Dies ist ein Deaver mit einem neuen Protagonisten. Corte arbeitet als Personenschützer, z.B. im Zeugenschutzprogramm, bei einem supergeheimen, öffentlichen, amerikanischen Arbeitgeber. Unnötig zu erwähnen, daß er natürlich einer der Besten ist und den Anspruch hat, alles superkorrekt und nach Lehrbuch (bzw. weitergegebenem Wissen seines Mentors) zu machen.
Zumindest anfangs...
Was sofort auffällt, ist die Ich-Perspektive, in der die Handlung erzählt wird. Schon beim ersten Satz hörte ich den typischen Film-Noir-Erzähler, der aus dem Off die Gedanken des Hauptdarstellers kund tut, im Kopf. Leider hatte ich dabei dann auch gleich die alten Schwarz-Weiß-Filme vor dem inneren Auge, was dann irgendwie mit der aktuellen Handlung kollidierte, die eben nicht in den 30ern spielt.
Ich konnte mich das ganze Buch über nicht damit anfreunden.
Während Deaver normalerweise mindestens zwei Handlungsstränge verwendet, z.B. einmal aus Täter und einmal aus Verfolgersicht, gibt es hier nur einen. Damit fällt aber seine übliche Taktik, die plötzlichen Wendungen dadurch zu Tarnen, daß man beim Lesen des einen Handlungsstrangs nicht erfährt, was im anderen gerade passiert, flach.
Also entsteht die Überraschung hier nur dadurch, daß danach kurz erklärt wird, was dem Leser vorenthalten wurde, damit die Überraschung funktioniert. Finde ich auch nicht so überzeugend.
Die vielen Wendungen und Überraschungen, die ja Deavers Markenzeichen sind, sind für geübte Deaver-Leser häufig zu erahnen, wie ich finde.
Nachdem ich gerade einige Baldaccis gelesen hatte und mich auf eine Pause von Superhelden, Agencies, Offices und Politfilz gefreut hatte, mußte ich dann auch noch feststellen - Pustekuchen! Funktioniert mit diesem Buch nicht. Ein Superheld und geheime Organisatonen in Wahsington D.C. und Virginia.
Dumm gelaufen...
Wer Deaver noch nicht kennt, sollte lieber mit einem Rhyme anfangen. Entweder am Anfang mit "The bone collector" oder meinem Favoriten "The broken window".