Ich bin infiziert. Hatte ich mir zunächst die ersten drei Boxen zugelegt, die jeweils ihre Höhen und Tiefen hatten, konnte ich bei Box 4 einfach nicht widerstehen. Enthalten sind wieder vier Edgar-Wallace-Verfilmungen der Rialto-Film. Und zwar:
Der schwarze Abt (1963) - ein interessanter Wallace rund um den "schwarzen Abt" der in der Abtei Fossaway sein Unwesen treibt. Mittendrin ist Lord Chelford, der in unmittelbarer Nachbarschaft lebt und seit Jahren besessen nach dem Familienschatz der Chelfords sucht. Doch die Familiengeschichte der Chelfords birgt ein dunkles Geheimnis. Was hat der undurchsichtige Verwalter Fortuna (wie immer ein Highlight: Klaus Kinski) damit zu tun ? Gelingt es Dick Alford (Joachim Fuchsberger, wie immer gut) die unglückliche Leslie Gine (Grit Böttcher) zu retten? Und können Inspektor Puddler (finde ich nicht so stark: Charles Regnier) und sein Assistent Horatio (eine Augenweide: Eddi Arent) den schwarzen Abt stoppen ? Sicherlich nicht ein Glanzlicht der Serie finde ich den Film doch solide, auch wenn die Aufklärung etwas beiläufig geschieht. Sei's drum, ein guter Film.
Das indische Tuch (1963) - einer meiner absoluten Lieblinge. Lord Lebanon wird umgebracht. Um seinen missgünstigen Verwandten das Leben möglichst schwer zu machen, verfügt er testamentarisch, dass alle sechs Tage und Nächte unter einem Dach verbringen müssen. Natürlich bleibt das nicht ohne Folgen und da die Gesellschaft von der Außenwelt abgeschnitten ist, obliegt es dem Rechtsanwalt Tanner (einfach gut und mit einer ordentlichen Portion Selbstironie: Heinz Drache) den Sachverhalt aufzuklären. In diesem Film spielt abgesehen von Blacky Fuchsberger die Creme der Wallace-Besetzungen auf. Elisabeth Flickenschildt (Lady Lebanon), Klaus Kinski (als verkannter Künstler Peter Ross), Sigfried Schürenberg (bekannt als Sir John aus den anderen Wallace-Filmen) und Eddi Arent. Einfach hervorragend. ACHTUNG SPOILER: War für mich Dr. Staletti immer der unheimlichste der Bösewichte, ist Lord Lebanon jr. gespielt von Hans Clarin für mich der mit Abstand verstörendste Psychopath aller Filme. Super.
Zimmer 13 (1963) - ein etwas unbekannterer, aber nichtsdestotrotz äußerst guter Film. Die Story dreht sich um die Erpressung des Unterhausmitglieds Marney durch den Bandenchef Joe Legge, der einen großen Überfall auf eine Eisenbahn plant und daher Lord Marneys Hilfe benötigt. Druckmittel ist seine Tochter, Denise Marney (klasse: Karin Dor). Doch inmitten der Vorbereitungen mischt sich eine ominöse Mordserie mit einem Rasiermesser. Kann Johnny Gray (Joachim Fuchsberger), zusammen mit Dr.Dr.Higgins (Eddi Arent) den Fall klären ? Kannte ich den Film vorher nicht, gehört er mittlerweile zu meinen Top 10, auch weil Hans Clarin wieder dabei ist und toll spielt. Die Story macht Spaß, wenn auch untypisch für einen Wallace und das Ende ist eine Überrachung.
Der Hexer (1964) - DIE Perle der Kinoreihe. RA-Gehilfin Gwenda Milton wird ermordet. Leider war sie die Schwester von Arthur Milton, bekannt als "Hexer" der in Selbstjustiz Jagd auf Verbrecher macht. Daher entsteht ein Wettlauf mit der Zeit, damit Scotland Yard mit Inspektor Higgins (Blacky Fuchsberger), Inspektor Warren (Siggi Lowitz) und Sir John (S. Schürenberg) nicht nur den Hexer, sondern auch die Mörder Gewnda Miltons fangen. Undurchsichtig ist die Rolle des Journalisten Westby (Hein Drache) und des Kleinganoven Finch (Eddi Arent). Was hat der Chef Gwenda Miltons, Rechtsanwalt Messer (Jochen Brockmann in einer tollen Rolle) mit dem Ganzen zu tun ? Dieser Film gehört zweifellos zum besten, was auch den stark auftrumpfenden Protagonisten geschuldet ist und dass der eigentliche Verbrecher der Polizei doch nützlich ist. Also eine ansprechende Story mit vielen Verwicklungen, Masken, Täuschungen. Einfach ein ganz großartiger Film mit den besten drei Inspektorendarstellern der Wallacereihe in einem Film (Drache, Lowitz, Fuchsberger).
Diesmal gibt es im Gegensatz zu den Boxen 1-3 auch an den Einzelhüllen der DVDs nichts auszusetzen, tadellos, gerade geschnittene Inlays und wie bei allen Boxen mit Wendecover ausgestattet, dass der hässlich störende FSK-Aufdruch verschwindet. Toll mitgedacht von den Machern. Toll wiederum ist zudem die Box in der dann die Hüllen untergebracht werden. Sie ist sehr wertig, mit Reliefdruck des Namensschriftzuges "Edgar Wallace" und Glanzdruck der Bilder (das Schwarz der Box ist matt gehalten). Also sehr liebevoll und mit Liebe zum Detail gestaltet. Dazu gibt es weiterhin ein tolles etwa 23-seitiges Booklet mit zahlreichen Produktionsnotizen zu den einzelnen Filmen, die jedem Wallace-Fan interessante Details liefern werden. Klasse. Grandioserweise sind auch in A3 die Drehpläne des Schwarzen Abts und des Hexers enthalten.
Das Bild wurde digital überarbeitet und das merkt man. Ich habe es mal mit dem schwarzen Abt verglichen von dem ich eine Einzel-DVD besitze. Es ist zwar sicher kein Quantensprung aber das Bild wirkt ruhiger und weniger verschmutzt. Leider fehlt auch das dort enthaltene Bonusmaterial wie ein Exklusivinterview mit Martin Böttcher, eine Fotogalerie und witzige Goofs, also Filmfehler. Dafür gibt es historische Trailer und Wochenschauauschnitte, die sehr interessant sind, sowie eine allgemeine Fotogalerie mit interessanten Set-Aufnahmen. Das Bildformat ist 2,35:1 bei allen Filmen der Box.
Ton ist etwas "berauscht", aber gut und wie immer DD 2.0 Mono in Deutsch und Englisch.
An dieser Box gibt es (fast) nichts auszusetzen. Sicher hätte das Bonusmaterial üppiger sein können. Dieser "Mangel" trifft aber alle Boxen der Serie. Und ein "Fehler" ist auch Gert Fröbe auf dem Boxrücken, der in keinem der Filme in der Box mitwirkt. Aber dafür gebe ich bestimmt keinen Abzug.
Alles in allem eine absolute Kaufempfehlung.
P.S.: Das FSK-Logo ist auf der Umverpackung FEST aufgedruckt. Die Einzelhüllen haben, wie gesagt, Wendecover.
Bitte beachten Sie auch meine anderen Edgar-Wallace-Box-Rezensionen.