Kurz zur Fassung dieses Films: Diese hier erhältliche deutsche Veröffentlichung ist um gut zwei Minuten geschnitten.
Ich werde nicht sie sondern die Filmische Qualität der Uncut- Fassung bewerten.
Sie bekommen diese problemlos über Österreich. Tun Sie sich also diese Bevormundung durch die deutschen Jugendschützer nicht an sondern greifen sie gleich zu der Unrated Fassung.
"ES SIND DOCH NUR KINDER"...so wird einer der letzten Sätze im Film lauten, und hinter dem Zuschauer liegen dann 90 Minuten, die in ihrer gnadenlosen Präsenz sprachlos machen.
Als erklärter Horrorfilm- Liebhaber muß ich eines sagen: Dieser Film ist eine Naturgewalt.
Noch mehr getroffen hat mich nur das Meisterwerk "Martyrs", welches eine andere Ausgangssituation hat aber noch schockierender ist.
"Eden Lake" ist ein Film über die grausame Sinnlosigkeit von brutalster Gewalt, ein schockierender, hoffnungsloser Blick in die schwärzeste menschliche Seele, nervenzerfetzend und tagelang im Gedächtnis nachwirkend.
Die Banalität des Bösen, das Sterben, die Folterqual so unglaublich niederschmetternd und ernsthaft dargestellt, wie es wirklich selten zu sehen ist.
Lieber Interessent, das ist kein Spaß: "Eden Lake" ist vielleicht DER Terrorfilm überhaupt, der zubeißt, pure Angst macht ohne einen Rettungsanker anzubieten und der einen nachhaltig in seinem Weltbild verstören kann.
Das ist nicht übertrieben, und selbst ich mußte dreimal schlucken und hatte lange an dem so dämonisch gut inszenierten Werk zu knabbern.
Was macht diesen Film gegenüber anderen Werken jetzt so furchterregend.
Der eigentlich doch noch sehr zurückhaltende Blutgehalt kann es nicht sein. Vielmehr ist es der psychische Terror, die kompromisslose Thematik an sich die einen an der Kehle packt.
"Eden Lake" bietet keine irgendwie geartete Rückzugsmöglichkeit, lässt keine Gnade walten, keine Distanz können wir zu ihm aufbauen. Dieses Martyrium könnte theoretisch jederzeit auch uns passieren!
Das alltägliche Paar, das einen harmlosen Campingurlaub geniessen will sind wir selbst in unserer Alltäglichkeit und Bürgerlichkeit. Das Pech, daß wir im realem Leben einem psychopathischen Killer mit Menschenhaut-Maske begegnen ist für uns doch sehr gering, daß wir selbst Opfer der ausgeklügelten Foltermethoden eines Jig-Saw Killers werden ebenfalls und wenn es für uns als Zuschauer in einem Film wirklich hart und unangenehm werden sollte, siehe zum Beispiel in dem ungefähr zeitgleich erschienenen auch wahnsinnig guten "I spit on your Grave" wissen wir hier zu unserer Beruhigung eins:
Mögen die Vergewaltigungsszenen auch noch so hart sein, die erlösende Katharsis folgt durch den Rachefeldzug des Opfers. Das Konto ist quasi ausgeglichen, eine irgendwie geartete Gerechtigkeit und Vergeltung findet statt.
Doch in "Eden Lake" wird es keine Gerechtigkeit geben. Der Film läßt uns in absoluter Verstörung, Wut und schreiender Hilflosigkeit zurück.
Genau das ist es was ihn so unerträglich macht.
Der alltäglich banale Schrecken findet eben sehr oft keine Vergeltung und macht einfach nur sprachlos.
In Berlin wird ein Obdachloser totgetreten, in der U- Bahn ein Passant zu Tode geprügelt. Einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Schlagen sie die tägliche Zeitung auf und sie finden den Schrecken aus dem sich ein Film wie "Eden Lake" so nachhaltig speist.
Ein Schrecken der, im tiefsten Inneren wissen wir es, für uns alle jederzeit real werden kann.
Schon heute abend wenn sie in die U-Bahn steigen, oder mit ihrer Partnerin nach einem Theaterbesuch im Parkhaus auf ebensolch eine Gruppe Gewalttäter treffen.
Wie oft haben sie auch vielleicht nur beobachtet wie andere in missliche Lagen gerieten, wie ein Fahrgast einfach nur durch eine Gruppe von Rowdys angepöbelt und belästigt wurde.
Ob Opfer oder auch nur Zeuge im Hintergrund; sie können jederzeit in solche Situationen geraten, in denen ihnen vielleicht nur Sekunden-Bruchteile bleiben zu reagieren.
Sicherlich eines der schlimmsten Szenarios die man sich vorstellen kann.
