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Bei „Die Maske des roten Todes" handelt es sich in meinen Augen um den bisher gelungensten Teil der ersten vier CDs in dieser Poe-Reihe vom Lübbe-Verlag. Der Traum kommt der Original-Erzählung Edgar Allan Poes näher als seine Vorgänger. Die gesamte Handlung, Stimmfärbung der Sprecher, Musik sowie Geräuschkulisse sind von 1A-Qualität. Da nach wie vor die Identität des unter Amnesie leidenden Poe nicht geklärt ist, bleibt die Spannung darüber hinaus weiter bestehen und die Neugier auf den fünften Teil wurde somit erfolgreich geweckt. Außerdem stellt sich zunehmend die Frage, welches Ziel Tempelton eigentlich verfolgt. Warum reist ein viel beschäftigter Arzt seinem Patienten nach?
Da die Handlung eines jeden Teiles in sich geschlossen ist und zu Beginn des Hörspiels stets kurz der bisherige Leidensweg von Poe selbst skizziert wird, setzt das Verstehen dieser CD nicht unbedingt das Kennen der ersten Teile voraus.
Poe verlor seinen Bruder Henry, einen Alkoholiker, und seine Frau Virginia an Tuberkulose. Auch seine Mutter stirbt ganze zwei Jahre nach Poes Geburt an Schwindsucht. Günter Kunert hat die vorliegende Erzählung zu recht als Erzählung gedeutet, die von omnipotenter Rachelust gekennzeichnet seien. er zielt kaum verborgen auf die "gute Gesellschaft" des Südens, der Poe vorübergehend angehörte und doch - so Kunert - nicht angehören durfte; "die er verinnerlicht hatte und gleichzeitig verachtete."
Die Gleichgültigkeit der regierenden Oberschicht gegenüber den "Erniedrigten und Beleidigten" (um den Titel eines Kurzromans von Dostojewski auf diese Erzählung anzuwenden) wird eindrucksvoll demonstriert. Auch Fürst Prospero und seine Hofgesellschaft wird das Schicksal ereilen...
In dieser hervorragenden Adaption wird insofern über die Erzählung hinausgegangen, als sie definitiv mit dem Schicksal des Autors, Poe, verknüpft wird. Dieser befinde sich auf einer Schiffsreise, als er in einen Wachtraum versinkt und die Ereignisse erlebt. Die Präsenz des Unterbewußten in Poes Erzählungen hat es immer gegeben; in dieser Geschichte wird dies besonders deutlich; elementare menschliche Gefühle wie Angst und Rache sind zentrale Motive gerade dieser Erzählung.
Ulrich Pleitgen setzt dieses meisterhaft als Ich-Erzähler um; auch die weiteren Schauspieler tragen zu der düsteren Atmosphäre bei, die diese Hörspiel-Adaption vermittelt. Auch die passend eingesetzten Hintergrundgeräusche samt Musik erklären die Wirkung dieses hervorragenden Hörbuchs. Störend wirkt meines Erachtens der Schlußsong des bekannten deutschen Popstars Heinz Rudolf Kunze, doch dies ist rein subjektiv. Insgesamt sind Atmosphäre und Intensität dieses Meisterwerks sehr gut umgesetzt. Dies gilt ebenso für die weiteren erschienen Hörbücher ("Der Untergang des Hauses Usher", "Die schwarze Katze", "Die Grube und das Pendel"), die ebenfalls meisterhaft umgesetzt worden sind. Daher unbedingt hörenswert. Für mich gehören diese Hörbücher zu den besten des Jahrzehnts.
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