Da liegt sie vor mir. Endlich! Nach zehn harten Jahren der Entbehrung und zwei mehr oder weniger geglückten Soloalben des kongenialen Geschwisterpaars Bettens waren meine Erwartungen an ein Comeback von K's Choice doch recht hoch. Vielleicht etwas zu hoch, denn ein gewisses Maß an Enttäuschung kann ich auch nach mehrfachem Hören von "Echo Mountain" nicht leugnen. Dabei begann mit der Vorabsingle "When I lay beside you" alles recht viel versprechend, geradezu wie eine logische Fortführung von Almost happy", dem letzten Output der belgischen Rockformation, das eher leisere Töne anschlug und durchaus als das reifste der bis dato erschienen vier Studioalben angesehen werden konnte.
Eine einfach gestrickte Akkordfolge gepaart mit dem zweistimmigen Harmoniegesang von Sarah und Gert vermischen sich hier zu einem Melodiefluss in den man ohne langes Zögern gerne ein- und abtaucht.
Gleiches gilt für Come live the life", dem sich langsam steigernden Opener der auf zwei Silberlinge gepressten 14 Tracks. Vertrautes Fingerpicking zu Beginn und ein wunderbar zuversichtlicher Refrain sind die wohl dosierten Zutaten für diese K's Choice typische Midtempo-Nummer.
Die gleiche Richtung schlägt auch das nachfolgende "Let it grow" ein, bevor mit "Echo Mountain" der wolkenverhangene Soundhimmel endgültig aufreist und dessen Einladung: "Come with me" man gerne Folge leistet.
"Perfect" klingt wie ein unverwerter Song einer der letzten beiden Compilationen der weiblichen Hälfte des Singer-/Songwritergespanns und entbehrt daher für meinen Geschmack etwas an Nachhaltigkeit.
Ganz im Gegensatz zu "I will carry you". Hier zeigt sich, dass einfach nicht gleich einfallslos bedeuten muss. Genau so wenig würde jemand ernsthaft behaupten, dass zum Verständnis des Rock ein Abi als Voraussetzung notwendig ist.
"If this isnt't right" hingegen hatte mich schon auf einer dieser schlechten YouTube- Konzertmittschnitt-Videos nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Diesen Eindruck kann auch eine "saubere" CD-Aufnahme nicht aufhellen. Wo wir schon mal bei Thema Aufnahme sind: Irgendwie werd' ich das Gefühl nicht los, dass manche Gesangsstellen nicht wirklich gut abgemischt sind, ja beinahe schief klingen. Aber vielleicht liegt das auch an meinen Ohren. Man wird schließlich nicht jünger und wenn es noch mal zehn Jahre dauern sollte bis es wieder zu einem neuen K's Choice Album kommt, bin ich höchst wahrscheinlich nicht mal mehr unter den lebenden Fans.
Dafür darf man zu meiner Beerdigung "Say a prayer", "These are the thougts", "16" und "Along for the ride", allesamt Titel der 2. CD von Echo Mountain, gerne in Endlosschleife spielen. Viel entspannter kann's im Jenseits auch nicht zugehen, denn das sind einfach himmlische Klänge, die einem da förmlich ins Ohr kriechen. Das soll die Qualität von "Killing dragons" und "America", die fast schon den Spirit eines Klassikers a la "Sound of silence" und von Simon und Garfunkel verbreiten, jetzt in keiner Weise schmälern. Überhaupt empfinde ich die Ruhe der Songs der "Rückseite" insgesamt gelungener als das teilweise nicht so recht überspringende Feuerwerk der "Kracherscheibe".
Das abschließende How simple it can be" darf man dann getrost als Bonustrack bezeichnen, auf dessen Cheesyness ich getrost hätte verzichten können.
Alles in allem bleibt trotz Punktabzug aber ein guter Gesamtreindruck, der trotz der musikalischen Stilvielfalt immer ausgewogen bleibt.
Schließlich konnte ich auch bei Sarah's "Shine" nicht unter die Drei-Sterne-Grenze gehen. Sorry, das ist nun mal das Los eines eingefleischten Fans.