Grenzüberschreitungen, Beleidigungen, Demütigungen, Hilflosigkeit, Kontrollverlust, körperliche Gewalt.
All das kann jederzeit vor unseren Augen passieren, und geschieht auch.
Nicht eine Horde übernatürlicher Zombies wird uns bedrohen sondern zum Beispiel eine verrohte, gnadenlose menschenverachtende Jugendgang die vielleicht gerade heute abend mit ihnen zusammen in der U- Bahhn fährt.
Und sie werden genauso hilflos und überfordert reagieren, wie unser Pärchen im Film, werden aufrund ihrer bürgerlichen Sozialisation versuchen Sachen gütlich zu regeln, an die Vernunft appellieren und ausgeliefert sein, ganz einfach weil sie gar nicht einschätzen können in welchen Denkstrukturen, Welten ihr Gegenüber tickt.
Alle Kommentare, in diesem Forum: Ich hätte ja ganz anders gehandelt, vernünftiger, zeugen von einer Unfähigkeit sich in diese Lage zu versetzen und einer Arroganz, die letztendlich diesen Zuschauern die einzige Möglichkeit bietet diesen grausamen Film für sich selbst innerlich in seiner Wirkung abzuschwächen um ihn überhaupt ertragen zu können.
Wie kann so eine Spirale entstehen heutzutage. Schauen sie auf ihre eigenen Erfahrungen.
Hier ist es das Paar, das einfach etwas für sich sein will. Eine Jugendgang lagert sich neben sie, pöbelt, schreit in ihrer heute häufig zu beobachtenden Debilität in der Gegend herum, laute Musik ist auch dabei, Mädels vor denen man(n) sich profilieren will, Gruppenzwänge, ein Kampfhund trabt unangeleint um die Gruppe herum, Grenzüberschreitungen, Verachtung gesellschaftlicher Spielregeln schon hier in jeder Sekunde.
Auf die höfliche Nachfrage des Mannes, doch wenigstens die Musik etwas leiser zu stellen, folgt bereits hier eine Kanonade bedrohlicher, übelster Beschimpfungen . Kommt uns das nicht bekannt vor?
Natürlich wird sich dieses Szenario nicht zwangsläufig in blutigster Gewalt entladen, weiter eskalieren. Aber es ist möglich.
Schlagen sie die Zeitung auf.
Der Film wird sich in seiner Schonungslosigkeit bis zum Äußersten steigern, und wenn der Mann schwerverletzt an den Baum gefesselt ist und jeder der Minderjährigen mit einem Taschenmesser sich ein Stück Fleisch aus seinem Körper herausschneiden darf, wird dies natürlich um die Perfidie noch zu steigern alles noch witzelnd von einem Mädchen der Gruppe gefilmt.
DIE HÖLLE.
Entsetzlich, schockierend gut ist der Film in seiner Schauspielerleistung, in der Authentizität, in der Hoffnungslosigkeit, gemacht. Sterbend wird der Mann seiner Freundin noch den Verlobungsring geben, den er in der Tasche hatte, eine Szene die sprachlos macht, nicht aufgesetzt sondern vollkommen verstörend.
Der Ring, ein Relikt aus einer unbeschwerten Liebe, die vielleicht vor ein paar Stunden noch Bestand hatte, innerhalb kürzester Zeit beiläufig durch zerstörrerische, qualvolle, brachiale Gewalt aber in den Morast getreten wurde.
Nie wieder wird es jemals so sein wie es war.
Wenn man die Qualität eines Films danach beurteilt welche emotionalen Reaktionen er beim Zuschauer hervorruft, wieviel Angst, Wut, Trauer, Fassungslosigkeit;auch nachhaltige lange Diskussionen (auch und gerade über heutige Jugendgewalt), dann ist "Eden Lake" in seiner Wucht nicht zu übertreffen.
Eine Grenzerfahrung.
Wobei ich nicht glaube, daß der Film die direkte Intention hat Jugendgewalt oder soziale Mißstände zu thematisieren.
Er ist einfach ein Blick in das absolute, alltägliche Böse, und wie es uns wie ein Blitz treffen kann und wo könnte dies schockierender wirken als in einem harmlos erscheinenden Kindergesicht.
Fazit: Eine entsetzliche Grenzerfahrung, ein Film der das eigene Weltbild zutiefst erschüttern kann, härtestes Terrorkino, hoffnungslos ,vielleicht noch am ehesten mit Hanekes "Funny Games" vergleichbar.
Beten wir darum, daß diese 90 Minuten oder etwas Vergleichbares niemals für uns selbst Realität wird, sondern eine Fiktion, ein filmgewordender Alptraum aus dem es aber ein Erwachen gibt, bleibt.