Das EasyPad wird in einem schönen Karton mit Magnetverschluss sowie etwas Zubehör geliefert: ein Netzteil zum Laden, ein USB-Kabel für die PC-Verbindung, ein USB-Adapter-Kabel für Sticks und ein Netzadapter für's Ausland. Es gibt eine CD, aber keine gedruckte Anleitung. Kopfhörer oder eine Schutzhülle werden nicht mitgeliefert. Auf dem Display befindet sich eine Displayschutzfolie (unter einer Transportschutzfolie), aber die hat Easypix so schlecht und blasig angebracht, dass sie bei beiden von mir gesehenen Geräten runter musste. Das Gerät liegt im Karton sicher in einer Form aus weichem Material, deren Deckel einem Mauspad ähnelt. Dieser bietet sich später als Unterlage für den Betrieb an - wenn er ein paar Tage nach dem Auspacken nicht mehr intensiv chemisch riecht.
EasyPad
Das EasyPad 970 ähnelt frappierend Apple's schwarzem iPad 1. Die Abmessungen unterscheiden sich nur geringfügig: 0,2mm breiter, 0,3mm länger und 3,6mm dünner (die Angaben auf der Easypix-Webseite zur Grösse sind falsch; es ist ca 243,0 x 190,0 x 9,8 mm gross). Es besitzt wie das Vorbild eine Vorderseite aus Glas und eine einteilige, helle Rückseite aus Metall. Wäre ein Apfel-Logo auf der Rückseite, könnte man die Geräte optisch kaum unterscheiden. Es fühlt sich dank kühlem Metall und Glas hochwertig an und ist weit von dem entfernt ist, was man normalerweise von NoName-Geräten erwartet. Das iPad liegt aber etwas angenehmer in der Hand, da dessen Displaykante handschmeichlerisch gerundet ist. Das EasyPad wiegt etwa so viel wie das iPad 1 bzw. 70g mehr als das iPad 2.
Das EasyPad besitzt ein ebenso hochwertiges und überzeugendes Display wie das Tablet von Apple: ein blickwinkelstabiles 9,7"-IPS-Panel im 4:3-Format mit 1024x768 Pixel und (keinesfalls üblich!) 10-Point-Multitouch. Damit kann man Anwendungen wie ein Piano, in denen mehrere Finger das Display berühren, problemlos ausführen. Das Display kann bei Bedarf sehr hell eingestellt werden. Die glänzende Glasoberfläche zieht zwar Fingerflecken magisch an und spiegelt stark, ist dafür aber pflegeleicht und unempfindlich.
Die 2MP-Kamera auf der Vorderseite ist bei guten Lichtverhältnissen für Videoanrufe mehr als ausreichend. Die 2MP-Kamera auf der Rückseite reicht neben einfachen Fotos zum Erfassen von Strichcodes mit den geeigneten Android-Apps.
Von der Geschwindigkeit her entspricht das Tablet dem, was man von rk2918-CPUs kennt: das sind nicht die schnellsten Tablets, insbesondere keine Dualcores, und Android läuft gelegentlich sowieso nicht so flüssig wie Apple's iOS. Aber es ist alles hinreichend schnell. Videos bis 720p laufen einwandfrei. Das Tablet wird im Betrieb kaum warm.
OS
Das EasyPad kommt mit Android 2.3, allerdings mit Android 3-Userinterface. Launcher und Statusleiste sehen etwas anders aus, als bei Android 2.3-Geräten eigentlich üblich. Insbesondere liegt die Statusleiste unten, nicht oben. Das führt - sehr selten - zu Problemen, da manche Anwendungen noch keine unten liegende Android 3-Statusleiste kennen. Dann wird mal ein Menü teilweise verdeckt. Ansonsten funktioniert alles wie erwartet und bei Android 2.3 üblich. Der Android-Market ist eingebunden. Bei Interesse kann man die Firmware "rooten" und dann auch Aktionen vornehmen, die normalerweise nicht vorgesehen sind, wie das Entfernen vorinstallierter Anwendungen.
