„Der Venedig-Berlin-Zyklus" ist der Untertitel dieser Kurzgeschichtensammlung von Markus K. Korb, die in der vom Blitz-Verlag neu gestarteten Reihe „E.A.Poes phantastische Bibliothek". Der Anspruch soll sein, eigenständige Geschichten im Sinne Poes und/oder mit poeschen Motiven zu erzählen. Dies ist Autor Korb durchaus gelungen. Es regieren Verfall, Realitätsverlust und das Spiel mit Sein und Schein. Es wird ein blindes „Geierauge" aus Poes „Das verräterische Herz" zitiert, Zwerge, die von der Decke eines venezianischen Palastes baumeln („Hopp-Frosch"), die selbstvergessene Liebe zu einer Verstorbenen, usw. Korb versucht keineswegs Poe zu imitieren; er erzählt Geschichten, die modern und originell sind.
Auch bilden die Geschichten, wie der Untertitel schon andeutet, eine geschlossene Einheit (Eddie Angerhuber hat hier im Nachwort interessante und aufschlussreiche Parallelen aufgezeigt) und man kann behaupten, dass dadurch die Gesamtheit mehr als die Summe der Teile ist. Ein beispielhaftes Konzept.
Auch sehr schön ist, dass mit Eddie M. Angerhuber eine Poe-Kennerin (und Berlin-Bewohnerin) für das Nachwort gewonnen werden konnte. Was wäre denn passender?
Das Aüßere des Buches ist, obwohl es „nur" ein Paperback ist, sehr gelungen. Der BLITZ-Verlag ist sich wohl der momentan doch eher schmalen Geldbeutel bewusst und versucht gar nicht erst, hier eine Hardcoverreihe zu etablieren. Auch ein allgemeines Lob an den Verlag dafür, dass hier deutsche Autoren in ansehnlicher Aufmachung präsentiert werden. Diese stehen ja leider immer noch zu oft im Schatten ihrer englischsprachigen Kolleg/innen.