Koroliov ist ein technisch überlegener, ja virtuoser Pianist, kei Zweifel. Die "Goldberg-Variationen" verlangen allerdings einen Gestalter, der Bachs Kosmos von metaphysischen Symbolen auszudeuten versteht und diese Deutung in eine emotional und musikalisch überzeugende Darstellung umsetzen kann. Das kann auf sehr unterschiedliche Weise geschehen, wie etwa die Aufnahmen von Landowska 1933 & 1945-47, Gould 1955 & 1981, Maria Tipo, Huguette Dreyfus usw. zeigen.
Meiner Meinung nach gelingt Koroliov dies nicht - zu sehr ist er in der Sprache des 19. Jahrhunderts verhaftet, manche Variation spielt er im Dauerlegato durch, ohne eine erkennbare artikulatorische Absicht erkennen zu lassen. Wie gesagt: Gerade die virtuosen Variationen sind staunenswert bewältigt, doch ein Zyklus entsteht nicht, da Koroliov keine Brücken baut, kein Gesamtkonzept will oder kann. Schade.