Pergamon ist ein sehr nettes Spiel für Gelegenheitsspieler und Familien. Vielspieler werden unterfordert, weil die taktischen Anforderungen doch recht überschaubar sind. Aber das Spiel macht Spaß! Das Material ist haltbar und optisch sehr schön gestaltet. Klemens Franz (z. B. Agricola, Loyang) hat als Illustrator wieder ganze Arbeit geleistet.
Das Spiel läuft über zwölf Runden. In jeder Runde werden zunächst fünf Plättchen mit Fundstücken aufgedeckt. Es gibt antike Masken, Armreifen, Kannen und Vasen. Auf jedem Plättchen sind die Hälften von zwei verschiedenen Fundstücken abgebildet. Ein komplettes Fundstück ergibt sich daher erst, wenn man zwei passende Plättchen aneinanderfügt. Die Fundstücke werden in die Ausgrabungsstätte gelegt. Dabei gibt es fünf Ebenen. In der obersten (= ersten) Ebene finden sich die jüngsten Fundstücke, in der untersten (= fünften) Schicht, die ältesten. Es geht nun darum, Fundstücke auszugraben und zu einer möglichst wertvollen Sammlung zusammenzufügen. Je älter die kompletten Fundstücke sind, desto mehr Punkte bringt die Sammlung.
Jede Grabung kostet Geld. Je tiefer man graben möchte, desto höher sind die Kosten. Geld erhält man, indem man zu Beginn der Runde auf eine bestimmte Summe an Forschungsgeldern bietet, die anschließend verteilt werden. Interessant dabei ist, dass man beim Bieten nur ungefähr weiß, wie viel Geld in dieser Runde zur Verteilung ansteht. Erst nach dem Bieten wird die konkrete Summe bekannt. Es kann also sein, dass manche Spieler hier leer ausgehen, weil sie "überreizt" haben. Gleichzeitig mit dem Gebot wird der Umfang der Grabungslizenz festgelegt: Nur wer die entsprechende Berechtigung hat, darf auch in der jeweiligen Ebene (1 bis 5) nach Fundstücken graben. Hier ist gut zu überlegen, wohin man sein Gebot platziert: Nehme ich lieber weniger, aber sicheres Geld oder hoffe ich auf eine größere Summe, um dann in den tieferen Schichten graben zu können...
Nach der Grabung werden die Fundstücke zu möglichst wertvollen Sammlungen zusammengefügt. Dann kann jeder Spieler entscheiden, ob er seine Sammlung im Museum ausstellen will. Dafür gibt es sofort und bei verschiedenen Zwischenwertungen Punkte.
Mit jeder Ausstellung, die neu in das Museum kommt, werden die älteren, weniger wertvollen Ausstellungen für die Besucher uninteressanter. Sie rutschen dementsprechend auf der "Beliebtheitsskala" nach hinten und sind damit auch immer weniger Punkte wert. Auch nach jeder Zwischenwertung rutschen alle Ausstellungen nach hinten und werden nach und nach aus dem Museum entfernt. Nach der Schlusswertung werden auch noch die drei ältesten Fundstücke im Museum mit Punkten prämiert. Am Ende gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten. Nettes Detail: Die Siegpunkte werden in Form von Museums-Eintrittskarten vergeben.
Fazit: Zu einem relativ günstigen Preis erhält man ein wunderschön gestaltetes Familienspiel, welches das Thema Ausgrabung und Ausstellung recht gut einfängt und umsetzt. Sehr gut gemacht sind die Mechanismen beim Bieten auf die Forschungsgelder und Grabungslizenzen sowie beim Zusammenfügen der Fundstücke zu kompletten, möglichst wertvollen Sammlungen. Die Spielregel lässt keine Fragen offen, der Einstieg ist schnell gefunden.
Für Leute, die ein zugängliches und stimmungsvolles Spiel für Zwischendurch suchen, eine klare Kaufempfehlung. Für Vielspieler und Taktiker allerdings etwas zu leichte Kost.