Damals, 1971 und '72, gab es nur das erste, zweite und dritte Fernsehprogramm; und als da die Durbridge-Krimis liefen, über die wir heute wohl schmunzeln würden, waren das seinerzeit "Straßenfeger" wie sonst nur WM-Spiele. Und in einem dieser Mehrteiler hörte ich zum ersten Mal ein Stück von CAN. Ich hatte sofort eine Gänsehaut. "Spoon" war in Klang und Arrangement etwas ganz und gar eigenes, so nie gehörtes, es war hypnotisch und ging unter die Haut, und obwohl ich erst Jahre später die LP "Ege Bamyasi" hörte, erkannte ich es sofort wieder.
Nach und nach besorgte ich mir alles, was sie gemacht haben, und ich fand und finde noch immer fast alles großartig. Die unverkrampfte Leichtigkeit Jaki Liebezeits und der meist einfach angelegte, hypnotisierende Bass von Holger bildeten das magische Tragwerk für die minimalistischen, seltsamen Keyboards von Irmin (mal irrlichternd, mal als Rhythmusinstrumente), und die durch die Szenerie schwebende Gitarre von Michael Karoli.
CAN waren eine deutsche Band, die gar nicht nach "Deutsch-Rock" klang, und sie sind heute noch international sehr bekannt und geschätzt. Ihre Art, Platten zu machen, bestand aus meist langen Improvisationen (in ihrem "Inner Space"-Studio, einem ehemaligen Kino in Köln) die sie auf Band aufnahmen. Die interessantesten Teile aus diesen Sessions wurden dann von Holger Czukay meisterlich (und im wahrsten Sinne des Wortes) zusammengeschnitten. So haben CAN das Sampling & Editing schon längst vorweggenommen. Das diese Technik überhaupt angewendet werden konnte, ist vor allem Drummer Jaki Liebezeit zu verdanken, der sein metronom-artiges Timing auch über längere Zeiträume unbeirrt halten konnte.
CAN-Musik, das sind in der mehrzahl lange Stücke, die einen einfangen und mitnehmen auf eine soundabenteuerliche Reise, die man nie vergessen wird.
Nun habe ich fast den Gesang vergessen. Nun, der wurde im Lauf der Jahre von verschiedenen Stimmen bestritten (Zuerst Malcolm Mooney, dann Damo Suzuki, und schließlich sangen Michael Karoli und manchmal Irmin Schmidt.) Es blieb aber immer typisch CAN, und der Gesang erschien meist auch wie ein improvisierendes zusätzliches Instrument. Hier ist Damo Suzuki der Sänger, und ich finde, er war der beste (aber das soll gern jeder selbst rausfinden).
Jedem, der CAN can-nenlernen will, würde ich zuerst "Ege Bamyasi" zu hören geben, denn hier ist, neben ihrem einzigen Hit "Spoon", alles, was die Band und ihren Stil ausmacht, am besten präsentiert. Und wem diese Platte nicht gefällt, der braucht sich die anderen kaum anzuhören. Aber: wer "Ege Bamyasi" hört und begeistert ist, der kann sich getrost auch die anderen alle besorgen.
Ach so, und die Dose auf dem Cover sagt's ja: CAN muß nicht nur von "Können" kommen - es heißt eben auch "Konserve". Was eine Platte ja wohl ist. (In diesem Fall liebe ich Konserven!)