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Oder aber man kommt aus der Ecke Patterns, Best Practices, Anekdoten und liest dieses sehr amüsant zu lesende Buch von Gernot Starke - das zugegeben eine Sammlung von Tipps und Best Practices ist und sich auch mal gut im Flugzeug auf dem Weg nach Hause vom Consulting Job lesen läßt und viel Spaß macht. Da hat das Buch auch ein Alleinstellungsmerkmal - staubtrockene theoretische Literatur zu dem Thema gibt massenhaft - wirklich gut zu Lesendes mit Praxistipps gibt's deutlich weniger.
Ob man's mag, hängt von der Zielgruppe ab:
* Leute, die an der Uni über das Wesen von Software-Architektur nachdenken, werden an dem Buch wenig Spass haben.
* Praktiker, die moderne, webgestützte Softwaresysteme bauen, werden nicht nur viel Spaß beim Lesen haben, sondern sehr viele wirklich nützliche Tipps finden'und gute Hinweise auf die zugehörige Pattern-Literatur finden.
* das Buch ist also auch und gerade für Leute geeignet, die in die Praxis der Softwarebranche einsteigen - wenn man dadurch auch nur einen teuren Fehler nicht macht, hat sich der Kaufpreis schon mehrfach amortisiert.
Wer sich bereits als Analytiker, Designer oder Projektleiter betätigt hat, wird daher vieles als gut bekannt und nicht unbedingt von revolutionärem Neuigkeitswert beurteilen, aber für Einsteiger in die Thematik werden die Ausführungen des Autors durchaus von einem gewissen Nutzen sein. Alles ist in angenehmem Stil und sehr verständlich beschrieben. Inhaltliche Kritik ist nicht anzubringen.
M. E. liegt der wahre Nutzen des Buches im Kapitel 6, "Architekturmuster und Architekturbausteine". Wäre das nicht gekommen, hätte ich das Buch wohl entäuscht beiseite gelegt, aber Kap. 6 bringt zahlreiche und vor allem konkret anwendbare Ideen und Lösungsansätze mit, die man nicht lange interpretieren muss. Während viele Konzepte oder Empfehlungen der Kapitel 1 bis 5 häufig in der Literatur zu finden sind (bzw. in eigenen Standardwerken wie "Entwurfsmuster" von der GoF in der gebotenen Ausführlichkeit dargestellt sind), bringt Kapitel 6 den echten Mehrwert! In kompakter Form werden Themen wie Persistenz, GUI-Gestaltung und die typischen Middleware-Aspekte besprochen. Aber auch hier wird beim Leser noch weiterführender Informationsbedarf bestehen. Dazu (und natürlich auch in den anderen Kapiteln seines Buches) gibt der Autor gute Literaturempfehlungen für vertiefende Recherchen an.
Fazit: ein sehr gelungener Einstieg, der alle relevanten Themen zumindest anreisst, praxisverwertbare "Bausteine" darstellt und mit den vielen Literaturtipps und Links auch weiterführende Recherchen unterstützt.
Fünf Sterne hätte ich gegeben, wenn ein Fallbeispiel oder Musterlösungen vorhanden wären, die die Architektursichten und -schichten konkret erläutert hätten. Das Buch hätte durchaus umfangreicher ausfallen können! Bei der Qualität des Inhalts kommt der Wunsch nach mehr eigentlich ganz von selbst.
Zuerst einmal ist der Titel irreführend. Dies ist kein klassisches Architekturbuch. Hier ist immer noch die erste Empfehlung Bass, Clements, Kazman "Software Architecture in Practice", obwohl es leider sehr umfangreich ist. Vielmehr tippt dieses Buch ein großes Sammelsurium wichtiger Probleme an, die vor allem im Enterprise Computing auftreten. Der Stil ist launig, im Allgemeinen nicht inkompetent. Alles ist unterlegt mit Anekdoten und Listen. Die ersten fünf Kapitel (123 Seiten) lesen sich flüssig. Das letzte Kapitel (88!!! Seiten) ist sehr uneinheitlich im Stil, oft ärgerlich und häufig nur stockend zu lesen. Dies ist auch kein Wunder, da es eher einem Kompendium von "auch interessant" gleicht und großenteils von einer Vielzahl von weiteren Autoren geschrieben wurde.
Ich warte immer noch auf das dünne Software Architektur Buch. Dem Autor wäre es durchaus fachlich zuzutrauen ein solches zu schreiben. Seine Qualität scheint durch dieses Buch immer wieder durch und ist auch deutlich in den Life Auftritten von Gernot Starke zu erleben.
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