Die Allman Brothers gelten gemeinhin als Urväter des Southernrock und damit als Vorbilder solcher Bands wie Lynyrd Skynyrd oder Molly Hatchet. Diese gemeinsame Kategorisierung darf aber nicht darüber hinweg täuschen, daß die Musik der Allman Brothers sich deutlich komplexer präsentiert als der vergleichsweise simple Rock jener Bands. Ausgedehnte Instrumentalpassagen, überraschende musikalische Einfälle, abwechslungsreiche Rhythmik sowie glänzende individuelle Leistungen der Bandmitglieder charakterisierten von Beginn an ihren Stil und zeichnen auch "Eat a Peach" aus, das eine tiefgreifende Zäsur in der Geschichte der Band markiert, denn während der Aufnahmen zu diesem Album verunglückte Gitarrist Duane Allman auf seinem Motorrad tödlich. Er hatte bis dahin den Gruppensound maßgeblich mit geprägt durch seine exquisite Slide-Technik und das kongeniale Wechselspiel mit dem zweiten Gitarristen der Band, Dickey Betts. Mit dem Tode Duane Allmans fiel nicht nur dieses Markenzeichen weg, auch trat die ursprünglich bestimmende Ausrichtung am Blues zunehmend in den Hintergrund.
Auf "Eat a Peach" findet sich indessen noch die für die Anfangsjahre der Allman Brothers typische Synthese aus weißem Country-Rock und schwarzem Blues, auch wenn Duane Allman nicht mehr bei sämtlichen Aufnahmen mitwirkte. Die CD besteht zum Teil aus Studioaufnahmen und zum Teil aus Live-Mitschnitten. Hohe Qualität besitzen die Kompositionen allesamt, zudem wird hier musikalische Vielfalt geboten mit sehr unterschiedlichen Songs wie bspw. dem romantischen "Melissa", dem Instrumental "Les Brers in A Minor" mit seinem phantastischen Spannungsaufbau, dem authentischen Country-Sound von "Blue Sky" oder dem akustischen Gitarrendoppel "Little Martha". Ihre ganze musikalische Klasse demonstrieren die Allman Brothers bei den drei Live-Tracks, die allerdings Inhaber der "Fillmore Concerts"-CD (also der erweiterten "At Fillmore East"-Aufnahmen) bereits ihr eigen nennen. Allem voran beim rund halbstündigen "Mountain Jam" entzünden die sechs Musiker ein Feuerwerk der Improvisationskunst mit glänzenden Soli aller Beteiligten. Duane Allman und Dickey Betts spornen sich gegenseitig zu Höchstleistungen an der Gitarre an, die Doppelbesetzung am Schlagzeug mit Butch Trucks und Jai Johansson liefert einen mitreißenden und äußerst dichten Rhythmusteppich, Gregg Allman holt aus seiner Hammond das Beste heraus und Bassist Berry Oakley besorgt das eingängige, atemlos vorantreibende Grundriff. Das Alles klingt dabei so homogen, wie es eben nur einer Formation gelingt, die vor ihrem Gang vor das große Rockpublikum beinahe ein ganzes Jahr mit gemeinsamem Proben verbrachte.
Wer sich für zugleich urwüchsige wie anspruchsvoll umgesetzte Rockmusik begeistert, sollte bei "Eat a Peach" unbedingt zugreifen. Allein der "Mountain Jam" lohnt im Grunde schon den Kauf. Und falls sich jemand (wie ich lange Zeit) über den eigentümlichen Titel wundert: "Peach" steht im Englischen informell für Personen oder Dinge, welche besonders zu gefallen wissen, so daß "Eat a Peach" schlicht der Aufruf zum Genuß der schönen Dinge des Lebens sein dürfte - am Besten mit diesem exzellenten Album anfangen!