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In der Tat haben sie während der ganzen letzten Jahre - einer Zeit in welcher Dance Music totgesagt wurde - die Fahne der House Music Freaks stets hochgehalten.
Ihre Remixe sind legendär: Kelis, The Rapture, DJ Hell und vor allem Spektrum (mit ihrer beeindruckenen Neuauflage von Kinda New) - sie alle haben von diesem magischen Glitzerstaub profitiert, mit dem Tiefschwarz ihre Fans verzaubern.
Ähnlich inspirierend sind auch ihre eigenen Produktionen: der fesselnde House-Hit „On Up" und der ebenso beeindruckende Track „Acid Soul" verschafften ihnen 2001 große Aufmerksamkeit. Inzwischen entzauberten sie mit ihrem Debutalbum von 2002 „Ral 9005" den Mythos, House-Alben könne man nicht mehr als einmal anhören.
Neben den Remixen und Produktionen sind die DJ-Sets die dritte Waffe im Arsenal von Tiefschwarz. Nachdem sie mit ihrer ansteckenden Begeisterung ihre Botschaft um den gesamten Erdball verbreitet haben, hat ihre Fähigkeit, die Dancefloors jeglicher Schattierung aufzumischen (zum Beweis der hypnotische „Misch-Masch"- Mix im letzten Jahr), einen direkten Einfluss auf ihren stetig anwachsenden Sound gehabt. Und nun hat sich aus diesem explosiven Tryptichon von Fähigkeiten das bislang verführerischste Statement von Tiefschwarz herauskristallisiert: ihr neues Album, Eat Books.
Obwohl es ein deutsches elektronisches Album ist, liegt das Geheimnis der Signalwirkung von „Eat Books" in seiner offenen Auseinandersetzung mit Stilrichtungen der ganzen Welt. Und das geht so: Man nehme eine Prise von New Yorks „DFA" angespannter innerer Dynamik, setze Detroits laufende Liebesaffäre mit gefühlbetontem und beseeltem Techno fort, beschwöre die lässige Coolness der verruchtesten britischen Clubs herauf, und füge den sexuellen Esprit der französischen Disco Kids hinzu. Dies - in Kombination mit Deutschlands natürlichem elektronischem Gefühl für Groove - ist es, was Eat Books einzigartigen Charme ausmacht.
„Es ist wichtig, niemals die Ohren zu schließen" sagen Ali und Basti. „Wir reisen durch die Welt und hören so viele verschieden Arten von Musik. Für uns eine so große Vielfalt jetzt ganz natürlich, sie funktioniert instinktiv. Wir mögen DFA ebenso wie Ricardo Villalopos.
Diese Einstellung wird immer Innovationen hervorbringen, ebenso wie der Wunsch, sich selbst und sein Publikum ständig neu zu überraschen. Sie ist das Rückgrat von Ali's und Basti's Studio Sessions in Berlin mit ihrem Studiopartner Jochen Schmalbach.
„Wir hatten anfangs keine konkrete Vorstellung," erklären die Brüder „und es dauerte eine Weile, bis wir unseren Groove fanden. Wir wussten nur, dies muss eine Reise in den Sound werden, denn Sound ist es, was uns schon immer interessiert hat. Aber aufgrund der verschiedenen Richtungen, die wir eingeschlagen haben, würden wir sagen, es hat Pop Cross-Over Potential."
„Das ist moderne Tanzmusik. Der Stil, die geschmacklichen, die rockigen Einflüsse, das etwas düstere, dunklere Pop-Ding."
Damit hat er Recht. „Warning Siren" mit Matty Safers (von The Rapture) treibenden, bellenden Gesangseinlagen ist so präsent, dass es beinahe schmerzt. Aber gleichzeitig ist es in seinem einzigartigen „Talking Heads-zappeln-in-der-Disco-im-LFO-Stil" auch absolut zeitlos. „Wait and See" feat. Chikinki's Rupert gibt uns eine absurde Vorstellung davon, wie es aussehen könnte, wenn die Happy Mondays auf Hi-NRG machen.
Auch diese Zusammenarbeit war eher zufällig als geplant. Ali und Basti kannten Matty von der Arbeit an einem Remix, den sie für The Raptures Sister Saviour gemacht hatten. Gefragt, ob er jemanden kenne, der zu „Warning Siren" singen könne, küsste er ihnen buchstäblich die Füße. „Die Nacht vor der Aufnahme haben wir in Berlin Party gemacht," erklären sie. „Ich glaube er hat es am nächsten Tag gefühlt."
Chikinki's Rupert sang auf "Wait and See", da die Brüder zuvor an einem Remix und einer Produktion gemeinsam mit der Band gearbeitet hatten.
Natürlich gibt es auch einen beeindruckendes Angebot von - Achtung, Klischee! - Samstagabend-Discokrachern. Der unverkennbare Groove von „Issst" (gleichzeitig der Name ihrer Acid House-Parties in London's The Key zu Anfang des Jahres) ist großartig.
„Ich glaube es ist jetzt wieder alles ganz normal," bemerkt Ali angesichts der turbulenten Jahre in der Dance Music. „Wir haben die Superstar DJ-Ära hinter uns gelassen, jetzt ist es eher wieder eine große, glückliche Familie. Da gibt es wieder mehr Stil, mehr Sexiness. Es tanzen eindeutig wieder mehr Mädchen. Und es gibt diese ganzen seltsamen Kombinationen, Rock mit House, Techno mit Reggae. Es ist großartig, die Ehrlichkeit ist zurück."
Und was hat es mit dem seltsam surrealen Titel des Albums auf sich? Keine Sorge, Tiefschwarz haben sich nicht komplett ins La-La-Land verabschiedet. Wenn man ein Buch liebt, ließt man es nicht nur, man verschlingt es geradezu, nimmt es mit jeder Faser seines Wesens auf. Und dies genau trifft auf alles zu, was Ali und Basti anfassen. Man tanzt nicht bloß zu Tiefschwarz, man isst sie, man verschlingt sie. Und sie schmecken fantastisch.
Also meiner Meinung nach eine richtig geile scheibe mit absoluter suchtgefahr!!!
An dieser stelle ein großes Dankschön an Bast und Ali macht weiter so und seit immer wieder für neue sachen offen !!
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