Höhöhö, ja so isses. Und ich bin ein Fleischfresser, der zünftige Steaks mag, ein Sachse, der Bockwurst mit Kartoffelsalat verehrt.. ach ja, und ich bin heterosexuell und das ist auch gut so. So, jetzt aber jenuch der peinlichen Elogen à la Wowereit.
Es war Liebe auf den ersten Blick. Bellas leidenschaftsloser drogenvernebelter Blick von einem Plakat herab hatte mich schon in Twilight I unheilbar behext. Spätestens bei den drei Trendsetter-Spitzzähnchen Feuerlocke, Hip-Hop-Vamp und James Blond, die auf einem Fließband mit schnuffigen Wölkchen herangeschwebt kamen, und eine Partie Vampirbaseball verdelten, war ich Twilight & Konsorten rettungslos verfallen.
Jaja, Twilight. Das bringt uns zum hiesigen Filmchen. Selten so einen unfreiwillig komischen Unfug gesehen - selbst bei Hangover habe ich nicht ansatzweise so viel und laut gelacht. Und doch, Twilight hat seine Faszination für mich, wie jeder Hype um ein grottenschlechtes Werk, das nichtsdestotrotz Millionen zu paralysieren weiß. Warum eigentlich? Warum dreht sich das ganze wonnigliche Filmchen eigentlich um diese unscheinbare dumme Gans namens Bella? An der ist doch nichts dran, oder?
Esel ich! Da stelle ich mir die halbe Zeit diese Frage und habe damit die halbe Zeit die Antwort vor Augen: Ein unscheinbares dummes Ding - von einem tadellosen Gentleman hofiert und einem kernigen Naturburschen verehrt. Zusammen gegen Sinn und Vernunft, zusammen gegen die Welt. Ein banaler Jungmädchentraum ohne jeden Sinn und wichtiger noch ohne jede Tiefe. "Fehler dürfen gemacht werden, schließlich sind wir jung..."- feuert ein dummes Schulmädchen mit stupiden Revoluzzerstolz von der Kanzel hinab. "Macht Liebe.." Oh Gott.
Nur eines geht mir nicht in den hölzernen Schädel herein. Twilight und die liebe Liebe. Meiner Treu, was hier für steife P-h-r-a-s-e-n geschwungen werden, da hätte selbst ein Shalkespeare seine wahre Freude, bevor er sich mit einer Kugel durch den Kopf einen Rest an Gehirn zu retten weiß.
Klar, davon lebt Twilight: Das diese platte Phrasengedresche b-i-e-r-e-r-n-s-t genommen wird. Ich hab's versucht und es funktionierte... o Gott, welch hehre Liebe, welch trautes Paar... anderthalb Sekunden später machte es *klirr* und ich warf einen Blick auf dieses Jammertal, was sich unter den geschnurrten Plattitüden versteckt, und konnte nur noch hilflos auflachen.
"Desto größer die Lüge, desto eher wird sie geglaubt." Treu enough. Die sog. "Liebe" von Edward und Bella wird zelebriert, bezeugt, dauerbeschallt, heruntergeleiert, pompös ausgebreitet und endlos bekniet - und ist so falsch und unehrlich wie Champagner aus Burgund. Nicht ein einziges Mal konnte ich diesen Möchtegern-Verliebten ihre Rollen abnehmen. Keine Chemie, nur sinnfreies Liebesgeholze. Belle Bella springt von einem Kerlchen zum nächsten, trägt mal dessen Armband, um im nächsten Augenblick das nächste Jüngelchen am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen. Gottlob sind ihre Jungs ebenso platonisch wie sie heilig. Und weit und breit kein Mann in Sicht...
Schauspielerisch ist das Liebestriangel eine einzige Peinlichkeit. Eddie ist die kastrierte Hühnerbrust, Jakey hat seinen bockigen Kleinkind-Blick noch immer nicht abgelegt und Bella ist die gewohnte Eisprinzessin, die so emotional tot und abgeklärt divenhaft daherkommt, dass ich den Sieger beim Rennen um ihre Hand nur bemitleiden kann.
Unter'm Strich: unschlagbar amüsant der Film. Mir fällt auf Ehre kein weiterer Film geschweige denn ganze Reihe ein, bei der ich so oft schallend lachen muss und den Rest der nie wirklich langweiligen Zeit dergestalt dauerfeixe, -gluckse, -grinse,- schmunzele und die Mundwinkel so herrlich wohltuend nach oben verziehe. Augenblicke wie die trinitäre Nacht im Zelt sind einfach nur episch, episch und nochmal episch. Höhöhö.
Wenn ich allerdings einmal meinen gestrengen Blick von diesen lausigen Gestalten abwende, kann ich dem Regisseur nur die Ehre entbieten, die er auch verdient: handwerklich genial. Es ist erstaunlich, wie sich die Nebenfiguren langsam an ihr tragisches Schicksal als Schauspieler in dieser läufigen Reihe gewöhnen und ungewohnt auftrumpfen. War es sonst nur die grüne Ashley, so vermochte mich nunmehr der sonst so knuffige Jasper schwer zu begeistern. Irre gut, der Junge, unheimlich abgeklärt und cool. Auch Billy Burke als Bellas Vater und die anderen Cullens spielten auf ungewohnt hohem Niveau. Interessanterweise hat der Regisseur aus seinen Nebenfiguren eine "Tiefe" herausquetschen können, die ich angesichts des banalen Quarks durchaus gelungen fand. Wenn Eddies blondes Schwesterlein von ihrer Verwandlung zum Vampir berichtet, dann habe ich ironischerweise nicht die Spur grinsen können - vielmehr hat es mich erstaunlich bewegt, so dass es mich im Anschluss schwer geärgert hat, wie die dumpfe Bella ein "Ich verstehe Dich!" absondert, ohne dass sie auch nur ansatzweise echte Gefühle verstehen kann und die Tragik dieses Augenblicks - wie so ziemlich alle Augenblicke, an denen sie beteiligt ist - in den banalen Dreck zerrt.
Im Übrigen ist die Inszenierung schwer gelungen, die Kämpfe perfekt durchchoreographiert (mit Ausnahme der Porzellan-Vamps) und Musik& Kamera sind toll und toller. Ohne das Liebesdreieck hätte es glatt ein guter Film werden können.
Fazit:
4 Sterne für eine handwerklich perfekte Kriegserklärung an echtes Liebesdrama.
"Unsäglich platt" oder "grausig banal" wären zwar in der Tat die korrekten Bezeichnungen. Da es sich aber vorliegend um eine bügelbrettflache Teenieschmoranze handelt, ziehe ich nur einen Stern für die Falschheit des Liebesgebrabbels und die leider allzu verschenkte und noch bedauerlicherweise ausgetauschte Victoria ab.
Wer im Übrigen einmal ein echtes Liebespaar sehen will, der sollte sich die wenigen Szenen von Jasper & Alice anschauen, deren wenige Liebesbekundungen mit mehr Finesse und echter Emotion ausgefüllt waren, als diese jenen Kitsch-Hülsen.