Der in Deutschland geborene und seit 1996 in Kanada lebende Eckhart Tolle gilt als einer der bedeutendsten spirituellen Lehrer der Gegenwart. Vgl. das Verzeichnis in der Liste des Londoner Watkins-Verlags:
http://www.watkinsbooks.com/review/watkins-spiritual-100-list
Dort rangiert er als meist gefragter Lehrer im spirituellen Bereich. In der vorliegenden DVD unterstreicht er seine herausragenden Lehrerqualitäten. Systematisch bezieht er menschliche Erfahrungsebenen, auf den gegebenen Augenblick: Das Jetzt, das immer neu den MOment gegenwärtiger Erfahrung ins Zentrum rückt. Auch wenn er keiner religiösen Tradition verpflichtet ist, so erinnert doch die Struktur dieser Darstellung durchaus an den Vierfachen Edlen Pfad im Buddhismus.
1. Leid-Erfahrung im Alltag
Ausgangspunkt für Tolle und seine Anhänger ist Leid-Erfahrung im Alltag: Die meisten Erwachsenen im europäischen und amerikanischen gesellschaftlichen Kontext erleben sich, in ihrer Erfahrungswelt bewusstseinsmäßig dort, wo sie meistens sind: In Gedanken. 'In Gedanken sein' heißt, in selbstkonstruierter Wirklichkeit.
Die Erkenntnisse Hirn- und Bewusstseinsforschung gehen davon aus, dass unser bewusstes 'Ich' oder 'Selbst' in Wirklichkeit ein Konstrukt unseres Gehirns ist. (vgl. Thomas Metzinger, 'Der Ego-Tunnel: Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik', Berlin 2009.) Das 'Ich' besteht aus Vorstellungen, aus selbstentworfenen Hoffnungen und Befürchtungen, Bewusstseins-Erleben, das sich zwischen Hoffnung und Befürchtung reflektiert. Dadurch ist Alltagserleben logischerweise auf Zukunft oder Vergangenheit fokussiert. Da Zukunft und Vergangenheit nur in Gedanken erlebt werden können, bleibt der gegenwärtige Augenblick meist unbeachtet. Man 'ist' überwiegend 'in Gedanken' da und dort gegenwärtig. Das eigene Gedanken-Bewusstsein findet zwischen Begegnung und Auseinandersetzung, zwischen 'Ergreifen- und Zurückweisen-Wollen' statt. Die so erlebte Existenz, bleibt unruhig, zwischen Hoffnung und Befürchtung, zwischen Vergangenheit und Zukunft hin- und hergerissen. Aktuell führt dieses Erleben zu Depressionen, Burnout-Syndromen und weiteren Krankheiten, bedingt durch unterschiedliche Stress-Symptomatik.
2. Suchbewegung
Die Abwesenheit des erlebten gegenwärtigen Augenblicks, darf ursächlich gelten für Leid-Erfahrung und damit verbundene gezielte und/oder verzweifelte Suchbewegungen auf dem weltanschaulichen Markt.
Das 'Ständig-in-Gedanken-Sein,' in Hoffnung und Befürchtung mit vergangenem oder zukünftigem beschäftigt, wird zur Gewohnheit. Gedankliche Gewohnheitsenergien verstärken sich im Alter zunehmend. So gewinnen die meisten Zeitgenossen den Eindruck, dass der unaufhaltsame Gedankenstrom, also 'Das Sein in Gedanken', das einzige 'Da-Sein' ist. 'Ich muss ' müsste eigentlich noch' ' 'ich sollte eigentlich '' 'so hab' ich mir das gar nicht vorgestellt, weil...'; das sind unzählige gedankliche Kategorien, mit denen wir ununterbrochen beschäftigt sind. Sie schließen uns ihrerseits Dialoge ein. Aber Hoffnungen, Befürchtungen beschränken unsere eigentlichen Möglichkeiten, in Fülle zu leben. Wir schränken uns selbst ein und fühlen uns mit zunehmenden Erwachsenenalter in diesen Gewohnheits-Energien gefangen.
3. Gegenwärtig sein
Für Tolle 'ist' das Jetzt immer schon gegenwärtig, also 'ist es jetzt da', im gegenwärtigen Augenblick. In solchen Momenten sind wir geistesgegenwärtig. Unsere Sprache hält diesen Moment sprichwörtlich fest.
Eine jüdische Weisheit formuliert Erwachsenen-Bewusstseins-Erfahrung aus Sicht eines Kindes: 'Gott ist immer da. Wer meist nicht 'da ist`, sind wir.' Schon im Neuen Testament wird kindliche Weisheit gerühmt. Wir dürfen viel 'mehr sein', als gedankliche Strukturen, Vorstellungsgewohnheiten und überlieferter Begriffsgebrauch. Die eigene Bestimmung zu finden, heißt für Tolle, sich in diesem Jetzt ganz auszusetzen, gegenwärtig zu werden. 'Entdecke deine Bestimmung heißt, die eigene Gegenwärtigkeit entdecken.
4. Beobachtung des Bewusstseins
Als Übungsweg, die verschüttete Gegenwärtigkeit wiederzuerlangen, schlägt Tolle vor, das eigene Bewusstsein zu beobachten. Das gegenwärtige Beobachten innerer Prozesse, lässt den Erwachsenen wieder Kind werden ' ein als Erwachsener gegenwärtig gewordenes Kind. Tolle bringt hiermit nicht Neues. Jesus sagt schon zu Beginn seiner Wirksamkeit: 'Kehret um.' Und er ergänzt in den Wachsamkeitsgleichnissen der Evangelien die Bedeutung des Augenblicks. Bei ihm treffen die Lehren Buddhas ebenso wie die Weisheitslehren unterschiedlicher Lehrer zusammen. Er lädt ein, über die gewohnte Gedankenwelt hinauszugehen in den erlebten erfahrbaren und vor allem einzigartigen Moment der Gegenwart. Dann wird der 'Friede Gottes' automatisch zu dem Frieden, der 'jetzt da ist.' Eben zu einem Frieden, der höher ist als alle Vernunft.'
Mit dieser DVD können Suchende, sich selbst auf den Weg des Bewusstseins machen, um die Kraft des 'Hier und Jetzt!' im Sinne der Lebensfülle zu entdecken.
Gerhard Kracht