Schmeck-)Schirm ausmacht, wie dieser entsteht. Jedenfalls ist die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz nicht sehr weit fortgeschritten und eine Anerkennung und Erforschung des phänomenologischen Bewusstseins als physikalisches Phänomen könnte hier Möglichkeiten eröffnen, die so arg reduktionistischen Ansätzen verborgen bleiben. Die obligatorische Diskussion zum "Freien Willen" ist vorsichtig, es scheint mir generell nur um einen Marketing-Gag der Hirnforscher zu gehen (klar, gibt es "Entscheidungen" und überraschende auch).
Also: Das Buch vertritt eine Position, die ich so nicht teile, liefert anregende Gegenargumente, ist nicht so flach wie der hochgejubelte Precht, desillusioniert einige Grenzerfahrungen wie OoBE und luzides Träumen, hat generell Recht: Wir sind nicht getrennt von der Welt, wir geben lediglich unserer Wahrnehmung einen subjektiven (für uns nicht wahrnehmbaren, da transparenten) Touch.
Und ja, Thomas Metzinger hat auch Recht in seinen Fragen zur neuen Ethik und Spiritualität: Wenn es keine Seele und kein Bewusstsein gibt, braucht es eventuell etwas Neues als Halt für die Menschheit. Das Buch ist erst einmal Desillusionierung. Wir sind aber mehr als nur Körper und Zellen und Materie, bzw. diese sind nur kondensiertes Bewusstsein. Glaube ich. Hmm, Zen-Geist ist gefragt. Mu.
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