Die 1938 in Berlin geborene Sopranistin Edda Moser war in den 60er und 70ern Jahren einer der großen Stars der Gesangsszene, die auch heute noch eine große Schar von Anhängern hat. Als einen ihrer Höhepunkte sieht sie die Rachearie der Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte an.
Für die Fans dieser Grande Dame des Gesangs ist nun kostengünstig eine Sammlung mit Mozart-Aufnahmen erschienen, die Sie in einer nur wenig teureren Ausgabe auch als
Doppel-CD erhalten können. CD2 erhält ein großes Interview mit der Künstlerin.
Allen Fans von Frau Moser viel Spaß mit dieser CD. Sie sollten auch besser einfach nicht weiterlesen.
Ich persönlich kann die Begeisterung für Edda Moser nämlich leider nur sehr bedingt, um nicht zu sagen: gar nicht nachvollziehen. Ihre Stimme gefällt mir einfach nicht. Ihr Timbre hat, jedenfalls sofern diese Aufnahmen das technisch rüberzubringen vermögen, zu wenig Feinheiten. Ihr Ausdruck scheint mir rein von der Stimmgewalt und Kraft zu leben. Höre ich sie z.B. "Martern aller Arten" aus der "Entführung aus dem Serail" singen, so höre ich zwar zugegebenermaßen die, je nach Lesart, durchaus nicht unpassende Verzweiflung, Wut und Entschlossenheit, aber es klingt einfach nicht schön. Die Koloraturen sind ziemlich grob gezeichnet und als reinen Wutausbruch möchte ich diese Arie nicht hören. Höre ich da meinethalben Diana Damrau oder meine Favoritin Arleen Auger, so entdecke ich einfach viel mehr Feingefühl, eine für meinen Geschmack feiner eingesetzte (oder wirklich bessere) Technik.
Das betrifft z.B. auch die berühmte Rachearie der Königin der Nacht. Ich muss Frau Moser zugute halten, dass so manches Stimm- und Technikwunder, das diese Arie gesungen hat bisweilen fast an der Rolle vorbeisingt. Da wird abschnittsweise doch etwas arg wohlklingend dargeboten, was eben mit "Rachearie" überschrieben ist. Edda Moser hingegen bringt das Fiese dieses Charakters herrlich rüber. Auch ist sie der legendärsten aller Koloraturen locker bis in die höchste Höhe locker gewachsen. Respekt dafür, aber es klingt mir einfach insgesamt zu derb. Es bleibt eine Mozart-Arie und sie braucht Stimmschönheit. Die finde ich hier nicht.
Wie ist es mit innigeren Stücken? Als Beispiel sei das Laudate Dominum genommen. Hier drückt Frau Moser nicht so dick auf und es klingt dadurch auch etwas schöner, aber das innig-intime dieses Liedes vermag sie nicht zu transportieren.
Mit den anderen aufgenommenen Stücken habe ich ähnliche Probleme.
Ich kann also demjenigen, der kein Moser-Anhänger ist hier eigentlich nicht zum Kauf raten. Hinterfragen muss ich mein Urteil natürlich auch hinsichtlich dessen, inwiefern die Aufnahmen zu alt sind, um den heutigen Hörerwartungen, die durch so manche technisch aufwendig produzierte Hochglanzproduktion "versaut" sind gerecht zu werden. Sopransängerinnen haben es dabei sicherlich überdurchschnittlich schwer, weil gerade Höhen in der alten Aufnahmetechnik nicht optimal transportiert wurden. Hier vermag wohl auch eine noch so gute Restaurierung nur bedingt Abhilfe zu leisten. Das sei eingestanden, aber ich kann letztlich nur bewerten, was ich zu hören bekomme und das bringt mir keine Freude.
Alle Moser-Fans, die doch weitergelesen haben und deren Gefühle ich hier verletze bitte ich um Entschuldigung, allen, die einfach überlegen, ob sich hier nicht ein schönes Mozart-Album günstig erwerben lässt möchte ich mit auf den Weg geben, dass sie überlegen sollten, welche Art von Mozart-Produktionen sie sonst mögen. Wer viel alte Aufnahmen, vielleicht gar noch von Schallplatte hört mag sich vielleicht weniger an dem von mir kritisierten stoßen. Ansonsten rate ich ab.
2 Sterne werden bei Amazon mit "I don't like it" übersetzt und das ist bei mir hier der Fall.