Dieses Buch hatte alle Chancen, ein Klassiker zu werden: Ein Thema, das bei Erscheinen des Buches - und auch heute angesichts SARS - so aktuell war wie im Jahr 1976; ein Autor, der damals selbst dabei gewesen ist, das medizinische und politische Hintergrundwissen besitzt, und Zaire nach 16 Jahren Aufenthalt so gut kennt wie kaum ein anderer Verfasser von Büchern zum Thema.
Warum hat es nicht geklappt? William Close hatte zwei Möglichkeiten, einen Klassiker zu schreiben:
Zum einen hätte er einen spannenden Tatsachenbericht schreiben können, der dem Leser die Ereignisse des Ausbruchs der Seuche vor dem Hintergrund der medizinischen, politischen und sozialen Situation in Zaire und ihrer weltweiten Bedeutung präsentiert.
Zum anderen hätte sich der Autor für einen Thriller entscheiden können, der die Geschichte aus der subjektiven Perspektive eines Einzelnen (z. B. eines Arztes, einer Schwester oder vielleicht eines einheimischen Medizinmannes) darstellt.
William Close hat sich nicht entschieden. Er hat versucht, beide Bücher in einem zu schreiben und hat jedes nur angefangen. Die Auftreten der Charaktere ist sprunghaft; sie bleiben die bedauernswerten Opfer ohne Identifikationspotential. Der Leser sieht die Seuche weit weg im fernen Afrika. Hier und da ein Brocken Französisch oder Lingala macht noch keine Atmosphäre. Für den Tatsachenbericht fehlt der Blick auf die Zusammenhänge. Die zeitlichen und all die anderen Verkettungen, die man doch nachvollziehen will, verlieren sich in den einzelnen Ereignissen. Das Gesamtbild, das der Autor im Vorwort ankündigt, fehlt am Ende.
Schade - es hätte ein Klassiker werden können.