Da ist sie nun, die siebte Box. Keine Frage, dass ich mir die Filme gleich anschauen musste. Nachdem ja in Box 6 mit dem Buckligen von Soho die Farbfilmära eingeleitet wurde, hier nun die erste Box vollständig in Farbe. Enthalten sind die vier Filme der Rialto-Film aus den Jahren 1967-1968 und zwar:
Der Mönch mit der Peitsche (1967) - gerade mal zwei Jahre nach dem "Original" (Der unheimliche Mönch) bereits das Remake. War im "Original" noch deutlich das schauspielerische Element und die Geschichte um Gwendolin und ihr Erbteil im Fokus, wird hier mehr Wert auf Schockeffekte und Gruselstimmung gelegt mit vielen Schlangen, Alligatoren und einer apart aussehenden Uschi Glas. Zur Sache: Ein roter Mönch mordet rund um ein Mädchenpensionat mit einer Peitsche. Higgins und Sir John ermitteln und so stoßen sie auf die junge Ann Portland, die bald Erbin eines großen Vermögens wird. Haben der vorbestrafte Chemielehrer oder der "Autor" Mark Denver was mit den Morden zu tun ? Trotz einiger Ungereimtheiten, die hier offensichtlicher sind als bei anderen Wallace-Verfilmungen, ein Wallace-Film im guten Durchschnitt mit einem routinierten Joachim Fuchsberger als "Higgi" sowie Siegfried Schürenberg und Ilse Page als Sir John und Ms. Finley. Großartig. Auch Siegfried Rauch kommt hier zu einer, wie ich finde, sehr kurzweiligen, sehenswerten Nebenrolle. Hörenswert auch wieder Martin Böttchers Score.
Der Hund von Blackwood Castle (1967) - Der 25. Wallace ! Ein Grund zum Feiern, denkt man. Jane (Karin Baal), nun Erbin von Blackwood Castle, tritt ihr Erbe an und gleich wird ihr äußerst unheimlich zumute, denn ein riesenhafter Hund bläst zur Jagd auf Menschen. Irgendetwas stimmt also nicht. Wunderliche Gestalten wie der dubiose Douglas Fairbanks (sehr gut: Horst Tappert) melden Kaufinteresse an. Und auch Doc Adams (Alexander Engel) und Lord Beverton (Tilo von Berlepsch) benehmen sich äußerst eigenartig. Und was ist mit dem merkwürdigen Humphrey Connery (gut: Heinz Drache) ? Gelingt es Sir John den Fall aufzuklären ? Bei diesem Film bin ich etwas zwiegespalten. Die darstellerischen Leistungen sind im großen und ganzen gut und auch die Story weiß stellenweise zu gefallen, aber irgendwie ist das Gesamtbild nicht rund. Alles in allem ein mittelmäßiger Wallace, zumal der Stoff einfach auch schon besser verfilmt wurde mit Sherlock Holmes in der Hauptrolle. Alles in allem schade, dass Heinz Drache (der eine tolle Performance abliefert) und Siegfried Schürenberg (bis auf eine Ausnahme später) einen solchen Abschied von der Reihe bekommen.
Im Banne des Unheimlichen (1968) - Hier scheiden sich wirklich die Geister. Sir Oliver kommt bei einem Flugzeugabsturz um, aber ist er tot ? Denn auf seiner Beerdigung hört man ein lautes Lachen aus dem Sarg. Reporterin Peggy (hübsch anzuschauen: Siw Mattson) berichet im London Star von der "lachenden Leiche". Nach und nach kommt es zu mysteriösen Todesfällen, wobei alle Beteiligten mit einem geheimnisvollen Gift in einem Ring getötet werden. Vor allem Sir Cecil (klasse, auch wenn er wenig zu tun hat: Wolfgang Kieling) setzt der mysteriöse Mörder mit der Totenkopfmaske nervlich sichtlich zu. Wer ist der geheimnisvolle Mr.Scott (gut,aber im Vergleich zu den bisherigen Auftritten der schwächste: Pinkas Braun) ? Was führt Dr. Brand im Schilde ? Und weiß Schwester Adela (Claude Ferrell) mehr ? Gut an dem Film ist die fast durchweg hohe Spannung (einige Längen im zweiten Drittel sind allerdings nicht zu übersehen) mit vielen Verdächtigen und einer interessanten, wenn auch zur Nebensache geratenen Auflösung. Joachim Fuchsberger überzeugt als Macho wie immer sowie Hubert von Meyerinck als Sir Arthur zusammen mit Ilse Page als Ms. Finley ebenfalls. Herrlich anzusehen. Auch Siegfried Rauch als Dr. Brand ist glaubhaft und gut gespielt. Allerdings finde ich die Verkleidung des Mörders mit der Maske wirklich zu albern und mit der Maske von Peter Mosbacher alias Ramiro ist der absolute Tiefpunkt in Sachen Make-Up bei Wallace erreicht. Ramiro ist komplett grün angemalt und begründet dies damit, ACHTUNG, dass er aus Westindien/Kreolien stamme. Aha, da sind alle Menschen grün, interessant. Liegt auf der Hand. Später wird es mit der Addinsonschen Krankheit begründet, aber auch dann wäre grün (vor allem so ein schlecht geschminktes grellgrün) die falsche Wahl. An sich ist der Wallace aber in Ordnung. Sicher kein Meisterwerk, aber guter Durchschnitt. Zu bemerken ist noch die in einer Szene zum Schlus sehr stark abfallende Bildqualität. Hier wurde offenbar eine Szene aus sehr schlechtem Material hineingeschnitten. Daran sieht man, welch letzten Endes gutes Material für den Rest verwendet wurde.