Laufzeit
Dank zwei 4000mAh-Lithium-Akkus, was der Hersteller kurzerhand zu 8000mAh addiert, läuft das Gerät für Tablet-Verhältnisse lange: 6h bei intensiver Benutzung mit Internet (WLAN) sind kein Problem. Ich lasse das Tablet über Nacht aufladen, so dass ich die Ladezeit nicht kenne, sie scheint aber eher kurz zu sein, da der Akkustand nach dem Anstecken des Netzteils schnell steigt.
Erweiterbarkeit
Eine der beiden USB-Buchsen hat Host-Funktionalität, d.h. das Tablet kann nicht nur zum Befüllen mit Daten als Laufwerk an den PC angeschlossen werden, sondern auch seinerseits auf USB-Laufwerke/Sticks zugreifen. USB G3/UMTS-Modem-Sticks werden unterstützt, allerdings habe ich keine Kompatibilitätsliste für dieses Tablet gefunden. Bluetooth-Dongles werden nicht unterstützt. Es gibt einen Slot für Micro-SDHC-Karten zu Erweiterung des Flash-Speichers um bis zu 32GB.
Lautstärke und Klang der Lautsprecher sind Tablet-typisch bescheiden. Immerhin liegen die Lautsprecher auf der Seite und nicht hinten. Es reicht für Spiele und Tagesschau, Musik möchte man damit nicht hören. Die Kopfhörerbuchse bietet normalerweise einen klaren Sound. Je nach Tabletnutzung kann man während der Wiedergabe gelegentlich ein leichtes Störgeräusch hören. Eine Hörbuchwiedergabe bei abgeschaltetem Display ist glasklar.
Probleme
Der Rand des Tablets besteht aus Metall, so das beim Anschluss des Netzteils dessen Stecker am Rand kurzgeschlossen werden kann. Dann gibt es einen kleinen Funken, sofern das Netzteil schon in der Steckdose steckt (was mithin zu vermeiden wäre). Das sollte der Hersteller verbessern.
Internet
Das EasyPad 970 ist kein Geräte für Leute, die ein mobiles Tablet suchen oder die es als Multimedia-Center für das TV vorgesehen haben. Dafür ist es zu groß, zu schwer und bietet zu wenig Features: es gibt weder ein internes G3/UMTS-Modem für Internetzugang, noch GPS, noch Bluetooth oder gar HDMI. Immerhin kommt man im Urlaub oder Zug mit G3-Stick wie dem Huawei 1750 in's Internet. Zu Hause sollte man allerdings einen WLAN/Wifi-Router einsetzen, da G3-Sticks nicht direkt an das Tablet angesteckt werden können, sondern per Adapter-Kabel an der Micro-USB-Buchse baumeln. Mit WLAN-Router erfolgt der Internet-Zugang problemlos. Das Tablet unterstützt 802.11n/150MBit und WPA/WPA2. Es gibt übrigens WLAN-Router, die auch per Mobilfunk (G3/UMTS-USB-Stick) in das Internet kommen, so dass ein Festnetz-Internet-Anschluss nicht unbedingt erforderlich ist. Beispiel: TP-Link TL-MR3220.
Geräte wie das EasyPad 970 überschwemmen zur Zeit den China-Markt: Visture V2, Window N90, Cube U9GT2, Chuwi V9 usw. basieren alle auf dem gleichen Mainboard: ein rk2918-Board mit 1GB RAM in Verbindung mit diesem 10 Point-Multitouch-IPS-Display von LG. Die Gehäuse dieser Hersteller unterscheiden sich minimal, auch gibt es kleine Unterscheide bei der Bestückung mit Speicher und Kameras (so hat das EasyPad 8GB Flash-Speicher, das Cube 16GB), aber ansonsten sind sie kompatibel. Für Android-Portierungen ist anscheinend rockchip, der Hersteller der CPU-Plattform, zuständig. Das ist vorteilhaft, da so ein kleines Ecosystem kompatibler Tablets entsteht. So gibt es sogar schon Android 4.0 "ICS". Easypix hält sich mit dem Downloadangebot noch zurück, aber man kann die Vorabversion über die Cube-Seite abrufen.
Fazit: Das EasyPad 970 ist die ideale Surfstation für das Wohnzimmer: es sieht edel aus, bietet dank großzügig ausgelegtem Akku lange Laufzeit und das Highlight ist das Display.