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Bemerkenswertes Erstlingswerk dank Fleiß und Forscherdrang, 24. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Dr. med. Eduard Wirths und seine Tätigkeit als SS-Standortarzt des KL Auschwitz (Taschenbuch)
Der Arzt Dr. med. Eduard Wirths (1909 - 1945) entwickelte sich zu einer der Schlüsselfiguren der Vernichtungsmaschinerie in Auschwitz. Geboren in der Nähe von Würzburg trat noch während seines Studiums in die NSDAP, in die SA und später in die SS ein. Ab September 1942 wurde Dr. med. Eduard Wirths Standortarzt im Vernichtungslager Auschwitz. Der Häftling Hermann Langbein, ehemaliger Spanienkämpfer und aktiv im Lagerwiderstand, wurde dem Standortarzt als Schreiber zugeteilt. Langbein konnte seinen Einfluss auf Dr. Wirths für den Untergrund nutzen. Obwohl Wirths davon Kenntnis bekam, ließ er Langbein gewähren. Doch bis zuletzt bleib Wirths der treue Gefolgsmann des „Führers".
Ich zitiere aus Beischls abschließenden Überlegungen: „Es war wesentlich mehr als ein bisschen Opportunismus, was Wirths zum Nazi machte. Die Zweifel an der Richtigkeit deutscher faschistischer Politik kamen Wirths auch nicht etwa, als Deutschland einen Krieg begann, Polen, Frankreich und die Sowjetunion überfiel.
Erstmals, als er selbst direkt mit der Grausamkeit des Faschismus konfrontiert wurde, wurde nach eigenem Bekunden Widerwille wach. Im KL Dachau im Jahre 1942 und später in Auschwitz. Eine Niederlage Deutschlands ist ihm bis zuletzt eine schreckliche Vorstellung. Wirths wünscht sich kein Ende des Faschismus, er wünscht sich einen Faschismus, der besser sein sollte und - vor allem besser funktionieren sollte. Unter anderen Bedingungen, als den des Faschismus, wäre aus Wirths mit großer Wahrscheinlichkeit kein Massenmörder geworden. Es gilt, was der Häftling Tadeusz Borowski gesagt hat: Die Anklage gilt der unmenschlichen Situation, die das faschistische System bewirkte."
Ich bin mit der These Beischls, wenn er Dr. med. Eduard Wirths auf die Rolle des Rädchens in der reibungslos funktionierenden Vernichtungsmaschinerie verkürzt, nicht einverstanden. Ein derart reduktionistisches Menschenbild kann als Schuldabwehr missverstanden werden. Doch ideengeschichtliche Erörterungen über die Abgründigkeit des Bösen und das Drama der Freiheit sind Beischls Sache nicht; die Anstrengungen des Begriffs werden in diesem Kontext vermieden. Aus der Lektüre wurde für mich kaum erkenntlich, mit welchem ideologiekritischen Instrumentarium der Autor den Konflikt Individuum (Eduard Wirths) und Institution (faschistische Politik der Ausrottung und rassistisch motivierter Vernichtungskrieg des NS-Regimes) erkundet und erhellt. Der Begriff „Faschismus" meint, so denke ich, Entfesselung der Gewalt: Rassismus (u.a. Antisemitismus) und Krieg (Revisionismus und Lebensraum).
Fazit: Ein versierter Endredaktor oder Lektor hätte so manche stilistische Unebenheit geglättet und den mitunter etwas spröden Stil griffiger, lebendiger, lesbarer gemacht. Dennoch gilt: Ein bemerkenswertes Erstlingswerk. Fleiß und Forscherdrang von Konrad Beischl verdienen meine uneingeschränkte Anerkennung.
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