Kochen ist Kunst, und Künstler benötigen Musen. Diese Erkenntnis motivierte Michael Hofmann dazu, 2006 mit der 28-jährigen Muse Charlotte Roche eine kleine, aber feine Dreiecksgeschichte um Haus und Herd zu entwickeln.
Wer wäre anfälliger für die Sinnlichkeit als der Schöpfer der "Cucina erotica" höchstpersönlich? Doch eigentlich hat er wegen seines stolzen Gewichts der fleischlichen Liebe entsagt und vergnügt sich schon mal lieber mit Stierhoden; Gregor (Joseph Ostendorf, 50) betreibt ein wirklich besonderes Restaurant, in welchem abendlich an drei Tischen eine Handvoll Gäste für drei Scheine pro Gaumen nach einem halben Jahr Wartezeit genießen dürfen, was ihnen vermutlich in gewöhnlichen Sternerestaurants versagt bleibt: Sinnengenüsse, die aus einem einfachen einen doppelten Höhepunkt zaubern könnten, wie die Kellnerin Eden mit verträumten Augen feststellt.
Nach einem zufälligen Kennenlernen und Kosten wird Eden regelrecht süchtig nach Gregors Köstlichkeiten. Bald rückt die Dame mit dem schönen Namen des Paradiesgartens dem beleibten Gregor auf den Leib. Tatsächlich gelingt es ihr schließlich, zusammen mit ihrem behinderten Kind jeden Dienstag von Gregor bekocht zu werden.
So viele Erregendes verändern das Leben zum Positiven. Zunächst sind alle glücklich. Sogar die Ehe Edens blüht wieder auf. Der Tanzlehrer und Gatte Xaver (Devid Striesow, 33) entwickelt noch einmal Spuren von Sensibilität, wird fast wieder zu dem, in den sich Eden einst verliebt hatte. So bleibt nicht aus, dass die angeblich unfruchtbare Eden wieder hoffen darf.
Doch in dem kleinen Schwarzwälder Kurort wird darüber geredet, wie sich Eden einmal die Woche den Gaumen befriedigen lässt. Nicht ganz zu Unrecht: Auch Gregor scheint nicht mehr damit zufrieden zu sein, nur Eden glücklich zu sehen. Xaver wird wütend, weil seine Saufkumpane sich über ihn lustig machen. Die Dinge laufen aus dem Ruder...
Die kleine Geschichte ragt aus der Masse heraus, weil es Hofmann gelungen ist, optimal zu besetzen und Personen samt ihrer Umgebung liebevoll herauszuarbeiten. Königlich der gescheiterte Anwalt und unlockere Seniorentanzlehrer Devid Stiesow, dem der verklemmte und gewaltbereite Spießer geradezu auf den Leib geschnitten ist. Fein zurückhaltend kommt die sonst so extrovertierte Charlotte Roche und zeichnet sensibel und bei aller Exotik erstaunlich glaubwürdig ihre späte Märchenprinzessin in der frühen Verkümmerung ihres Lebens. Perfekt liefert Josef Ostendorf den Koch aus Leidenschaft und Lebenszweck, deftig und ungestüm bis zum Widerlichen, aber auch zaghaft und verstört in seiner unglücklichen Liebe.
Wieder einmal weit weg von den Niederungen des "großen Kinos" ist eine entzückende Perle gereift. Die Bildqualität der DVD bewegt sich leider eher im mittleren Bereich. Dafür machen die gelegentlichen Beispiele der Edelküche ausgesprochen an.