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Die erste Geschichte, die den Titel „Meine Arbeit ist noch nicht erledigt" trägt, ist ein Novum für Ligotti, denn sie überrascht den Kenner seiner Schriften durch die ungewöhnliche Länge von über hundert Seiten. Diesen Raum weiß er zu nutzen - Frank Dominio hat eine außerordentliche Erkenntnis: Selbstverwirklichung muss nicht durch die Arbeit geschehen. Eine einfache aber irgendwie gleichzeitig befremdliche Idee, die schon zeigt, wie anstößig das ganze Buch ist.
Dominio begeht damit natürlich quasi ein Verbrechen an seiner Firma und trotz seiner Versuche, seinen Stern durch übereifrige Aktivitäten und neue Projektideen wieder steigen zu lassen, kann er nur noch mit ansehen, wie seine Position und seine menschliche Würde konsequent und Stück für Stück demontiert werden.
Frank sieht für sein trostloses Dasein in einer trostlosen Welt schließlich keine Chance mehr - er schnappt sich seine Kreditkarte, kauft sich den obligatorischen schwarzen Mantel und eine ganze Waffenkammer voller Pistolen und Gewehre und zieht los, sich auf die einzige Art an seinen Peinigern zu rächen, die ihm noch geblieben ist. Auf dem Weg nach Hause wird er jedoch das Opfer eines Autounfalls und muss feststellen, dass ihm dieser unangenehme Zwischenfall in die Lage versetzt, noch viel härter und gnadenloser zurückzuschlagen, als es ihm vorher möglich gewesen wäre. Als eine Art untoter Racheengel zieht er gegen seine Feinde. Wer jetzt jedoch an einen Aufguss der „Krähe" denkt, könnte falscher nicht liegen, wir sind hier schließlich bei Ligotti!
Obgleich ich „Meine Arbeit ist noch nicht erledigt" keineswegs für die beste der drei Geschichten halte, ist sie doch unzweifelhaft die, die den stärksten Eindruck hinterlässt. Die überraschenden Wendungen, die sie mehrfach nimmt, die kafkaeske oder auch orwellsche Vision einer Welt, der wir uns bereits auf wenige Zentimeter angenährt haben und die starke Identifikationskraft der Hauptfigur ziehen den Leser unweigerlich in seinen Bann. Allerdings ist der erste Teil der Geschichte, der von dem alltäglichen Wahnsinn, Mobbing und den lieben, karrieregeilen Kollegen handelt in meinen Augen erheblich stärker, als der zweite Teil, der natürlich seinen eigenen Charme entfaltet, aber doch in erster Linie nur noch roh und brutal ist und dem die Subtilität des ersten Teils gänzlich abgeht. Tatsächlich hätte ich die Geschichte für ziemlich schlecht bewertet, hätte sie nicht dieses faszinierende Ende.
Ein weiterer Gedanke, der in der ersten Geschichte sicherlich am stärksten ist, aber auch in den anderen beiden zutage tritt, ist die hohe Bildkraft der Erzählung. Ligotti ist - seien wir ehrlich, im Gegensatz zu so verdammt vielen Autoren dieses Genres - ein Meister der Sprache und die so entstehenden Bilder wären in einem Comic oder einem Film vielleicht sogar besser aufgehoben, als in einem Buch. Eine Zusammenarbeit mit Neil Gaiman oder James O'Barr würde sicherlich zu einem höchst bemerkenswertem Ergebnis führen.
Die zweite Geschichte, „Ich habe einen speziellen Plan für diese Welt", ist bereits weit weniger gut zugänglich und kann keineswegs nur einmal gelesen werden. Während „Meine Arbeit ist noch nicht erledigt" unter anderem auch als Prosa sehr gut funktioniert, ist diese viel kürzere Erzählung auf Ligotti typische Weise codiert und ist ebenso sehr eine Kurzgeschichte wie ein Bilderrätsel.
