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Edition Bachakademie Vol. 39 (Geistliche Kantaten BWV 122-125)

Bach-Collegium , Rilling , Johann Sebastian Bach Audio CD

Preis: EUR 14,33 Kostenlose Lieferung ab EUR 20 (Bücher und Blu-ray-Filme immer versandkostenfrei), auch bei allen Verkäufern, die "Versand durch Amazon" nutzen. Details
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Die vier Kantaten dieser CD entstammen alle dem Leipziger Choralkantaten-Jahrgang 1724/25 und gehören zu den meisterhaftesten Kompositionen Johann Sebastian Bachs überhaupt. Das Prinzip dieser Kantaten ist die Zugrundelegung eines Chorals, dessen Rahmenstrophen beibehalten werden, während die Binnenstrophen meist eine freie madrigalische Umdichtung erfahren, die die Vertonung als Rezitativ oder Arie ermöglicht. Während die abschließenden Strophen oft als einfacher vierstimmiger Choralsatz vertont sind, erhalten die Eingangssätze eine höchst kunstvolle Gestalt: In vielen Fällen bestehen sie aus einem instrumentalen und einem chorischen Satz, die, entwickelt aus ganz unterschiedlichen Motiven, in komplexer Weise übereinandergeschichtet werden. Bachforscher erkennen in dieser Art der Choralbearbeitung eine geniale Zusammenführung instrumentalmusikalischer und vokaler Gattungen, die einen einsamen Gipfelpunkt in der Musik der ausgehenden Barockzeit darstellt. Der Hörer dieser CD darf sich also bezüglich der hier versammelten Werke auf einen Kunstgenuss erster Güte freuen, denn bei Bach verbinden sich komplexe Anlage und überwältigende musikalische Schönheit stets in ganz ungezwungener Weise.

Allerdings garantieren die aufgenommenen Werke die Freude beim Hören nur zum Teil; einen wichtigen Beitrag leistet -- auch beim nahezu unverwüstlichen Bach -- die Interpretation. In diesem Punkt sei darauf hingewiesen, dass man es bei dieser CD mit "romantisierender" oder "konventioneller" Aufführungspraxis auf hohem Niveau zu tun hat. Helmuth Rilling, der in den Jahren 1970 bis 1985 das gesamte Kantatenwerk für die Schallplatte produzierte (vollmundig bezeichnet das Booklet diese Edition als "bis heute einzige Gesamtaufnahme" der Kantaten und lässt Harnoncourt/Leonhardt unter den Tisch fallen), verzichtete bewusst auf den Einsatz historischer Instrumente, behauptet darüber hinaus aber, sich stets um eine optimale Vermittlung der Musik bemüht zu haben. Leider hat er dabei wohl das Quellenstudium vernachlässigt, denn seine Aufführungspraxis ist, wenn auch in perfektionierter Form, der Bachstil der Sechziger Jahre.

Durchaus gefällig präsentieren sich die monumentalen Eingangschöre der vier Kantaten, wenn auch ihre Musik nicht in differenzierter Weise zum Sprechen gebracht wird. Die Instrumente legen eher Klangteppiche als zu artikulieren -- und dabei gäbe es in diesen Sätzen, in denen kein Ton zufällig ist, so viel auszugestalten! Manch Angenehmes kann man auch in den von Stars wie Helen Donath oder Arleen Augér vorgetragenen solistischen Sätzen hören. Der Bassist Niklaus Tüller singt die Bassarie aus BWV 122 "Das neugeborene Kindlein" sehr kultiviert, allerdings begleitet von einem starren Continuo mit dicker 16-Fuss-Besetzung und einem fortwährend Achtel hämmernden Cembalo. Nicht so gut trifft hingegen Aldo Baldin den Ton der Tenorarie "Und wenn der harte Todesschlag" aus BWV 124: Zwar ist von Furcht und Schrecken die Rede, vor allem geht es aber um Trost und Zuversicht, was in dem forcierten, aggressiven Gesang völlig untergeht. Kurzum: es gibt manche Ungereimtheit, die dem kundigen Hörer nicht gefallen wird, und viele Wünsche bleiben offen, aber insgesamt gesehen ist Rillings Stil, wenn man denn bei der konventionellen Musizierweise bleiben will, besser zu ertragen als Karl Richters Aufnahmen, die im selben Zeitraum entstanden sind: Richter, der in den Sechziger Jahren eher ein ähnliches Klangbild wie Rilling erzeugte, steigerte später seinen virtuos-romantischen Ansatz oft zu einer grellen, Martellato-artigen Tour de Force oder zu einem klebrigen Brei. Rilling hingegen blieb einer gewissen maßvollen Schlichtheit der Mittel treu. --Michael Wersin


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