Dies ist meine erste Rezension, habt Nachsicht.
Ecce homo ist sicherlich kein einfaches Buch, es eignet sich nicht als Einstiegswerk, sondern höchstens als "Abschreckwerk", dieses Buch sollte nur gelesen werden, nachdem man andere Bücher Friedrich Nietzsches gelesen hat. Allgemein sollte man sich im klaren sein, das Nietzsche nur eine schlechte Bettlektüre bietet.
Ich gebe diesem Artikel fünf Sterne, weil ich das Buch für erfrischend anders halte, hier drückt endlich mal jemand aus, was er wirklich von sich und seiner Arbeit denkt!
Andere Rezensionen bemängeln die andauernde Selbstverteidigung oder Selbstrechtfertigung, meiner Meinung nach, erleuchtet das nur seine anderen Werke im Lichte seiner eigenen Gedanken über sie.
Und wie Nietzsche selbst sagt: "Auf tausend Brücken sollen sie sich drängen [..] und mit ihren Bildern und Gespenstern sollen sie noch gegeneinander den höchsten Kampf kämpfen!", zum Kampf gehört eben auch die Verteidigung, erfrischend lebt hier einer mal - zumindest teilweise - sein Credo.
Inhaltlich arbeitet Nietzsche seine Werke ab und versieht sie mit seinen biografischen Daten zur Zeit ihrer Entstehung und einigen erläuternden Kommentaren.
Zur Bewertung des Inhalts: Hier wird zum Bekehrten gepredigt, wer von Nietzsche auch sonst überzeugt ist, bekommt hier neues Futter, wer auch sonst eher ein Feind ist, wird hier nichts anderes finden. Nietzsche greift - wie immer - die Moral des Christentums an und predigt vom Übermenschen und seiner Verkörperung dieser neuen Gattung, insbesondere das Wort "Höhe" kommt sehr häufig vor.
Allgemein denke ich wird Nietzsche häufig missverstanden, er ist weder Antisemitisch, noch Nationalsozialistisch(hier im Werk findet man auch das eindeutige Zitat dafür!), aber er sieht das Böse oder zerstörerische als ein Teil dieser/unserer Welt und sein Hauptpunkt ist eben das bejaen - und am besten partizipieren in dieser Tatsache - der Realität als Ganzes und immer Wiederkehrendes.
Habe den Mut zum ewigen Leiden und hab sogar Spaß dran, das ist doch mal ein Imperativ.
Sein zweiter Punkt ist das Anprangern des Versteckens hinter Idealen(wie dem Christentum und den deutschen Idealisten) - ich sehe daran, etwas für die moderne Welt "umgedeutet" kein Problem, nur weil man sich von Idealen als Schutzwällen und Verklärungen lossagt und die Realität bejaht, ohne gleich langweiliger Empirist zu werden(und das sage ich als Physiker!), heißt das nicht, dass diese luftige Höhen des Willens zur Macht unbedingt als gnadenloses zerstören der Anderen gesehen werden muss. Sondern doch vielleicht eher als "Weltmission" (Nietzsche selbst beklagt die Vereitelung des Feldzugs Napoleons und der Einigung Europas) - gemeinsam als Menschheit, zur Erlangung größerer Macht, ungehindert von Sperrigen Idealen, die die Wissenschaft und den Forschritt behindern.
Zusätzlich haben mich die andauernden Seitenhiebe auf den Deutschen belustigt!
Als Abschluss würde ich sagen, Nietzsche ist nicht für Jedermann, aber ob Gegner, Anhänger oder Neugieriger, seine Hauptwerke offenbaren auf jedenfall eine Neue, nicht so häufig anzutreffende, vielleicht auch interessante, Weltansicht - die es belohnt, wenn man sie erforscht.