Erzählt wird die Geschichte einer Firma, die nach Mordstadt umgezogen ist und sich nun mit dem merkwürdigen gelben Nebel auseinandersetzen muss, der die Stadt in seinem Würgegriff hält, sowie den beunruhigend hohen Mordraten, die der Stadt zu dem schauerlichen Spitznamen verhalf. Immer mehr Angestellte verschwinden und werden durch groteske Gestalten ersetzt, die allesamt eher Pennern, als leitenden Angestellten ähneln. Die Situation eskaliert, nachdem Umstrukturierungen und Expansionspläne bekannt gegeben werden. Die Auflösung ist ... sonderbar.
In der zweiten Geschichte begibt sich der Ligotti Leser wieder vertrautes Terrain. So kennen und lieben wir den Meister der Dark Fantasy aber auch die zweite Geschichte ist keineswegs der Höhepunkt, sie ist, wie gesagt, grotesk und verzerrt, sie hält uns einen allen einen Spiegel vor, indem man sich dennoch sehr gut wiedererkennt.
Mein persönlicher Favorit ist die dritte Geschichte, die den titelgebenden Namen „Geschäftsauflösung - Das Alptraumnetzwerk" trägt. Eigentlich kann man nicht mehr von einer Geschichte im engeren Sinne sprechen, sondern vielmehr von einer Kollage, einem literarischen Experiment, sozusagen Literatur ja, Geschichte nein. Die Handlung setzt sich aus absatzlangen Erzählungen, Werbeblöcken, Traumprotokollen und Memos zusammen und erzählt von der feindlichen Übernahme der Firma OneiriCon durch das Alptraumnetzwerk.
Diese mehr als groteske Montage, die natürlich mit dem totalen Chaos auf Erden endet, ist schlicht brillant und zeigt uns einen Underground Autoren auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Wirtschaft, so wie sie angelegt ist und derzeit betrieben wird, muss letztlich zum Untergang der Zivilisation führen, wie wir sie kennen. Eine Gesellschaft, die sich in einem System befindet, das endlich ist, kann logischerweise nicht unendlich wachsen.
Ligotti hat mit seinem „Alptraum Netzwerk" ein Buch vorgelegt, dass es in sich hat. Ob es ein gutes Buch ist, wage ich nach meiner ersten Lektüre eigentlich noch gar nicht zu beurteilen, es ist in jedem Fall ein Buch, das man nicht mal eben liest und sich dann ein neues nimmt: Die Nachwirkung der Lektüre ist enorm. Ligotti hat einmal in einem Interview gesagt, dass er nicht denkt, dass er jemals von seiner Schriftstellerei leben kann, dafür sei er zu abgefahren. Das stimmt wohl auf jeden Fall. Stephen King Fans werden auch mit diesem Werk wenig anfangen können, doch muss man schon ziemlich ignorant sein, um es einfach mit einem Achselzucken abzutun.
Sprachlich bewegt sich Ligotti auf allerhöchstem Niveau und man kann der Übersetzerin Monika Angerhuber nur gratulieren.
Ligotti ist einfach anders. Wer ihn kennt, wird das „Alptraum Netzwerk" längst im Regal zu stehen haben, wer ihn noch nicht kennt, der sei gewarnt: Leichte Kost bekommt er nicht, stattdessen anspruchsvollen und sozialkritischen Horror - mal ehrlich, wer hätte je von so etwas gehört?
In „Meine Arbeit ist noch nicht erledigt" sieht sich ein bisher unauffälliger Angestellter namens Frank Dominio unvermutet fiesen, kleinlichen Mobbing-Attacken aus seinem Kollegenkreis ausgesetzt. Dominio wird schnell klar, dass diese Demütigungen vom Chef nicht nur gutgeheißen sondern sogar gefördert werden. Nach einem seltsamen Verkehrsunfall zwischen Leben und Tod schwebend, bekommt das Mobbing-Opfer Dominio die Gelegenheit, ebenso grausam wie kreativ Rache an seinen ehemaligen Peinigern zu nehmen. Diese Geschichte - fast schon eine Novelle - ist sowohl vom Stil als auch von ihrer Länge eher untypisch für Ligotti aber trotzdem lesenswert!