Der Gorilla von Soho (1968) - Mr. Ellis, ein Millionär, ist tot. Eine Puppe mit der Aufschrift in einer fremden Sprache "Verbrechen, Mord, Ungeheuer, Gorilla" treibt daneben. Inspektor Perkins (ist mir etwas zu grob und unsympathisch in der Rolle: Horst Tappert) geht dem ganzen mit seinem Assistenten Pepper (eigentlich ein guter Darsteller, aber in der Rolle des lustigen Sidekicks, den Eddi Arent zur Perfektion trieb, leider völlig fehlbesetzt: Uwe Friedrichsen) und der Sprachexpertin Susan (Uschi Glas) auf Ermittlung. Bald stoßen sie auf die Organisation Love and Peace for People, geleitet von dem undurchsichtigen Henry Parker (sehr gut: Albert Lieven). Was führt er im Schilde ? Weiß der Ex-Sträfling Sugar (sehr gut als Flimmer-Fred (Harry Wüstenhagen im "Original") Nachfolger: Herbert Fux) mehr ? Und was hat das St. Marien Heim unter Aufsicht von der gestrengen Oberin (Inge Langen, sehr gut als Matronin) damit zu tun ? Der Gorilla von Soho ist ein Remake des auch erst sechs Jahre alten "Die Toten Augen von London" - und kommt trotz einiger sehr gelungener Parallelen (wie den teilweise wortwörtlichen Szenen mit Herbert Fux als Sugar/Flimmer-Fred) und den äußerst charmanten und hervorragenden Auftritten von Hubert von Meyerinck als Sir "Arssur" Arthur und Ilse Page als Ms. Finley nicht über ein unterdurchschnittliches Ergebnis hinaus. Bizarr anmutende Szenerien wie in dem Bodybuilder-Podest-Bordell und die mehr als schlechte Verkleidung des Mörders (im Vergleich zu anderen Bösewichten des Wallace-Universums) als Gorilla tragen zum schwachen Gesamteindruck bei. Auch weiß das Ermittlerduo Tappert/Friedrichsen nicht zu begeistern. Und die Täterauflösung ist zwar vorhersehbar, aber auch äußerst an den Haaren herbeigezogen. Alles in allem ein sehr schwacher, für manche der schwächste, Wallace, vergeblich aufgepeppt mit einigen unmotivierten Nacktszenen. Dennoch Daumen hoch für Hubert von Meyerincks Spiel.Und auch der Satz "Gehn wir nun Arser oder gehn wer nich'?" bleibt einem lange im Ohr.
Bild und Ton bei allen Filmen sind wirklich einwandfrei. Überall Deutsch und Englisch in DD2.0 mono (außer beim "Unheimlichen" nur deutsch), sehr klar und ohne hörbares Grundrauschen. Bild ist 1,66:1 (16:9 anamorph) wobei einige Male auffällt, dass oben etwas fehlt.
Als Extras enthalten sind wieder die interessanten Original Kinotrailer mit einem Jubiläumstrailer sowie ein Originalausschnitt von Neues vom Film: Der Mönch mit der Peitsche. Interessant! Der fünfte Teil des Interviews mit Eva Ebner ist ebenfalls dabei. Sehr sehenswert! Eine Fotogalerie rundet das Ganze ab. Als nettes Gimmick ist wieder ein 24seitiges Booklet enthalten mit zahlreichen Fotos, Produktionsnotizen und Zeitungsberichten zu den enthaltenen Filmen. Hier vielleicht eine Vermutung: Vieles in den Booklets der anderen Boxen bisher kam aus dem Buch "Hallo, hier spricht Edgar Wallace". Da das Buch aber gerade zu den enthaltenen Filmen nicht nur Gutes zu sagen weiß, wurde wohl von dieser Politik abgerückt. Wie gesagt, nur eine Vermutung meinerseits. Auch die A3 Drehpläne des "Hunds von Blackwood Castle" und des "Mönchs mit der Peitsche" sind enthalten.
Die Box selbst ist gut aufgemacht, mattschwarz, allerdings mit Reliefdruck des Schriftzuges "Edgar Wallace" und Glanzdruck der Bilder und Fotos. Sieht edel aus und Heinz Drache auf dem Rücken passt sich nahtlos in die anderen Boxen ein. Er hat sich es im Regal nun neben Klaus Kinski (Box 6) bequem gemacht.
Die DVD-Hüllen sind an sich sehr gut gestaltet mit Wendecovern und tadellosen, wellenfreien Hüllen, geraden INlays und einer schicken Umverpackung. Auch Bild und Ton wissen zu gefallen und man merkt die Restaurierung stellenweise deutlich. Das Bonusmterial weiß zu gefallen. Allerdings sind die enthaltenen Filme meines Erachtens nach keine unverzichtbaren "Must-Haves", vor allem der schlecht gelungene Gorilla von Soho und die selbst für Wallace-Filme krassen Logikfehler in den anderen Filmen. Dennoch für den Sammler und Liebhaber sicher ansehenswert. Als Einstieg in die Reihe nicht geeignet.
P.S.: Das FSK-Logo ist auf der Umverpackung FEST aufgedruckt. Die Einzelhüllen haben, wie gesagt, Wendecover.
Bitte beachten Sie auch meine anderen Edgar-Wallace-Box-Rezensionen.