Die Edition aus dem Hause Klett, einem Schulbuchverlag, zielt auf Schüler ab und bietet zum Text gleich noch Material an, das ist bereits ein Lichtblick. Handlich, preisgünstig, insgesamt eine lohnenswerte Anschaffung. Wenn nicht die Schattenseiten wären:
Eine neue Rechtschreibung, Kritiker und Befürworter werden sich die Waage halten. Aber in einem Schulbuchverlag sollte man nicht so trennen: sieh-st (S.45).
Selbst einem hoch gebildeten Gymnasiasten werden Begriffe wie "Strumpfband-Austanzen", "Kavalkade" oder "Heliotropbeete" nicht zum Tageswortschatz gehören, weshalb ich die wenigen Anmerkungen im Text als glatt mangelhaft bezeichne. Vieles in einem realistischen Roman war eine detailreiche Darstellung der äußeren Welt um 1896, die uns heute in ihrem Wortschatz nicht geläufig ist und deshalb notwendig der Erklärung bedarf. Das wurde nicht geleistet und braucht das Internet oder ein weiteres Buch, um all die fehlenden Erklärungen zu bekommen.
Das Material im Anhang beginnt mit einem Foto, auf dem eine Kinderschaukel im Garten abgebildet ist, Einstieg ins Thema "Schaukel". Ein Gedicht von Dehmel folgt. Später folgt ein wissenschaftlicher Teil über das Schaukelmotiv, eine gute Zusammenstellung. Leider fehlt aber so viel: Das Chinesenmotiv, das als "Drehpunkt" Fontanes gilt, die Analyse der Sprache und überhaupt etwas über die Erzählhaltung und Perspektiven in diesem Roman. Über die Entstehung von Effi gibt es einige schöne Briefausschnitte von Fontane, die Darstellung der "echten" Geschichte, die Ausgang war, das ist gut gelungen, auch der Brief einer Schülerin an den Burdaverlag und die passende naive Antwort dazu amüsieren.
Viel Gutes, aber nicht ganz gelungen. Vielleicht kann der Verlag auch noch nachbessern. Effi Briest wird ja immer wieder gelesen.