Die Geschichte „Ich habe eine Plan für diese Welt" handelt von einer Firma, die ihren Sitz in die ständig von gelbem Nebel geschwängerte „Mordstadt" verlegt hat. Nach dem Umzug in diese Stadt, die vorher zu Publicity -Zwecken umbenannt wurde in „Goldene Stadt", wird die Anzahl der leitenden Angestellten nach und nach auf mörderische Art und Weise dezimiert. Die freigewordenen Stellen besetzen jetzt zwielichtige Gestalten, die zudem wenig qualifiziert scheinen. Das Debakel erreicht seinen gespenstischen Höhepunkt nach einer Umstrukturierung der Firma.
Die dritte Geschichte „Geschäftsauflösung - Das Alptraum-Netzwerk" ist keine zusammenhängende Geschichte sondern eine Furcht einflößende Text-Collage über eine Welt, in der Computer und Informationstechnologien bereits die Herrschaft übernommen und einen globalen Megakonzern aufgebaut haben. Menschen sind hier bestenfalls nur noch Erfüllungsgehilfen der undurchsichtigen Ziele und Zwecke dieses wie ein Krebsgeschwür wuchernden und alles verschlingenden Alptraum-Netzwerkes.
Letztendlich ist auch die Übersetzung von Monika Angerhuber zu loben, die Ligottis abgründige Metaphern und Bilder mit viel Sprachgefühl übersetzt hat.
In „Meine Arbeit ist noch nicht erledigt" sieht sich ein bisher unauffälliger Angestellter namens Frank Dominio unvermutet fiesen, kleinlichen Mobbing-Attacken aus seinem Kollegenkreis ausgesetzt. Dominio wird schnell klar, dass diese Demütigungen vom Chef nicht nur gutgeheißen sondern sogar gefördert werden. Nach einem seltsamen Verkehrsunfall zwischen Leben und Tod schwebend, bekommt das Mobbing-Opfer Dominio die Gelegenheit, ebenso grausam wie kreativ Rache an seinen ehemaligen Peinigern zu nehmen. Diese Geschichte - fast schon eine Novelle - ist sowohl vom Stil als auch von ihrer Länge eher untypisch für Ligotti aber trotzdem lesenswert!
Die Geschichte „Ich habe eine Plan für diese Welt" handelt von einer Firma, die ihren Sitz in die ständig von gelbem Nebel geschwängerte „Mordstadt" verlegt hat. Nach dem Umzug in diese Stadt, die vorher zu Publicity -Zwecken umbenannt wurde in „Goldene Stadt", wird die Anzahl der leitenden Angestellten nach und nach auf mörderische Art und Weise dezimiert. Die freigewordenen Stellen besetzen jetzt zwielichtige Gestalten, die zudem wenig qualifiziert scheinen. Das gespenstische Debakel erreicht seinen Höhepunkt nach einer Umstrukturierung der Firma.
Die dritte Geschichte „Geschäftsauflösung - Das Alptraum-Netzwerk" ist keine zusammenhängende Geschichte sondern eine Furcht einflößende Collage über eine Welt, in der Computer und Informationstechnologien bereits die Herrschaft übernommen und einen globalen Megakonzern aufgebaut haben. Menschen sind hier bestenfalls nur noch Erfüllungsgehilfen der undurchsichtigen Ziele und Zwecke dieses wie ein Krebsgeschwür wuchernden und alles verschlingenden Alptraum-Netzwerkes.
Letztendlich ist auch die Übersetzung von Monika Angerhuber zu loben, die Ligottis abgründige Metaphern und Bilder mit viel Sprachgefühl übersetzt hat.
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