Es gibt sehr viele Golfbücher. So viele, dass die Auswahl schwer fällt. Meist beschäftigen sich diese Werke, oft üppig bebildert und teils in der Dicke eines Dudens, mit der viel zu komplexen Technik des Sports. Nachteil: Niemand lernt das Golfspiel aus Büchern, würde es aber gern. Der geneigte Leser ist somit fast durchgehend damit beschäftigt, die mit vielen Fachbegriffen und Details gespickten Texte vor dem geistigen Auge umgesetzt zu sehen. Da dies aber meist nicht klappt, wird das Lesen anstrengender und zum Schluss langweilig. Eine erheblich leichtere Lektüre, die aber rein gar nichts mit technischen Finessen zu tun hat, gibt nun der Schweizer Autor Kurt W. Zimmermann an die Hand - Dauerlächeln garantiert.
Das kompakte Büchlein mit knapp 100 Seiten im Format A 5 entstammt der erlebten Praxis. Nicht der des Spiels an sich, sondern des Golferlebens mit seinem fast unerschöpflichen Anekdotenreichtum. Es bündelt gut 50 von Zimmermann für bekannte Zeitungen verfasste Kolumnentexte, die breitbandig das echte Leben neben der schnöden Technik des Spiels abbilden.
Der Autor erklärt anhand einer Runde mit zwei wichtigen Geschäftspartnern, wie einfach es beim Golf möglich ist, absichtlich zu verlieren - natürlich ohne dass es auffällt. So etwas geht im Grunde nur beim Golf und stimmt den bevorteilten Mitspieler positiv.
Auch ein Seitenhieb seinerseits auf die neu entstandenen Golfplätze, ultimative Nobelwiesen geschaffen von berühmten Spielern mit Weltruf, bleibt nicht aus. Zimmermanns Credo und Ziel, dass Golf eben immer Spass machen soll, wird anhand von Fakten negativer Beispiele untermauert. Niemand etwa bräuchte PAR 3's mit 200 Metern Länge und auch keine unter anderem damit einhergehenden Spielzeiten von bis zu 6 Stunden. So etwas macht sicher definitiv keinen Spass.
Ebenso wird die bekannte Reiselust von Golfern zu sonst eher ungewöhnlichen und unüblichen Jahreszeiten ausserhalb des Mainstream unter die Lupe genommen und sehr schlüssig erklärt, warum dies so ist. Warum? Golfer wollen eben nicht schwitzen.
Ein Ausspruch in "Echte Golfer weinen nicht", dessen Definition völlig nachvollziehbar gegeben wird, könnte auch aus berühmterer Feder stammen: "Je proletarischer der Sport, desto arroganter die Sportler." Wer ein wenig überlegt, kommt dahinter und versteht das. Logischer Umkehrschluss: Golfer können also nicht arrogant sein ...
Diese und andere Weisheiten finden sich im kurzweilig zu lesenden Büchlein wieder. Es enthält zwar keine echten Schenkelklopfer, doch ist wohl gerade deshalb interessant, weil fast jede/r sich dort wiedererkennt. Jeder und jede! Dass Kurt W. Zimmermann oft eigene Erlebnisse in der "Ich"-Form niedergeschrieben hat, macht die Lektüre noch persönlicher und sympatischer. Ob jedoch weibliche Leserinnen den im Buch sehr oft genutzten Term "man" grosszügig überfliegen oder ihnen dies negativ aufstösst, sei dahin gestellt gelassen ...