Mit einer zum Schmunzeln gespickten Anekdotensammlung über das täglich wundersame Tun der Golfer, "Echte Golfer weinen nicht", begann der gar nicht trockene Schweizer Golf-Kolumnist Kurt W. Zimmermann seine erlebten Weisheiten lesenswert unters Volk zu bringen. Da ihn aber mittlerweile weitere Erlebnisse beschäftigten, wollte er nun auch diese seiner Anhängerschaft im zweiten Büchlein "Echte Golfer fahren links" unterhaltsam anbieten. Es hat geklappt.
Über die fast 100 Seiten des handlichen Hardcover-Buches weiß Zimmermann mit etwas über fünfzig eigenständigen Kurzgeschichten durchgehend zu unterhalten. Wer das Golfspiel zu ernst nimmt, findet seine Ideen wie patroullierende Golf-Polizisten zur Spielbeschleunigung einzusetzen oder ein Verbot von Golfbermudas für Männer wegen der Unansehnlichkeit stokeliger Beine einzuführen, abstrus. Der Autor gibt dem Leser aber auch praktische Ratschläge mit auf den Weg. Wie schüttele ich einen Bienenschwarm auf dem Platz ab oder welche Ausrede benutze ich, um heimlich zum Golfen zu fahren: Ganz einfach - ein Besuch der Geliebten scheint als solche brauchbar und weniger verfänglich. Tiger Woods, meint er, soll es andersherum gemacht haben ...
Als nahezu genial kann auch eine konstatierende Aussage Zimmermanns gelten: "Kultur ist, wenn man vom Fairway aus alte Steine sieht." So nämlich lenkt man seine geschichtshistorisch interessierte Frau unauffällig in die Nähe von vorher recherchierten Golfplätzen, wenn die Reiseplanung ansteht.
Dass der Autor fast ein Verfechter moderner Platzlayouts ist und eher naturbelassene Links-Kurse liebt, wird mehrfach etwas zu überdeutlich betont. So wird aber auch die Weltbereistheit Zimmermanns, die sich wie ein roter Faden durch das Büchlein zieht, unterstrichen. Aber man glaubt es ihm, wie er die weltweit anzutreffenden Marotten der Golfer sehr bildhaft beschreibt. Auch Schwabbelhüften und Pferdehintern hielten niemanden vom Spiel ab - ob dies nun unsportlich erscheine oder nicht. Wer sich durch seine deutliche Wortwahl angespochen und ertappt fühlt, hat eben Pech.
Sehr treffend auf den Punkt gebracht hat der Kolumnist das wahrlich Elitäre beim Golf, denn nicht das Oberschichtgehabe, sondern die immer fehlende Zeit sei ja das knappste Gut - was aber eben nicht bezahlbar sei.
"Echte Golfer fahren links" ist die perfekte Unterhaltung für dunkle und kurze Wintertage, lässt sich aber auch vorzüglich auf der Liege im Urlaub durchschmökern. Die kurzen Anekdotenbröckchen lassen die Zeit des Lesens wie im Flug vergehen und sind sehr gut verdaulich - und köstlich dazu. Die Ernsthaftigkeit des Spiels selbst leidet für humorvolle Genießer nicht darunter.